28.01.2019 - 11:15 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Sperrgebiet Akropolis

Um „starke Frauen“ dreht sich das aktuelle Projekt des Evangelischen Bildungswerkes Amberg. Einer davon setzte der Komödiendichter Aristophanes vor rund zweieinhalbtausend Jahren ein Denkmal: Lysistrata! Jetzt zu bewundern in Ursensollen.

"Lysistrata - Die Rebellion der Frauen"
von Marielouise ScharfProfil

Die schöne Athenerin ist heute noch bekannt. In der fröhlich frechen Inszenierung der Landesbühne Oberfranken tummelte sich die Schöne mit ihren Gefährtinnen am Freitagabend auf der Bühne im gut besuchten Kubus-Kultur-Tempel in Ursensollen.

Auf der Bühne zwei Ebenen, oben Säulen rechts und links. Die höhere Position hat Regisseur Jan Burdinski den Frauen als Spielplatz zugewiesen. Sie verteidigen ihr Sperrgebiet mit großem Einsatz. Die Männer marschieren eine Etage tiefer herein. Obwohl sie bestens mit Helm und Schwert ausgerüstet sind, unterliegen sie letztendlich den „Waffen der Frauen“!

Worum geht’s? Um Krieg und Frieden! Der Kriegsgott Ares (Jürgen Peter) freut sich über das Gemetzel. Die Frauen sind es leid, und so verbünden sich Lysistrata (Stefanie Rüdell) aus Athen und Lampito (Claudia Raab) aus Sparta mit vielen anderen Frauen, um endlich Frieden zu erreichen. Die Kämpfer schlagen blutige Schlachten, die Frauen zuhause sind einsam und verzweifelt. „Kein Tröster weit und breit“ klagen sie. So kann und soll es nicht weiter gehen! Die Frauen um Lysistrata beschließen: wenn die Männer nicht hören wollen, dann müssen sie eben fühlen! Ihre Strategie? Sie besetzen die Akropolis und konfiszieren die Kriegskasse. Ab sofort gilt der Schwur: keine Liebe, kein Sex, keine Zärtlichkeit zwischen Mann und Frau, bis die Feinde Frieden schließen. „Wir dürfen mit den Männern nicht ins Bett!“ Aber damit nicht genug. Sie schlüpfen aus ihren grauen Gewändern und hübschen sich auf, sie locken mit ihren Reizen und geizen mit Liebkosungen, sie teilen den Becher mit Wein und schwören Athene, der Göttin der Klugheit, zusammenzuhalten, bis zum Erfolg ihrer Maßnahmen.

Hatte der Chor der altgriechischen Dramen die Aufgabe zu erfüllen, das Publikum mit Hintergrundinformationen zu versorgen, so lieferten die Gruppenauftritte in der modernen Fassung ganz besonders köstliche Szenen. Der Sirtaki-Aufmarsch der Männer ist so ein kluger Schachzug, oder das Entwirrspiel mittels Wollknäuel, um den Weg zum Frieden darzustellen! Gesungen und gesprochen zählen diese Momente zu den Höhepunkten. Sie sind einfallsreich choreographiert, witzig gespielt und großartig interpretiert. Immer wieder fragt sich der balzende Mann: „Soll ich heulen oder hassen?“ und kommt schließlich zum Entschluss: „Auf Frauen dürft ihr nicht bauen!“. Aber von wegen ein Mann ein Wort. Am Ende liegen sich die Geschlechter in den Armen, der Liebesentzug hat ein Ende und der Frieden kann Einzug halten.

Die Landesbühne Oberfranken hat das Stück zum 25-jährigen Jubiläum des Fränkischen Theatersommers als musikalische Komödie auf den Spielplan gesetzt. Hans Martin Gräber, der auch im Kubus-Publikum saß, komponierte die Musik, Intendant Jan Burdinski hat das Stück neu inszeniert und mit einem hochmotivierten Ensemble auf die Bühne gebracht. Ein „heiteres und nachdenklich machendes Stück“ hatte der EBW-Vorsitzende Siegfried Kratzer in seiner Begrüßung versprochen. Der begeisterte Schlussapplaus gab ihm recht.

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