17.08.2021 - 15:11 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Baby kommt im Rettungswagen zur Welt

Was für ein spannender Abend für eine syrische Familie, ihr Neugeborenes und eine Helferin aus Vohenstrauß. Letztere arbeitete vor Jahren in Syrien als Hebamme. Nun war sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ein Baby hatte es sehr eilig.

Alle sind glücklich, dass bei der spontanen Geburt alles gut ging: Die Helfer Alexander Thomas (von links) mit Tochter Larissa auf dem Arm und seiner Frau Fattouma Alhussein und die syrische Familie mit Mama Nuha Al Hamadah, Baby Mariam und Papa Muhammed Al Billo Al Abdullah Al Salem.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

An diesen Tag wird sich nicht nur Familie Al Billo Al Abdullah Al Salem immer zurückerinnern, sondern auch Fattouma Alhussein (32) und ihr Mann Alexander Thomas (45). Das Paar hilft beim Arbeitskreis Asyl Vohenstrauß und kümmert sich dort um geflüchtete Familien. Darunter ist seit Kurzem auch Familie Al Billo Al Abdullah Al Salem aus Syrien, die zunächst in einem Camp in Griechenland untergebracht war, bevor sie vor vier Wochen in die Oberpfalz kam. Die Familie hat zwei kleine Kinder, Mama Nuha Al Hamadah (30) ist außerdem hochschwanger. Am Freitagabend vor einer Woche setzen dann plötzlich die Wehen ein – allerdings drei Wochen zu früh. "Wir wurden eigentlich gerufen, um zu übersetzen", erinnert sich Alexander Thomas an diesen Abend, an dem es schnell gehen musste. Denn seine Frau stammt ebenfalls aus Syrien und ist seit fünf Jahren in Deutschland. Wie es der Zufall aber oft so will, hat Fattouma Alhussein in Aleppo auch noch als Hebamme gearbeitet. Für die Flüchtlingsfamilie, die nun so plötzlich ihr drittes Kind erwartet, ist das ein Segen. Denn das Baby hat es eilig.

"Auf der Fahrt haben wir noch einen Notruf abgesetzt", erzählt Thomas. Er und seine Frau seien aber vor Notarzt und Rettungssanitäter vor Ort gewesen. "Meine Frau ist aus dem Auto gehüpft. Man hörte das Gestöhne schon von der Straße", beschreibt der 45-Jährige die nervenaufreibende Situation.

Es dauert nicht lange, da kommt Fattouma Alhussein auch schon wieder aus dem Gebäude und berichtet, dass der Muttermund schon weit geöffnet sei. Es kann also jeden Moment losgehen. Die Ersthelfer, die mittlerweile auch eingetroffen sind, drücken der in Syrien gelernten Hebamme Handschuhe in die Hand. Sie soll assistieren. "Etwas Besseres konnte ihnen nicht passieren. Für meine Frau war es schon die über 1000. Geburt", ist Thomas überzeugt. Wenige Minuten später treffen auch schon der Notarzt und ein Rettungswagen ein. Mit Matratzen wird die in den Wehen liegende Frau in den Wagen getragen. "Kaum waren die Türen geschlossen, hörte man Babygeschrei", erzählt Thomas noch immer verblüfft von der Geburt. Es ging alles so schnell, dass noch nicht einmal der Motor gestartet werden konnte. Noch im Rettungswagen kommt ein gesundes, kleines Mädchen auf die Welt. Ihr Name ist Mariam. "Meine Frau hat das Kind noch abgenabelt und sauber gemacht. Das verbindet", freut er sich.

Mittlerweile sind Mutter und Kind, die dann trotzdem noch ins Weidener Klinikum gebracht werden, auch schon wieder zu Hause und wohl auf. "Eine schöne Geschichte in der ganzen blöden Zeit mit Lockdown. Ich war so stolz auf meine Frau", kommentiert Thomas. Das ist Familie Al Billo Al Abdullah Al Salem mit Mama Nuha Al Hamadah und Papa Muhammed natürlich auch – und dankbar, dass Fattouma Alhussein zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.

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"Eine schöne Geschichte in der ganzen blöden Zeit mit Lockdown. Ich war so stolz auf meine Frau."

Alexander Thomas über die Hilfe von Fattouma Alhussein

 

 

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