15.07.2021 - 18:49 Uhr
VilseckOberpfalz

Gefährliche Flüssigkeit vor Tierarztpraxis in Vilseck

Mutwillig soll laut Polizei vor einer Vilsecker Tierarztpraxis eine stinkende Säure verschüttet worden sein. Mehrere Personen wurden verletzt, die Stadt musste die Praxis schließen. Die Feuerwehr war mit Spezialkräften im Einsatz.

von Miriam Wittich Kontakt Profil

Die Feuerwehr löscht nicht nur Brände, sie ist auch in vielen anderen Notlagen zur Stelle. Doch dieser Einsatz war selbst für erfahrene Kräfte ungewöhnlich: Am Mittwoch wurde die Vilsecker Wehr zu einem Einsatz bei einer Tierarztpraxis gerufen. Ausgelöst wurde der Alarm durch einen "undefinierbaren Geruch". Was sich nach einer Kleinigkeit anhört, erforderte ein Großaufgebot an Einsatzkräften und spezieller Ausrüstung. Laut Polizei wurden vier Personen leicht verletzt, eine davon ins Krankenhaus nach Sulzbach-Rosenberg gebracht. Sogar die Kriminalpolizei ermittelt.

Wie die Auerbacher Inspektion in ihrem Pressebericht mitteilt, erreichte die Beamten am Mittwochabend eine Beschwerde über eine massive Geruchsbelästigung. Weiter heißt es im Bericht: "Wie sich vor Ort herausstellte, wurde durch einen bislang unbekannten Täter eine stinkende Flüssigkeit vor einer Kleintierpraxis in Vilseck verschüttet." Die Feuerwehr wurde alarmiert.

"Die Mitarbeiter haben erzählt, dass sich in der Praxis innerhalb kürzester Zeit ein massiv übler Geruch ausgebreitet hat. Weil sie davon ausgegangen sind, dass es gesundheitsschädlich sein könnte, haben sie die Polizei gerufen", berichtet Kreisbrandinspektor Christof Strobl am Tag danach. "Als wir angekommen sind, haben wir auch im Außenbereich gemerkt, dass es massiv stinkt." Weil von einem Gefahrstoff ausgegangen werden musste, rief Einsatzleiter Strobl sofort den Fachbereich Gefahrgut unter der Führung von Kreisbrandmeister Alexander Graf zur Hilfe.

Stoff nicht identifizierbar

Auf einer Treppenstufe zeichnete sich eine unbekannte Flüssigkeit ab. Ein Atemschutztrupp der Vilsecker Feuerwehr - ausgestattet mit Chemikalienschutzanzügen - nahm davon eine Probe. "In solchen Fällen haben wir pH-Teststreifen. Die zeigten an, dass es sich um eine Säure handelt", erklärt Alexander Graf. Außerdem sei der Fachbereich Gefahrgut mit Prüfröhrchen ausgestattet. "Damit können bis zu 40 verschiedene Stoffe identifiziert werden, aber es ist auf nichts angeschlagen." Die Unwissenheit, mit welchem Stoff sie es zu tun hatten, machte die Situation für die Einsatzkräfte kompliziert. "Wir haben verschiedenste Firmen kontaktiert und überlegt, wie der Bereich dekontaminiert werden könnte", schildert Strobl. "Aber die Gefahr war groß, die Situation bei falscher Vorgehensweise zu verschlimmern. Wir hatten ja kein Labor vor Ort."

Letztendlich entschieden sich die Feuerwehrleute, die Treppenstufe zu beseitigen. "Wir haben den obersten Teil der Stufen abmontiert und einen Teil des Hausputzes abgeschlagen." Auch dort sei die Feuchtigkeit zu sehen gewesen. Das Material wurde luftdicht verpackt und sicher abgestellt. "Über ein Chemiewerk sind wir an eine Spezialfirma gekommen, die das Ganze entsorgt."

Mitarbeiterin im Krankenhaus

Doch vorher wurden Proben genommen. "Die hat die Polizei an das LKA, das Landeskriminalamt, geschickt", sagt Strobl. Wenn feststeht, um welche Substanz es sich handelt, könne eine Fachfirma prüfen, wo in der Tierarztpraxis noch Reste davon sind und wie diese entfernt werden können. Denn am Donnerstagmorgen kontrollierte Christof Strobl das Gebäude und stellte fest: "Es war immer noch massiver Geruch in der Praxis. Und leider muss man derzeit davon ausgehen, dass es gesundheitsschädlich ist." Die Menschen vor Ort hätten über starke Kopfschmerzen geklagt. Eine Mitarbeiterin musste laut Strobl deshalb am Mittwochabend mit dem Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht waren. "Da war sie auch am Donnerstagmorgen noch."

Praxis vorerst geschlossen

Die Stadt Vilseck musste die Tierarztpraxis deshalb vorübergehend schließen, berichtet die Polizei. "Natürlich ein Riesenverlust. Der Geruch ist ja das eine, aber momentan muss man eben auch davon ausgehen, dass es gefährlich für die Gesundheit ist", erklärt Strobl. "Das wird der ausschlaggebende Punkt sein."

Der Fall sei derweil an die Kriminalpolizei übergeben worden. Denn die Polizei geht laut ihrer Pressemitteilung von einer vorsätzlichen Tat aus und hat ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung eingeleitet. Die Höhe des Schadens konnten die Beamten am Donnerstag noch nicht genau beziffern.

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"Der Geruch ist ja das eine, aber momentan muss man eben auch davon ausgehen, dass es gefährlich für die Gesundheit ist."

Einsatzleiter Kreisbrandinspektor Christof Strobl

 

 

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