03.07.2020 - 15:24 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Der Ursensollener Bürgermeister Albert Geitner im Porträt

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Als Kreisvorsitzender der Freien Wähler ist Albert Geitner schon länger bekannt. Jetzt ist er aber auch Bürgermeister in Ursensollen. Und möchte seine gesamte Gemeinde als große Familie sehen.

Albert Geitner (Freie Wähler) ist seit Mai Chef im Ursensollener Rathaus.
von Andreas Brückmann (brü)Profil

Stetig, kontinuierlich weiterwachsend. Das sind seine Ziele für die Gemeinde. Albert Geitner (47) ist seit 1. Mai Bürgermeister in Ursensollen. Der Inhaber eines Ingenieurbüros, das zwar unter seinem Namen, aber ohne seine bis zum Amtsantritt bestehende Beteiligung weiterläuft, tritt dabei in die großen Fußstapfen seines Parteifreundes und Vorgängers Franz Mädler, der dieses Amt 18 Jahre lang innehatte. Dabei sieht Geitner die Kommunalpolitik nicht als Schlachtfeld der einzelnen Fraktionen, sondern als große Familie. Der Begriff Kommunalpolitik bedeutet für Geitner eher „wir machen etwas zusammen“ als „du bist von der anderen Partei, deine Meinung ist mir egal“.

„Die letzten zwölf Jahre war ich Mitglied im Gemeinderat und somit auch nicht ganz unbeteiligt, wenn es darum geht, die Gemeinde Ursensollen als Einheit zu sehen.“ Die einzelnen versteckten Grabenkämpfe, die es noch zwischen Ortschaften oder Vereinen gibt, die möchte Geitner schlichten und überwinden. „Gerne hätte ich, dass die Bevölkerung der Gemeinde einstimmig der Meinung ist, jawohl, wir sind eine Einheit, eine Familie – und als diese wird uns, in der Gemeinde Ursensollen, nichts so leicht umschmeißen können.“

Zur Nominierung von Albert Geitner als Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler Ursensollen

Ursensollen

Vorsitzender der Kreisgruppe der Freien Wähler ist Geitner seit vielen Jahren, ebenso in zweiter Periode Mitglied im Kreistag. Jetzt, als Bürgermeister, sind die Aufgaben weiter angewachsen. Er hat sich in der ersten Woche nach dem Amtsantritt zunächst einmal Zeit genommen und somit seine bisher schon reduzierte Freizeit, die er für Holzarbeiten im Wald nutzt („Das ist Burnout-Vorsorge – du hörst die Motorsäge, sonst nichts“) oder für kurze Läufe bei Sonnenaufgang, weiter eingeschränkt. Zeit für die Substanz, die in der Gemeinde vorhanden ist: „Ich habe mir die Liegenschaften angeschaut. Die Gebäude, von den Schulhäusern bis zu den Kläranlagengebäuden, also eigentlich alle Bauwerke, die Eigentum der Gemeinde sind, welche Substanz dort vorhanden ist, und wie man diese unter Umständen weiterentwickeln kann.“

Danach war es für Geitner wichtig, sich einen Eindruck von sämtlichen Gemeindestraßen zu verschaffen, denn auch dort besteht durchaus Sanierungsbedarf. Etwa beim Lindenweg in Hohenkemnath, den Geitner beim Gespräch mit der AZ erwähnte. Einen Tag später war dort bereits der Bautrupp des Ursensollener Bauhofs vor Ort, um die Ausbesserungsarbeiten vorzunehmen.

Vom Bürgermeister tags vorher angekündigt, rückten die Mitarbeiter des Bauhofs in Ursensollen aus, um die Straßen, wie hier den Lindenweg in Hohenkemnath, zu sanieren.

Wichtig sind Geitner zudem seine Mitarbeiter. „Ich habe mit jedem Angestellten der Gemeinde ein Mitarbeitergespräch geführt, um zu sehen, wo und für was sein Herz in der Gemeinde schlägt.“ Sein Fazit: "Sie leisten alle eine Super-Arbeit."

