20.01.2020 - 09:23 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Lesung mit Sophie von Bechtolsheim im Kubus

Claus Schenk Graf von Stauffenberg ist mit dem Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 untrennbar verbunden. Seine Enkelin, Sophie von Bechtolsheim, las aus ihrem Buch: "Stauffenberg - Mein Großvater war kein Attentäter" im Kubus.

Stauffenberg und sein gescheiterter Versuch, den nationalsozialistischen Wahnsinn zu stoppen, sind zu einem Mythos geworden. Die Enkelin und Historikerin Sophie von Bechtolsheim berichtete über die Familie Stauffenberg und über Person und Motive des Großvaters, den sie nur vom Hörensagen kennt. Ihr Fazit: Stauffenberg wollte nicht das Attentat, er wollte den Umsturz.
von Marielouise ScharfProfil

Das Interesse an ihren Ausführungen war beachtlich groß! Eingeladen nach Ursensollen hatte der SPD-Kreisverband Amberg-Sulzbach. Eine Antwort auf neue Stauffenberg-Biographien „mit handwerklichen Mängeln“ sollte ihr Buch sein, so die Erklärung der Autorin, geboren 1968, Historikerin und Kommunikationswissenschaftlerin. Sie lebt und arbeitet als Mediatorin in Uffing am Staffelsee, ist verheiratet und hat vier Söhne. Außerdem ist sie stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung 20. Juli 1944.

Nach kurzer Begrüßung durch Kreisvorsitzenden Uwe Bergmann und informativem Filmvorspann zum Thema Widerstand im Dritten Reich, begann die Lesung. Ihr Anliegen ist es, Claus Schenk Graf von Stauffenberg von den zahlreichen – teils verworrenen – Deutungen zu befreien, ihn nicht länger als Lichtgestalt, Superheld oder Attentäter dargestellt zu sehen, sondern als Mensch, der er war. So schafft sie ein einzigartiges Dokument über eine Zentralfigur der neueren deutschen Geschichte, so im Verlagstext zu lesen.

Das Besondere dieses Abends waren aber die Informationen aus dem privaten Bereich. Zugrunde liegen dabei persönliche Dokumente, größtenteils aber Gespräche mit Verwandten und besonders mit ihrer Großmutter Nina, auf die sie ebenfalls sehr stolz sei. „Aushalten und Ausharren“ sei ihre Devise gewesen. Von ihr habe sie von der romantischen Liebesgeschichte ihrer Großeltern erfahren, aber auch, dass der Großvater nicht schwindelfrei gewesen sei und außerdem nicht viel Wert auf „Kleiderordnung“ gelegt habe. Viele Einblicke ins Stauffenberg'sche Privatleben, seinen Charakter, seine Ziele und Vorstellungen liefert das Buch. In einem Interview antwortete sie einmal: „Ich habe keine Biografie geschrieben, sondern erzählt, was ich aus der Familie, vor allem von seiner Witwe, meiner Großmutter, in langen Gesprächen über meinen Großvater erfahren habe. Es ging mir als Historikerin auch darum, dieses Wissen über den Menschen Stauffenberg weiterzugeben.“

Ich trage einen großen Namen – Sophie von Bechtolsheim berichtete auch offen von ihren Begegnungen mit Zeitzeugen und berühmten Politikern, die sie als jugendliche Enkelin des Hitler-Attentäters bei feierlichen Attentats-Jahrestagen oftmals traf. Vieles blieb damals ungefragt. Der Abend im Kubus endete dafür mit einer engagierten Diskussionsrunde.

Stauffenberg und sein gescheiterter Versuch, den nationalsozialistischen Wahnsinn zu stoppen, sind zu einem Mythos geworden. Die Enkelin und Historikerin Sophie von Bechtolsheim berichtete über die Familie Stauffenberg und über Person und Motive des Großvaters, den sie nur vom Hörensagen kennt. Ihr Fazit: Stauffenberg wollte nicht das Attentat, er wollte den Umsturz.
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