Vohenstrauß
03.06.2019 - 10:53 Uhr

Günter Schober führt Soldatenverein

Mortui viventes obligant – Die Toten verpflichten die Lebenden: Dieser bei Soldatenvereinen beliebte Spruch bekommt in Vohenstrauß mit dem Tod des Vorsitzenden eine aktuelle Bedeutung.

Günter Schober (Zweiter von links) führt nun den Soldatenverein. Richard Meier (Vierter von rechts) übernimmt als Stellvertreter. Kreisvorsitzender Richard Berger (links) und Bürgermeister Andreas Wutzlhofer (rechts) zeigen sich über den Fortbestand sehr froh. Bild: dob
Günter Schober (Zweiter von links) führt nun den Soldatenverein. Richard Meier (Vierter von rechts) übernimmt als Stellvertreter. Kreisvorsitzender Richard Berger (links) und Bürgermeister Andreas Wutzlhofer (rechts) zeigen sich über den Fortbestand sehr froh.

Nach dem Tod des langjährigen Vorsitzenden Josef Roderer nach schwerer Krankheit schien eine Weiterführung des nur noch 44 Mitglieder starken Soldatenvereins 1876 mehr als fraglich. Im Vereinslokal „Zur Post“ versammelten sich zehn Wahlberechtigte mit Bürgermeister Andreas Wutzlhofer und Kreisvorsitzendem Richard Berger aus Pleystein vom Bayerischen Soldatenbund (BSB), um nun die Führung neu zu regeln. Im 143. Jahr des Bestehens übernimmt Günter Schober nun den Vorsitz.

Richard Meier rückt als Stellvertreter auf. Kassier bleibt Christian Roderer und Schriftführer Heinrich Jungkunst. Zu Beisitzern ließen sich Gerhard Graf, Josef Kreisl, Werner Pickel, Stefan Meisinger und Martin Lang wählen. Letzterer übernimmt zugleich das Amt des Organisationsleiters, das bisher Heinz Feneis ausfüllte. Die Kasse prüfen Josef Kreisl und neu Christine Hüttl, die das Amt von ihrem Vater Rudolf Hüttl übernimmt, dem es aufgrund seines hohen Alters nicht mehr möglich ist.

Beim Totengedenken erinnerte Schober an den verstorbenen Vorsitzenden Josef Roderer, aber auch an alle anderen Kameraden die bei Kriegseinsätzen ihr Leben ließen. Ehrenvorsitzender Josef Kreisl erhielt viel Lob für die mustergültige Durchführung der Kriegsgräbersammlungen, die wieder eine stolze Summe einbrachten, unter anderem für die Grabpflege der Gefallenen europaweit. Werner Pickel von der Reservistenkameradschaft sprach eine mögliche Fusion beider Vereine an. In den nächsten Wochen wollen beide Gremien darüber beraten. Berger bot dazu vom Kreisverband Hilfe an.

In diesem Jahr wurde die Vereinsfahne, die am 100-jährigen Jubiläum im Jahre 1982 geweiht wurde, mit finanzieller Unterstützung des Vereins, der Stadt und einer Bank, in der Fahnenstickerei Kössinger erneuert und nun den Mitgliedern präsentiert. Anhand der Fahne und der dazugehörigen Fahnenbänder können die verschiedenen Epochen der Vergangenheit nachvollzogen werden. Deswegen hielt es Schober an der Zeit, einmal in der Geschichte zurückzublicken: Am 8. Oktober 1876 im Rathaus proklamiert, übernahm Freiherr von Tucher den Vorsitz und sechs Jahre später erfolgte das Fest der Fahnenweihe unter der Patenschaft des Kriegervereins der Stadt Eschenbach. Ziel der damaligen Gründung war damals wie heute, die soldatischen Tugenden wie Ehrlichkeit, Kameradschaft zu wahren, das Staatssystem zu tragen und die soldatischen Werte zu erhalten und weiterzugeben. Der Name des Soldatenvereins wurde mehrfach geändert, unter anderem während des Zweiten Weltkriegs. Im September 1950 führte Major a. D. und Ritterkreuzträger Hermann Schmidt den Verein weiter, nachdem ihn die Besatzungsmacht 1945 aufgelöst hatte. Damals zählte der Verein 235 Mitglieder. Weitere Vorstände waren Franz Artinger und Hans Höllerer. Ab 1962 führte Leutnant a. D. und Ritterkreuzträger Hans Jungkunst bis zum Jahr 1988 den Verein.

