07.03.2019 - 17:36 Uhr
VilseckOberpfalz

Vilseck: Pferde an Herpesvirus erkrankt

In einem Reitstall im Bereich der Stadt Vilseck ist das Equine Herpesvirus ausgebrochen. Die Verantwortlichen der Reitanlage empfinden die Reaktionen darauf als durch nichts gerechtfertigte Massenhysterie.

Bei Pferden schauen Tierärzte derzeit ganz genau hin: In einem Vilsecker Reitstall ist bei mehreren Tieren ein Equines Herpesvirus ausgebrochen, das eine Infektion und Erkrankung der oberen Atemwege verursacht, die zum Tod der Pferde führen kann.
von Markus Müller Kontakt Profil

Die wird wohl in erster Linie durch Berichte aus der Amberg-Sulzbacher-Pferdebesitzer-Szene ausgelöst, dass schon mehrere Pferde durch die Krankheit verendet seien. Dazu will das Veterinäramt des Landkreises Amberg-Sulzbach nichts sagen. Über Pressesprecherin Christine Hollederer wird hier lediglich das Auftreten des Herpesvirus in dem Reitstall bestätigt. Alles andere falle unter den Datenschutz.

Vonseiten der Verantwortlichen für die betroffene Reitanlage erfährt man, dass für die Krankheit keine Meldepflicht bestehe. Mehr will man nicht sagen, "um die Hysterie nicht weiter zu befeuern".

Der Vilsecker Tierarzt Tobias Guggenmos, der die erkrankten Pferde betreut, kann dagegen mehr Informationen liefern. Er betont, dass man das Krankheitsgeschehen im Griff habe. "Es ist lokal begrenzt, wir haben dennoch die umliegenden Reitställe informiert und die Tierärzte, die Pferde behandeln." Es sei nicht die gesamte Reitanlage betroffen, sondern nur einer von insgesamt fünf Trakten. Der sei vollständig isoliert. Das funktioniere gut, weil sich alle Betroffenen und Einsteller an die verabredeten Maßnahmen hielten. "Das geschieht alles auf freiwilliger Basis, man kann das ja nicht verordnen." Guggenmos empfindet es als sehr lobenswert, "wie hier alle zusammenhelfen".

Equine Herpesvirus: Gelassenheit im Landkreis Neustadt/WN

Pressath

Die Krankheit - hoch ansteckend, aber nicht anzeige- oder meldepflichtig - sei schon "eine gewisse Zeit" am Laufen. Über die Anzahl der bisher eingegangenen Pferde will Guggenmos nichts sagen - tierärztliche Schweigepflicht. Allgemein sei aber klar, dass Pferde, die im Vollbild erkrankt seien, eine schlechte Prognose hätten. "Sie sind im Normalfall nicht zu retten."

An der Luft habe das Virus eine Überlebenszeit von maximal 24 Stunden, was bei der Eindämmung der durch Tröpfcheninfektion verbreiteten Krankheit - "es ist ausdrücklich keine Seuche" - helfe. Wie sie in den Reitstall gelangt ist, kann Guggenmos nicht sagen. "Genau wie bei der menschlichen Grippe kommt es da immer wieder zu Spontanausbrüchen." Vor etwa zwei Jahren habe es mehrere schwere Fälle im Landkreis Schwandorf gegeben, vor etwa zehn Jahren in Hahnbach. Er wisse auch aktuell von größeren Ausbrüchen in den Räumen Augsburg und München.

Guggenmos erläutert, dass man gegen das Equine Herpesvirus impfen könne. Doch das passiere eher selten. Sein Fazit für den Vilsecker Fall lautet: "Man muss vorsichtig und aufmerksam sein, aber im Moment haben wir es absolut im Griff."

Hintergrund:

Was die Klinik für Pferde rät

Tierarzt Tobias Guggenmos hat auf der Facebook-Seite seiner Praxis das Informationsblatt „Informationen zum Equinen Herpesvirus“ (EHV) gepostet, das ursprünglich von der Klinik für Pferde der Ludwig-Maximilians-Universität München veröffentlicht wurde. Guggenmos hofft, „auf diese Weise wieder für etwas mehr Ruhe und Besonnenheit sorgen zu können“.

In dem Text heißt es: „EHV verursacht eine Infektion und Erkrankung der oberen Atemwege (Nasengänge, Rachen, Luftröhre und Bronchien). Es kommt zu einer starken Vermehrung von Virus, das durch Tröpfchen bei Husten oder Schnauben in die Umgebung abgegeben wird. Sehr leicht können dabei auch die benachbarten Pferde, die im ... Kontakt mit dem Ausscheider stehen, infiziert werden.“

Erklärt ist dort auch, was man während einer Stallinfektion mit EHV tun kann: „Quarantäne für den gesamten Stall, keine Neuzugänge. Sollten Pferde den Bestand verlassen, dann nur zu Isolationszwecken ohne möglichen Pferdekontakt (500 Meter Distanz). Denken Sie auch daran, dass jeglicher Transport mit Stress einhergeht und schlummernde Infektionen reaktivieren kann. Besucherverkehr einschränken. Unerlässlicher Besuch (Hufschmied, Tierarzt) muss bei jedem Pferd individuelle Schutzkleidung tragen.“

Die Ausbreitung im Bestand verhindert man im Wesentlichen durch strenge Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen sowie Quarantäne. „Die Quarantäne kann wieder aufgehoben werden, wenn es über einen Zeitraum von vier Wochen zu keinen weiteren neurologischen Fällen oder Fieber mehr gekommen ist.“ Bei Beachtung der einschlägigen Vorsichtsmaßnahmen sei eine Virusübertragung von einem Bestand auf den anderen „ nahezu ausgeschlossen“.

Für andere Pferdebestände im Umkreis rät das Infoblatt, den Kontakt mit bestandsfremden Pferden ebenso zu meiden wie „Veranstaltungen oder Lokalitäten bei denen Pferde aus verschiedenen Beständen zusammenkommen“. Die Schlussfolgerung lautet: „Hygienemaßnahmen und die Einhaltung räumlicher Distanz zwischen den Pferden sind die entscheidenden Kriterien, um das Infektionsrisiko zu vermindern.“ (ll)

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