17.06.2020 - 11:24 Uhr
VilseckOberpfalz

Gustav von Schlör: Ein reformfreudiger Oberpfälzer

Die Stadt Vilseck hat 1980 eine Ortsstraße nach ihm benannt. Die Rede ist von einem Mann, dem Bayern und insbesondere auch Vilseck viel zu verdanken hat. Es ist Gustav von Schlör.

von Rosi HasenstabProfil

Gustav von Schlör, in Hellziechen bei Langenbruck (im jetzigen Truppenübungsplatz Grafenwöhr gelegen) wurde am 4. April 1820 geboren. Er war das sechste von acht Kindern des Hammergutbesitzers Johann Baptist Schlör und seiner Gattin Therese von Grafenstein aus Hammergänlas. Sein Vater starb, als er drei Jahre alt war.

Wie aus der Stadtchronik hervorgeht, studierte Gustav von Schlör schon im Alter von 17 Jahren Rechtswissenschaft und Nationalökologie an der Maximiliansuniversität München. Er heiratete 1843 seine Jugendliebe Wilhelmine (Mina) Gareis, Tochter des Herrschaftsrichters Heinrich Gareis in Winklarn und erwarb das Gut Plankenhammer bei Floß. Die Bewirtschaftung des Hammers war alles andere als einfach und sicherte ihm keine zuverlässige Existenz. Seine Neigung zu politisch-öffentlicher Tätigkeit führte den 28-jährigen Unternehmer 1848 als Abgeordneten und Vertreter der nördlichen Oberpfalz kurzzeitig in das erste deutsche Parlament der Frankfurter Paulskirche. 1850 wurde Schlör Landgerichtsassessor in Weiden und später Advokat in Vohenstrauß und Weiden. Dem oberpfälzischen Landrat gehörte er von 1852 bis 1855 an.

Leitung der Maxhütte übernommen

1853 übernahm er auf Wunsch der oberpfälzischen Eisenhammerbesitzer die Leitung des Eisenwerks Maxhütte bei Burglengenfeld. Schlör selbst betrachtete die Rettung der Maxhütte als sein größtes Werk. Als Organisator und Unternehmer hat er die Entwicklung Bayerns in der Mitte des 19. Jahrhunderts entscheidend mitgestaltet, vor allem in den Bereichen Eisenbahn und Eisenerzeugung.

1856 gründete Schlör als vehementer Befürworter eines flächendeckenden Eisenbahnnetzes und als bayerischer Abgeordneter die private Ostbahngesellschaft. Und hier kommt sein Wohlwollen für Vilseck ins Spiel. Das neue Eisenbahngesetz gab Impulse zum Ausbau des Bahnnetzes. Für Bayern waren damals 19 neue Bahnlinien vorgesehen. In der Oberpfalz entwickelt sich ein Streit um die Trassenführung der neuen Ausbaustrecken. 1863 bittet die Stadt Amberg den bayerischen König, die Bahnlinie Amberg-Weiden zu genehmigen. „Eisenbahnminister“ Gustav von Schlör lehnt jedoch den Antrag ab und setzt sich für den Bau der Strecke Neukirchen-Weiden ein, die über Vilseck führt. Am 29. April 1869 erhält die Ostbahngesellschaft vom König die Erlaubnis für den Bau dieser Bahnlinie. Die 50 km lange Strecke soll das Verbindungsglied zwischen den Linien Nürnberg-Amberg und Weiden-Bayreuth schaffen. Am 15. Oktober 1875 fährt zum ersten Mal die Eisenbahn in den Vilsecker Bahnhof ein, und die Schulkinder winken dabei mit weiß-blauen Fähnchen. Eine neue Zeit war angebrochen. Ältere Mitbürger erzählen noch heute, dass der Bahnstandort Vilseck auch den Ausschlag gegeben hätte, dass die Stadt Vilseck 1937 nicht in den Truppenübungsplatz eingegliedert worden sei.

Minister für Handel und öffentliche Arbeiten

Schlör, der bei König Ludwig II. in hohem Ansehen stand, wirkte als Minister für Handel und öffentliche Arbeiten (Wirtschafts- und Sozialminister im heutigen Sinn) von 1866 bis 1871 in München an vielen Gesetzesvorhaben des Königreichs Bayern aktiv mit. Noch im Jahre 1866 wurden entscheidende Schritte zur Errichtung der Technischen Hochschule in München unternommen. Am 12. April 1868 konnte sie feierlich eröffnet werden. Kein geringerer als Gustav von Schlör durfte bei der Eröffnungsfeier den allergnädigsten König Ludwig II. persönlich vertreten. Die TU München, die mittlerweile zu den führenden Universitäten der Welt gehört, kann in zwei Jahren ihr 150-jähriges Bestehen feiern.

1871 wurde das Handelsministerium aufgelöst. Als Abgeordneter blieb Gustav von Schlör jedoch bis zu seinem Tode 1883 weiterhin politisch aktiv. Am 25. September 1883 starb er in München an Darmkrebs. Neben seiner Gattin Wilhelmine und seiner Tochter Ernestine liegt er im Alten Nordfriedhof München begraben.

In Vilseck finden Kinder vor etwa 55 Jahren einen geschichtlich wertvollen Schatz

Vilseck

Die Stadt Weiden ernannte ihn in Anerkennung seiner Verdienste um den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt 1878 zum Ehrenbürger und errichtete ihm 1885 ein Denkmal auf dem nach ihm benannten Platz. Im Zwingerfriedhof Vilseck erinnert noch ein Grabstein an Josef Schlör, den jüngeren Bruder von Gustav, der das Hammergut in Hellziechen weitergeführt hatte.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.