17.03.2021 - 11:44 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Evangelische Kirche in Vohenstrauß: "Pfusch am Bau" vor über 180 Jahren

Die evangelische Stadtkirche war einst Heimat von katholischen und evangelischen Bürgern der Stadt. Den Wiederaufbau nach dem Großbrand von 1839 begleiteten viele Schwierigkeiten, wie zwei Heimatforscher herausgefunden haben.

Nach dem Großbrand 1839 wurde das Kirchengebäude der heutigen evangelischen Stadtkirche mit großen Mühen wieder errichtet.
von Elisabeth DobmayerProfil

Die Stadt Vohenstrauß kann auf 175 Jahre Simultankirche in der heutigen Evangelischen Stadtkirche zurückblicken. Der stellvertretende Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeitskreises (HAK), Heiner Aichinger und HAK-Kollege Rudolf Großmann haben sich dazu auf Spurensuche begeben.

Die Arbeiten am Kirchengebäude wurden in der Regel auf Antrag beider Kirchenverwaltungen unter Beteiligung der Königlichen Bauinspektion Weiden und nach Genehmigung der Regierung der Oberpfalz durch das Landgericht Vohenstrauß „im Akkord“ vergeben und durchgeführt. Das heißt: mit Festpreis und terminlicher Bindung, was aber dann erheblich zu Bauverzögerungen beitrug, wie sich später herausstellte. Die erhaltene Bausubstanz nach dem Brand 1839 wurde erfasst. „Der Grundriss entspricht genau dem aus der Urkatasteraufnahmekarte die vor dem Brand entstanden sein muss“, sind sich die beiden Heimatforscher sicher.

Fehlende Summe

Der Text des Urkatasters wurde allerdings für Vohenstrauß mit den Hauseigentümern erst 1848 abgeschlossen. Am 9. April 1840 leitete der Königlich Bayerische Landrichter Erhard Haunold den Bauplan und den Kostenvoranschlag nach Regensburg weiter. Die Gesamtbaukosten waren mit 16 239 Gulden 28 Kreuzer veranschlagt. Es fehlten 5235 Gulden und 28 Kreuzer. Die Restfinanzierung wäre nur durch eine landesweite Kollekte oder ein unverzinsliches Darlehen der Regierung der Oberpfalz möglich gewesen. Die Simultankirchenverwaltung konnte die fehlende Summe nicht decken, allenfalls durch Genehmigung einer Sonderkollekte, aus dem Renditeüberschuss der Kirchenstiftung und unverzinsliche Vorschüsse seitens des Staates.

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Floss

„Das Gerüstholz von 199 kleinen Stämmen ist am 28. September 1840 noch nicht da“, heißt es in den Aufzeichnungen weiter. Das Gemäuer sollte aber vor dem Winter abgedeckt werden. Auch die Herkunft des Bauholzes war noch nicht entschieden, schrieb der damalige evangelische Pfarrer Heinrich Steinlein an das Landgericht. Am 15. Dezember desselben Jahres schickten er und sein katholischer Kollege Johann Nepomuk Lenk folgende Ermahnung hinterher: „Schon bald sind eineinhalb Jahre verflossen, seit unsere Kirche, durch das unseren Markt betroffene große Brand-Unglück als Ruine dasteht und noch ist nicht die geringste Anstalt zum baldigen Wiederaufbau derselben getroffen, während fast alle übrigen abgebrannten Gebäude wieder aufgebauet sind. (...) Da die unterzeichnete Kirchenverwaltung sich bereits an die Königliche Regierung und auch an Seine Königliche Majestät bisher vergeblich gewandt und noch immer keine Entschließung erfolgt ist, so wendet sich dieselbe hiermit nochmals an ein Königliches Landgericht mit der gehorsamsten Bitte, bey der Königlichen Regierung diesen Gegenstand in Erinnerung zu bringen, damit noch in diesem Winter die nöthigen Anstalten zum Wiederaufbau der Kirche begonnen werden können und sonst auch im nächsten Jahr die Kirche nicht hergestellt werden könnte (…).“

Immer noch kein Baubeginn

Im März/April 1841 versuchte das Landgericht die Scharwerksleistung für alle Pflichtigen des zuständigen Steuerbezirks Leuchtenberg zu regeln. Lind, Waldau und Altenstadt weigerten sich und so war die Sache im August noch ungeregelt. Oberlind, Kleßberg, Woppenrieth und Obernankau schalteten sogar einen Anwalt aus Nabburg ein. Am 28. April 1841 neuerliche Mahnung beider Pfarrer, dass „es höchste Zeit wäre, mit dem Wiederaufbau zu beginnen, damit nicht Irreligiosität und Unsittlichkeit immer mehr überhand nehmen“. Weder die katholische Hauskapelle (im Pfarrhaus, ehemaliges Kapuzinerkloster, heutiges Steininger-Haus) noch das protestantische Schulhaus, wo die Gottesdienste provisorisch gehalten würden, könnten die Menge des Volkes fassen. Am 25. August 1841 war noch kein Baubeginn erfolgt.

