23.10.2020 - 12:56 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Alarmstufe 3 in Kindergärten des Landkreises Neustadt/WN

Die Kindergärten im Landkreis Neustadt/WN sind alarmiert. Grund ist das erhöhte Infektionsaufkommen. Zwei Einrichtungen sind bereits komplett geschlossen, weitere müssen den Betrieb stark reduzieren.

Der Betrieb ist in einigen Kindergärten des Landkreises Neustadt/WN durch die hohen Infektionszahlen eingeschränkt worden.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Auch wenn die genauen Infektionszahlen der einzelnen Kommunen nicht vorgelegt wurden, sind in drei Gemeinden des Landkreises Neustadt/WN die Kindergartenleitungen vom Jugendamt dazu aufgerufen worden, ihren Betrieb zu reduzieren. Im Drei-Stufen-Plan für Kitas, der im Freistaat seit 1. September greift, ist nun im Landkreis die Stufe 3 erreicht. Betroffen sind unter anderem die drei Kindergärten der Großgemeinde Vohenstrauß. Die Kindergärten in Schirmitz und Eslarn mussten laut Landratsamt Neustadt/WN komplett schließen, in Altenstadt/WN ist eine Gruppe betroffen.

Luise Dietl, Leiterin der Katholischen Kindertagesstätte "Don Bosco" in Vohenstrauß, erhielt am Dienstagmorgen einen Anruf vom Jugendamt. Die Corona-Fallzahlen seien dermaßen hoch, dass sie angehalten werde, innerhalb weniger Stunden ein System auszuklügeln, wie Kleinstgruppen gebildet werden könnten - ansonsten werde eine Notbetreuung angeordnet. Per Whatsapp richtete Dietl sofort den Appell an die Eltern, dass diejenigen, die nicht unbedingt darauf angewiesen sind, ihre Kinder vorerst nicht in den Kindergarten bringen sollten.

Eltern mit viel Verständnis

"Wir haben super viele gute Eltern, die sofort mitmachten und sehr verständnisvoll reagiert haben", berichtet die Erzieherin. Anstelle von fünf Gruppen habe man nun zwei. Berufstätige Eltern könnten nach wie vor ihren Nachwuchs bringen - auch wenn das nur an einem oder zwei Tagen in der Woche der Fall ist. Die Kindergartenleiterin ist allen sehr dankbar für das Verständnis, auch wenn sie weiß, dass sich die Eltern weiterhin einen normalen Betrieb wünschen.

Die beiden Elternbeiratsvorsitzenden Sabine Kramer und Laura Demjan sehen die Minimierung der Gruppenstärken pragmatisch: "Immer noch besser als eine Notbetreuung". Diese sei unbedingt zu verhindern. Demjan würde sich jedoch wie zahlreiche andere Eltern größere Transparenz bei solchen Entscheidungen wünschen: "Ich habe einen halben Tag lang herumtelefoniert, um herauszubekommen, wie genau nun die Infektionszahlen in Vohenstrauß aussehen. Ich bekam aber keine Antwort." Kenne man die exakten Zahlen, könne man diese Maßnahme auch besser verstehen.

Keine Probleme mit der Umsetzung der Anordnung hatte auch die Leiterin des Städtischen Kindergartens Roggenstein "Anton Ferazin", Birgit Zant: "Wir konnten das mit unseren Eltern super regeln. Wir haben nun statt unserer 21 Kinder noch 18, die wir in zwei Gruppen aufteilen und dann im wöchentlichen Wechsel betreuen". Berufstätige Mütter dürfen ihre Kinder ohne Einschränkungen bringen. Oberstes Ziel sei, eine Notbetreuung zu verhindern. "Trotzdem weiß ich nicht, was eine Minimierung bringen soll. Was ändert es, wenn ich - wie bei uns - vier Kinder weniger in der Gruppe habe?", fragt sich die erfahrene Erzieherin, zumal ihre Hygienekonzept sehr gut funktioniere. "Bei uns sind gibt es bisher keinen Coronafall in den Familien", ergänzt Zant.

Mit Regeln zurück zum Alltag

Vohenstrauß

Bei Schnupfen Test erwünscht

Ilona Schlesinger, Leiterin des Evangelischen "Haus für Kinder Gottfried Sperl" in Vohenstrauß, konnte in Hort, Krippe und Kindergarten nach einem Rundruf bei allen Eltern die Gruppenstärken kräftig herunterschrauben: Allein im Kindergarten reduzierte sich die Zahl von 72 auf 26 Kinder, die nun in drei Gruppen betreut werden. Im Hort ging es von 60 auf 25 Kinder und in der Krippe von 20 auf nunmehr 6 Kinder. "Bei uns klappt das wirklich sehr gut. Es hat sich niemand quergestellt. Die Mütter, die zu Hause sind, lassen ihre Kinder daheim. Wenn Eltern nicht verschiebbare Termine haben, dann nehmen wir die Kinder natürlich." Fakt sei, dass es in ihrer Einrichtung aktuell keinen Coronafall gebe. "Wenn Kinder Husten oder Schnupfen haben, sagen wir, dass doch bitte ein Test gemacht werden sollte. Oder die Kinder bleiben daheim." Grundsätzlich seien die Eltern sehr verständnisvoll. Das verdiene ein großes "Dankeschön".