Geitner möchte die Leute in den Ortschaften halten, aus denen sie kommen. „Wir brauchen auch in den kleineren Ortschaften Bauplätze, wo Anfragen auf Grundstücke an uns herangetragen wurden. Aber gerade auch die Hauptorte Ursensollen und Hohenkemnath wollen wir weiterentwickeln.“

Bauplätze wichtig

Dabei sei es derzeit aber fast nicht möglich, in diesen Orten Bauplätze von ihren Besitzern an Interessierte zu vermitteln. „Sollte sich der erste Eindruck, den ich mit den Grundstücksbesitzern im persönlichen Gespräch gewonnen habe, weiterhin bestätigen, dann müssen wir Optionen für Bauplätze prüfen, wobei ich persönlich auch dazu bereit bin, über optionale Orte nachzudenken. Dabei sollte es dann doch vom Platz her nahe der Kreisstraße in Richtung Amberg sein, somit in Leinsiedl, Rückertshof oder Haag.“

Geitner will, dass den Menschen, die in der Gemeinde geboren sind, hier leben und im nahen Umkreis ihren Arbeitsplatz haben, auch die Möglichkeit gegeben wird, „dass sie sich in ihrem Dorf, in der Gemeinde ein eigenes Haus bauen können“. Denn Bauland sei "ein Thema, das uns immer begleiten wird, egal ob privat oder Gewerbe. Und vor allem Menschen, die hier wohnen, wohnen eben nicht nur hier. Sie wollen auch gut leben. Dafür braucht es eine gute Infrastruktur, kulturelles und sportliches Leben, was in der Gemeinde vorhanden, aber immer noch weiter ausbaufähig ist.“

Albert Geitners Gesamteinschätzung des Ergebnisses der Kommunalwahl

Amberg

Sichtlich in der Seele weh tut es Geitner, wenn er das derzeitige kulturelle Leben in Ursensollen betrachtet, aber: „Wir treffen uns regelmäßig mit den Referatsleitern der Gemeinde, um den richtigen Weg für unsere Veranstaltungen anhand der vorgeschriebenen Regelungen zu besprechen.“ Gerade bei der Kultur, aber auch im Bereich des Sports gab es schon einige Anfragen, ob und wie man Veranstaltungen im Kubus oder auch der Turnhalle der Mittelschule wieder möglich machen könne.

Für Gemeinde nicht machbar

„Zu allem musste ich bis heute immer wieder leider nein sagen. Das hat den Hintergrund, dass – egal ob Sporthalle oder Kubus – nach jeder Veranstaltung alles grundlegend gereinigt und desinfiziert werden muss – Boden, Toiletten, Turngeräte. Das ist für die Gemeinde derzeit nicht machbar, da die Reinigung ja durch entsprechendes Fachpersonal und nicht durch die Mitarbeiter der Gemeinde erfolgen sollte.“

Deshalb: „Bis nach den Sommerferien wird es keine Veranstaltungen im Kubus geben. Danach müssen wir schauen, wie es weitergeht. Aber ich hoffe, dass wir bald zu dem kulturellen Leben zurückkehren können, das wir in den letzten Jahren so lieben und schätzen konnten. Denn es ist einfach ein herber Verlust, nicht unbedingt finanziell, aber vor allem kulturell und auch zwischenmenschlich, wenn man solche Einrichtungen nicht nutzen kann.“

Familienmensch mit Schonzeit

Gerade für das Zwischenmenschliche steht Albert Geitner. Der Vater von drei Kindern ist ein Familienmensch. Wobei er die Vereinbarkeit vom neuem Amt und Familie noch nicht so austesten konnte: „Bedingt dadurch, dass das eigentliche öffentliche Leben nahezu zum Erliegen gekommen ist und keine Vereinsveranstaltungen zum Beispiel sind, zu denen man als Bürgermeister geladen ist, muss ich sagen – es ist für mich derzeit wirklich etwas ruhiger geworden. So konnte ich in den letzten Wochen abends, nachdem die Kinder im Bett waren, mit meiner Frau viel gemeinsame Zeit verbringen. Dazu bin ich früher eher selten gekommen, da ich entweder beruflich oder auch parteitechnisch unterwegs war. Aber ich gehe mal davon aus, das wird sicherlich nicht so anhalten“, vermutet Geitner augenzwinkernd.

Albert Geitner (Freie Wähler) ist seit Mai Chef im Ursensollener Rathaus.

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