25.08.2021 - 14:16 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Das Rathaus, das es nie gab

Architekt Heinrich Hauberrisser ist in der Region mit vielen aussagekräftigen Gebäuden bekannt. Auch für das Vohenstraußer Rathaus hätte er Anfang des vergangenen Jahrhunderts einen Plan eingereicht, der aber nicht verwirklicht wurde.

Monika und Markus Niederhofer aus Neuburg an der Donau (links) übergaben an Bürgermeister Andreas Wutzlhofer und HAK-Vorsitzendem Heiner Aichinger (von links nach rechts) den Planungsentwurf zum Vohenstraußer Rathaus, den Architekt Heinrich Hauberrisser entwarf.
von Elisabeth DobmayerProfil

Zurück zu den Wurzeln kam dieser Tage ein architektonisches Planungsaquarellölgemälde vom Vohenstraußer Rathaus, das Architekt Heinrich Hauberrisser Anfang des vorigen Jahrhunderts entwarf. Leider blieb die Verwirklichung verwehrt. Der für Hauberrisser typische Giebel war wohl der Grund für die Nichtverwirklichung, der die traufseitigen Häuserzeilen unterbrochen hätte, wusste Heiner Aichinger Vorsitzender des Heimatkundlichen Arbeitskreises.

Architekt Ludwig Niederhofer, der zugleich Stadtamtmann in Augsburg war, kam aus verwandtschaftlichen Verhältnissen – Hauberrissers Ehefrau war eine geborene Niederhofer – in den Besitz dieses Bildes, das er später an seinen Sohn vererbte. Monika und Markus Niederhofer aus Neuburg an der Donau wurden nun von dessen Ehefrau und zugleich Mutter von Markus Niederhofer beauftragt, Kontakt nach Vohenstrauß zu suchen, um das Bild anzubieten. Geschäftsleiter Thomas Herrmann leitete die Anfrage im vergangenen Jahr an die Verantwortlichen des Heimatkundlichen Arbeitskreises (HAK) weiter, die nach eingehender Beratung den Ankauf zusagten. Wegen der Corona-Pandemie verzögerte sich allerdings die Übergabe. Nun kam das Ehepaar mit dem Gemälde zum Heimatmuseum zur Übergabe vorbei.

Zur Geschichte: Am 18. Dezember 1907 fasste der Magistrat der Stadt den Beschluss, für den als Voraussetzung für die Stadterhebung geforderten Rathaus-Neubau einen Architekten-Wettbewerb mit 1200 Mark Preisgeld ausschreiben zu lassen, was durch den beauftragten Verein für Volkskunstkunde in München im Januar 1908 in überregionalen Zeitungen erfolgte. Eine Bedingung war, dass das Äußere an das Renaissance-Erscheinungsbild der Friedrichsburg angepasst sein sollte.

Das Preisgericht tagte im Bayerischen Nationalmuseum unter Anwesenheit von Bürgermeister Gottfried Riebel, Magistratsrat Kaufmann Leonhard Winkler und Marktschreiber Andreas Windschiegl. Es waren 51 Entwürfe eingegangen, von denen vorab 35 ausgeschieden wurden, weil darin der Baugiebel statt traufseitig zum Marktplatz vorgesehen war, was auch der Entwurf des angebotenen Bildes zeigt. Schließlich wurde der Entwurf von Hans Brühl, München, zum Gewinner erklärt, der dann auch den Planungsauftrag erhielt.

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer, sagte zu, einen würdigen Platz im Rathaus zu finden, um das Bild für alle sichtbar zu machen. Hauberrisser prägte als Architekt eine ganze Region. Nicht nur die katholische Stadtpfarrkirche oder der katholische Pfarrhof mit St. Josephskapelle, lehnte sich im Stil der deutschen Renaissance an und machte mit seinem Rundturm einen stattlichen Eindruck. Ebenso wirkte Hauberrisser in Waldau oder Roggenstein. Heinrich Hauberrisser starb am 7. Juli 1945 an einem Herzschlag und wurde in einem Ehrengrab im Oberen Katholischen Friedhofs in Regensburg beigesetzt.

Vohenstrauß
So hätte das Vohenstraußer Rathaus aussehen können. Nun findet aber wenigstens ein Gemälde Heinrich Hauberrissers von seinem abgelehnten Entwurf von 1908, das das Ehepaar Niederhofer nun der Gemeinde verkaufte, einen Platz im Rathaus.
Monika und Markus Niederhofer aus Neuburg an der Donau (links) übergaben an Bürgermeister Andreas Wutzlhofer und HAK-Vorsitzendem Heiner Aichinger (von links nach rechts) den Planungsentwurf zum Vohenstraußer Rathaus, den Architekt Heinrich Hauberrisser entwarf.
Architekt Heinrich Hauberrisser:
  • Geboren 27. Juni 1872 (München); gestorben 7. Juli 1945 (Regensburg)
  • Stil/Werk: Sakralbauten im Stil von Neogotik über Neubarock- und Jugendstilformen bis hin zur Neuen Sachlichkeit
  • Besonderheit: Trotz historischer Baustile stets Verwendung modernster Bautechnik
  • Einige Arbeiten: Klostergebäude in Pleystein (1901 bis 1902), Pfarrkirche St. Sigismund in Pleystein (1901 bis 1904), Pfarrkirche Sankt Vitus in Schnaittenbach (1910), Pfarrkirche St. Erhard in Roggenstein (1911), Pfarrkirche St. Ursula in Ursulapoppenricht/Hahnbach (1912) und Maria Immaculata in Vohenstrauß (1927 bis 1929).

 

 

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