15.10.2018 - 16:48 Uhr
VilseckOberpfalz

Wie geht es weiter mit dem BRK-Seniorenheim?

2933 Unterschriften damit das BRK-Seniorenheim in Vilseck bestehen bleibt: Eine Delegation der Beschäftigten übergibt eine Liste an Landrat Richard Reisinger. Doch er reicht sie gleich weiter an den Vilsecker Bürgermeister.

von Stephanie Wilcke Kontakt Profil
Vilseck

Diese Äußerungen von Bürgermeister Hans-Martin Schertl im Vilsecker Stadtrat im September hatten für viel Wirbel gesorgt: Das BRK wolle das Seniorenheim St. Ägidius mit 43 Pflegeplätzen schließen. Es könne nicht wirtschaftlich betrieben werden und solle dicht gemacht werden – trotz eines laufenden Vertrags bis Juli 2044. Noch dazu sei das brisante Thema bislang von Landratsamt, Kreisausschuss und BRK mehr oder weniger „unter Verschluss“ gehalten worden, sagte Schertl damals.

„Aus der Presse haben die rund 40 Beschäftigten erfahren, dass es anscheinend Veränderungen in der Einrichtung geben soll“, kritisierte die für den Bereich Gesundheit und Soziale Dienste Zuständige bei der Gewerkschaft Verdi, Manuela Dietz. „Die Mitarbeiter haben nichts Konkretes erfahren, als sie nachgefragt haben. Die Beschäftigten wissen nicht, was mit ihrem Arbeitsplatz passiert, geschweige denn, was mit den Bewohnern geplant ist.“ Soll das Heim geschlossen werden? Wechselt der Träger? Es sind quälende Fragen für die BRK-Mitarbeiter, die bislang nicht beantwortet wurden.

Banner und Plakate dabei

Diese Ungewissheit wollten die Beschäftigten des Altenheims nicht länger hinnehmen und so übergaben 15 aufgebrachte und sichtlich beunruhigte Mitarbeiter vor der Sitzung des Kreisausschusses knapp 3000 Unterschriften für den Erhalt des BRK-Seniorenheims im Beisein der anderen Kreisräte am Montag an Landrat Richard Reisinger. Die Beschäftigten hatten bunte Plakate dabei und auch ein Banner mit der Aufschrift: „Wir brauchen Unterstützung. Rettet das Seniorenheim vor der Schließung“ rollten sie im Sitzungssaal aus. „Die Mitarbeiter wollen zeigen, dass sie sehr wohl am Heim und am Träger BRK hängen“, erklärte Dietz.

Der damalige Landkreis Amberg baute 1954 ein Kreiskrankenhaus in Vilseck, das zu einem Altenpflegeheim in den 1990er-Jahren umgebaut wurde. 1994 schlossen der jetzige Landkreis und der BRK-Kreisverband einen Erbbaurechtsvertrag, der vorschreibt, dass das Haus als Seniorenhaus betrieben wird. Der Kontrakt ist unbedingt nach Aussage von Bürgermeister Schertl im September mit der Laufzeit bis 2044 einzuhalten.

„Hätte ich nicht zufällig die Unterlagen der nichtöffentlichen Sitzung des Kreisausschusses im April in die Hände bekommen“, sagte Schertl, „wüsste ich von nichts.“ Er kreide den Kreisräten an, dass klammheimlich ein Beschluss herbeigeführt werden sollte, der das BRK aus der Betriebsträgerschaft entlasse.

Das wollten Landrat Reisinger und die Gremiumsmitglieder so nicht stehen lassen und widersprachen heftig. „Das BRK hat uns unmissverständlich klar gemacht, dass es aussteigen möchte“, wehrte Reisinger ab. Man könne den Verband nicht zwingen, weiter zu machen, obwohl das Seniorenhaus mit 43 Plätzen wirtschaftlich nicht rentabel sei. SPD-Kreisrat Richard Gaßner sprach von bislang insgesamt knapp einer Million Euro Defizit. „Dafür hat sich der Landkreis jedoch nach möglichen Betreibern umgesehen. Das wäre eigentlich nicht unsere Aufgabe“, sagte Reisinger und betonte, dass er heute auch nicht als Vorstandsmitglied des BRK-Kreisverbands spreche, „sondern als Landrat“.

Arbeit mit Tarifvertrag

Daher bemühte sich das Landratsamt darum, einen privaten Heimträger zu finden. „Er soll auch in einen Neubau und damit in die Erweiterung der Heimplätze investieren.“ Die Gespräche mit einem Kandidaten seien bereits sehr vielversprechend. Man sei sich einig, dass man in Vilseck ein Seniorenheim brauche. „Dafür ist ein Betreiber gesucht, der auch die Zukunft sichert. Ein Landkreis darf aber kein Altenheim betreiben.“ Aus diesem Grund wollte Reisinger auch nicht die vielen Unterschriften aus Vilseck annehmen – er gab sie aber kurzerhand weiter an Bürgermeister Schertl, der die Mitarbeiter in den Saal begleitet hatte.

„Wenn schon der Betreiber wechselt“, appellierte Gewerkschafterin Dietz an die Mitglieder des Kreisausschusses, „dann müssen Sie wenigstens darauf achten, dass die Arbeitsverhältnisse tarifgebunden sind.“ Und noch einmal hagelte es Kritik: „Seit 24 Jahren arbeite ich in dem Seniorenheim“, sagte eine Beschäftigte. „Dass von den Plänen dem Personal und auch dem Personalrat, der Mitbestimmungsrechte hat, kein Wort erzählt wird, empfinde ich als Ehrabschneidung und Respektlosigkeit.“

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