Am 20. Oktober forderten die Geistlichen die Sicherung des im Wald liegenden Bauholzes vor Verderben oder Diebstahl. Dafür stellt die Regierung der Oberpfalz am 13. Oktober 1841 fest, dass gemäß eines königlichen Mandats von 1770 die katholische und protestantische Kirchenstiftung die alleinige „primäre Bauverbindlichkeit hat“. Zwischen Dezember 1841 und August 1842 gab es keinen weiteren entscheidenden Schriftverkehr, fanden die Heimatkundler heraus. Am 26. August 1842 erfolgte die öffentliche Ausschreibung im Regierungs-Amtsblatt und den meisten Oberpfälzer Zeitungen. Am 7. Oktober 1842 wurden dem Maurermeister Xaver Kiener aus Nabburg die Akkordbedingungen für 6438 Gulden und 34 Kreuzer durch die Bauinspektion Weiden auf dem Landgericht Vohenstrauß ausgehändigt.

So gut wie nichts geschehen

Beide Pfarrer mussten am 30. Januar 1843 erneut an den ausstehenden Baubeginn erinnern. Aber erst am 9. März 1843 schickte das Landgericht das Schreiben „zur weiteren Veranlassung“ nach Weiden. Schließlich händigte der neue Landrichter Kohler am 1. Juni 1843 den Bauplan für das Langhaus und am 1. Juli den für den Turm an Maurermeister Kiener aus. Kiener versicherte daraufhin im August 1843, dass die Kirche „in sechs Wochen vollendet ist“. Daraufhin beantragten die Pfarrer die Ausschreibung für die Inneneinrichtung und die Glocken. Doch auf der Baustelle geschah so gut wie nichts, informierten die Heimatforscher.

Am 12. Juni 1844 teilen die Pfarrer mit, dass Kiener berichtet hatte, dass er den seit einigen Wochen wieder begonnenen Weiterbau erneut einstellen musste, wenn er zur Fortsetzung desselben kein Geld von der Bauinspektion bekomme, er habe erst 3600 Gulden von den über 6400 Gulden erhalten. Weitere Unstimmigkeiten mit Kiener zogen sich bis zum Februar 1845 hin. Im April 1845 erteilte die katholische Kirchenverwaltung einem Maler aus Neustadt/WN einen Auftrag für die 14 Kreuzwegstationen samt Schreinerarbeiten. Außerdem wurden 1 Orgel, 3 Altäre, 1 Kanzel, 3 Beichtstühle, 1 Taufstein und 3 Türen in Auftrag gegeben. Die Arbeiten sollten möglichst zügig erfolgen, da man im Juni die Einweihung plane.

Verschiedene Mängel aufgedeckt

Am 27. Juli 1845 meldete der katholische Pfarrer, dass die Kirche durch den neugeweihten Priester Josef Scharl benediziert worden sei und er die erste Messe gelesen habe. Die Protestanten wollten den ersten Gottesdienst im September 1845 feiern, mussten das Vorhaben jedoch auf 9. November verschieben, weil Maurermeister Kiener erst im Oktober zum wiederholten Mal aufgefordert werden musste, seine noch ausstehenden Restarbeiten durchzuführen. Dazu schaltete das Landgericht sogar seine Kollegen in Nabburg ein, um Kiener gerichtlich nach Vohenstrauß zu befehlen. Im Februar 1846 erfolgte schließlich die Abnahme des Gotteshauses. Dabei wurden verschiedene Mängel aufgedeckt.

Nach heutiger Einschätzung eines Zimmerermeisters sind einige Mängel aus dieser Zeit sogar mitursächlich für die 2018 und 19 aufgetretenen Statikprobleme und Dachschäden am heutigen evangelischen Kirchengebäude. Heute würde man zu Recht von „Pfusch am Bau“ sprechen. Leider waren die Baupläne in keinem Bestand des Staatsarchivs auffindbar, bedauern Aichinger und Großmann.

Nach dem Großbrand 1839 wurde das Gebäude der heutigen evangelischen Stadtkirche mit großen Mühen wieder errichtet.
Der Turm der evangelischen Stadtkirche prägt das Vohenstraußer Stadtbild.

 

 

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