Dies sei die Hochphase des Vereins gewesen, erinnert sich Schober. „Die Vereinsfahne wurde vor den Alliierten versteckt und so gerettet. Ein Vereinskamerad bettete sie unter seine Matratze, denn sonst hätten sie die Amerikaner mitgenommen.“ Die Aufgaben des Vereins waren damals auch noch die Unterstützung von Kriegsteilnehmern, um ihre schrecklichen Erlebnisse verarbeiten zu können. Heute werde von posttraumatischen Symptomen gesprochen, ergänzte Schober. „Der Verein war aber auch in erster Linie eine Interessengemeinschaft zum gegenseitigen Austausch, um zu zeigen, da sind Gleichgesinnte mit gleichen Erfahrungen oder Verwundungen.“ Der Schwerpunkt war jedoch damals auch der gesellschaftliche Mittelpunkt mit Jahreshauptversammlungen mit mehr als 120 Mitgliedern, Ausbutterabenden und Vereinsfahrten. „Die Gesellschaft war eben eine andere, das hat sich gravierend verändert.“

Auf der aktuellen Vereinsfahne aus dem Jahr 1982 sei noch das königlich bayerische Staatswappen abgebildet mit dem Spruch „In Treue fest“. Auf der Rückseite des Fahnentuchs ist das Vohenstraußer Stadtwappen zu sehen. Leider werde die Fahne nur bei traurigen Anlässen gezeigt, meinte Schober. „Man sollte dieses schöne Stück auch bei festlichen Anlässen präsentieren.“ Allerdings sei das Stück sehr schwer und nicht ganz einfach zu tragen. Das älteste Fahnenband das der Verein besitzt, kommt vom Veteranen- und Kriegerverein Floß und Umgebung vom 22. Juli 1934. Fahnenbänder zeigen auch, wie sich die Geschichte verändert und entwickelt. Das Motto des Deutschen Soldaten- und Kriegerbunds in Bayern, zu dem auch der Vohenstraußer Verein gehört, sei heute noch genauso aktuell: „Traditionsverbunden, zukunftsorientiert, Erhaltung des Andenkens der Gefallenen und stets im Einsatz für den Frieden und auch für die Heimat.“ Richard Berger verpflichtete alle Gewählten „die Satzung des Bayerischen Soldatenbundes zu achten, Kameradschaft zu pflegen und für die Ehre der deutschen Soldaten einzutreten“. Bürgermeister Wutzlhofer freute sich ausdrücklich, dass es mit dem Soldatenverein weitergeht, trotz des tragischen Tods des Vorsitzenden. Er bot den Mitgliedern an, die alte Vereinsfahne, die am 30. Juli 1882 geweiht wurde, in der Ahnenecke des Rathauses bei den Gefallenen der beiden Weltkriege zu platzieren und ihr damit einen entsprechend würdigen Platz zukommen zu lassen. Dafür brauche es jedoch einen entsprechenden Beschluss, da es sich ja um Vereinseigentum handele.

Jeder Verein trage zum geselligen Leben einer Stadt bei, so auch der Soldatenverein. „Je vielfältiger eine Vereinsgemeinschaft ist, umso mehr Lebensqualität findet man in einer Stadt wie Vohenstrauß.“ Die Mitglieder des Soldatenvereins unterstützen sowohl den Bauernmarkt, die autofreie Spielstadt und das Schlossfest, sind aber auch Begleiter des Volkstrauertags und kümmern sich um die Kriegsgräber. Auf die Fusion bezogen wünschte er beiden Vereinen, den richtigen Weg einzuschlagen. „Krieger, Soldaten und Reservisten sind ein Menschenschlag und es verbindet sie eine Ideologie des Soldatentums.“ Immerhin stehe auch bei ihnen auf einem Fahnenband: „Mortui viventes obligant – Die Toten verpflichten die Lebenden“.

Krieger, Soldaten und Reservisten sind ein Menschenschlag und es verbindet sie eine Ideologie des Soldatentums.

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer

Die Vereinsfahne, die im Jahr 1982 beim 100-jährigen Jubiläum des Krieger- und Soldatenvereins geweiht wurde, ließen die Mitglieder restaurieren und präsentierten sie nun in ganzer Pracht. Bild: dob
Die Vereinsfahne, die im Jahr 1982 beim 100-jährigen Jubiläum des Krieger- und Soldatenvereins geweiht wurde, ließen die Mitglieder restaurieren und präsentierten sie nun in ganzer Pracht.
Die Vereinsfahne, die im Jahr 1982 beim 100-jährigen Jubiläum des Krieger- und Soldatenvereins geweiht wurde, ließen die Mitglieder restaurieren und präsentierten sie nun in ganzer Pracht. Auf der Rückseite des Fahnentuchs ist das Stadtwappen eingestickt. Bild: dob
Die Vereinsfahne, die im Jahr 1982 beim 100-jährigen Jubiläum des Krieger- und Soldatenvereins geweiht wurde, ließen die Mitglieder restaurieren und präsentierten sie nun in ganzer Pracht. Auf der Rückseite des Fahnentuchs ist das Stadtwappen eingestickt.
 
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