Claudia Prößl, Pressesprecherin im Landratsamt Neustadt/WN, erklärt den Vorgang der vergangenen Tage auf Anfrage von Oberpfalz-Medien mit folgender Stellungnahme: "Das Gesundheitsamt hatte am letzten Sonntag gegen Abend das Jugendamt informiert, dass im Landkreis die Infektionszahlen gestiegen sind und Stufe 3 für den Landkreis gilt und gebeten, die Einrichtungen entsprechend zu informieren. Dies hat das Jugendamt noch am gleichen Abend gemacht. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass noch kein eingeschränkter Notbetrieb angeordnet wurde."

Zahlreiche Kontaktpersonen

Weiter heißt es vom Landratsamt: "Am Dienstag hat das Gesundheitsamt dann das Jugendamt gebeten, die Einrichtungen darauf aufmerksam zu machen, dass sie Konzepte vorbereiten sollen, um auf den eingeschränkten Notbetrieb schnell umstellen zu können, weil bereits einige Gemeinden ein erhöhtes Infektionsaufkommen aufweisen. Diese Aussage beruhte auf verschiedenen Vorkommnisse mit zahlreichen Kontaktpersonen, die Testergebnisse der Kontaktpersonen lagen aber noch nicht vor. Sowohl das Gesundheitsamt als auch das Jugendamt erachteten es als sinnvoll, wenn die Einrichtungen in den besonders betroffenen Gemeinden in Vohenstrauß, Eslarn und Flossenbürg vorsorglich auf verkleinerte Gruppen umstellten, um das Risiko zu minimieren und eine Notbetreuung zu vermeiden."

Prößl: "Dies haben wir dann auch den entsprechenden Einrichtungen so auch mitgeteilt und sie aufgefordert im Laufe des Tages ein Konzept vorzulegen, um dann am nächsten Tag auf beschränkten Betrieb umstellen zu können. Die Konzepte hätten laut den Anweisungen des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales in den Einrichtungen bereits vorliegen müssen, die Aufforderung hierzu ist bereits in den Wochen vorher an die Einrichtungen erging, um vorbereitet zu sein."

Zahlen sprechen für die Kitas

Deutschland & Welt

Riesige Herausforderung

"Am Dienstagabend wurde das Jugendamt seitens des Gesundheitsamtes informiert, dass die Zahlen in Eslarn und Flossenbürg die erwartete Verschlechterung noch nicht verdeutlichen, weil noch nicht alle Testergebnisse da sind, und wir deshalb noch bis Freitag abwarten könnten. Zu diesem Zeitpunkt hatten aber die Einrichtungen bereits die Eltern informiert und auf eingeschränkten Betrieb umgestellt. Als dann am Mittwoch die Allgemeinverfügung rauskam, waren die Einrichtungen und damit auch die Eltern verständlicherweise verwirrt, was denn nun gilt", erklärt die Pressesprecherin des Landrats.

Das Ende der Stellungnahme klingt wie ein Appell: "Ich denke wir wissen alle, dass diese Zeiten für alle Familien und alle Einrichtungen eine riesige Herausforderung darstellen, besonders da die Situation täglich neu bewertet werden muss und die Verantwortlichen auch schnelle Entscheidungen treffen müssen, ohne immer alle Beteiligten mit einbeziehen zu können. Unsere Einrichtungen, aber auch die Mitarbeiter im Haus leisten dabei Enormes, um bestmögliche Lösungen zu finden, die leider nicht immer allen gerecht werden können."

Die Katholische Kindertagesstätte "Don Bosco" in Vohenstrauß muss derzeit aufgrund der hohen Infektionszahlen in der Großgemeinde die Gruppen minimieren.
Auch das "Evangelische Haus für Kinder Gottfried Sperl" in Vohenstrauß hat die Anweisung erhalten, die Gruppen zu minimieren.

Wir haben super viele gute Eltern, die sofort mitmachten und sehr verständnisvoll reagiert haben.

Kindergartenleiterin Luise Dietl

Kindergartenleiterin Luise Dietl

Hintergrund:

Drei-Stufen-Plan

Je nach Infektionszahlen in einem Landkreis oder in einer Stadt gibt es unterschiedliche Maßnahmen. Das Konzept basiert auf dem Drei-Stufen-Plan des staatlichen Rahmen-Hygieneplans. Entscheidend ist hierfür der Corona-7-Tage-Inzidenzwert. Die Inzidenzzahl beschreibt, wie viele Personen je 100.000 Einwohner über einen Zeitraum von sieben Tagen neu mit SARS-CoV-2 infiziert wurden.

  • Stufe 1: Liegt die Zahl unter dem bayerischen Signalwert von 35 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohnern, dann läuft ein normaler Kita-Betrieb – natürlich unter Beachtung der Schutz- und Hygienekonzepte.
  • Stufe 2: Wird der Wert 35 überschritten, bleiben die Kinder in festen Gruppen zusammen, sodass eventuelle Infektionswege gut nachvollziehbar sind. Die Kinder dürfen sich nicht wie im Regelbetrieb frei im Haus bewegen, die Zahl der betreuten Kinder wird aber nicht reduziert.
  • Stufe 3: Bei einer Inzidenzrate von über 50 erfolgt aus Gründen des Infektionsschutzes nur noch eine Notbetreuung für definierte Zielgruppen wie Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen, Kinder von berufstätigen Alleinerziehenden, Kinder mit Behinderung und Kinder mit besonderem Schutzbedürfnis. Pro Gruppen können bis zu 10 Kinder betreut werden.

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