08.04.2021 - 11:26 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Schäferhund vermutlich vergiftet: Tierärztin warnt Hundebesitzer

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Jeder, der einmal in Yvonne Federls Tierarztpraxis in Vohenstrauß war, dürfte ihren Schäferhund Onya kennen. Vor gut zwei Wochen starb der dreijährige Hund, vermutlich, weil er Gift gefressen hatte. Die Tierärztin will Hundebesitzer warnen.

Yvonne Federl mit ihrem Schäferhund Onya. Das erst dreijährige Tier der Vohenstraußer Tierärztin starb am 21. März vermutlich an einer Vergiftung mit Rattengift.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Yvonne Federl nimmt der Tod ihres erst dreijährigen, kerngesunden Schäferhundes Onya noch immer mit. „Es war wirklich dramatisch“, erzählt die Tierärztin aus Vohenstrauß. Am Sonntag vor zweieinhalb Wochen habe sich Onya plötzlich auffällig verhalten. „Sie war Sonntagfrüh nicht so lustig wie sonst und wollte auch nicht spazieren gehen“, erinnert sich Federl. Das Tier sei müder geworden, und am Vormittag habe sie festgestellt, dass Onyas Schleimhäute blass aussehen. „Es ist ganz schnell gegangen. Sie kam in einen Schockzustand, es kam zur Aufgasung und zu heftigen inneren Blutungen. Trotz sofortigem Versuch, sie über eine Magenentleerung, Darmspülung, Infusionen und Vitamin K in hoher Dosierung zu retten, gelang uns dies nicht. Sie ist in der Nacht trotz Intensivbehandlung verstorben.“ Mehrere Tierärzte seien eingebunden gewesen.

Onya war bei Federls Kunden bekannt. Sie hielt sich gerne im angrenzenden Garten auf oder spielte dort mit gesunden Hunden, die Interesse an ihr zeigten. „Das machte den Tierarztbesuch für manch verspielten Hund zum angenehmen Ausflug mit Spaßeffekt. Sie war ein ganz lieber, kerngesunder Hund, den alle gern gehabt haben“, so die Tierärztin.

Fleischfund macht stutzig

Federl schilderte Onyas Symptome Toxikologen in München, die den Verdacht auf Vergiftung durch Rattengift äußerten. „Ich wollte mein Tier nicht sezieren lassen“, sagt Federl, deshalb könne sie nur von einem Verdacht sprechen. Es gebe eine neue Generation von Rattengift, bei dem sich erst zwei bis fünf Tage nach Aufnahme Symptome zeigten. Diese Gifte seien so entwickelt, „dass sie ausgesprochen zeitverzögert Symptome bei der Zielgruppe Nager, und eben leider auch beim Hund wie bei der Katze bei versehentlicher Aufnahme, auslösen. Das macht diese Gifte besonders tückisch. Wir waren völlig ahnungslos. Wenn man es schneller bemerken würde, könnte man sehr gut mit einem Gegengift reagieren. Aber wenn die Symptome erst so spät eintreten, hat man keine Chance.“ Wo Onya das Gift aufgenommen haben könnte, weiß die Tierärztin nicht. Sie appelliert an andere Hundebesitzer, wachsam zu sein.

„Onya war nie alleine unterwegs, und ich habe nichts beobachtet.“ Stutzig geworden sei sie, als sich vier Tage nach Onyas Tod eine Bekannte bei ihr meldete. Sie hatte beim Spazierengehen am Ortsrand von Vohenstrauß, in einem Waldstück zwischen dem Wanderparkplatz am Hütbrunnenweg und dem Grundlosen Weiher, Fleisch am Wegesrand gefunden: ein Herz, eine Lunge und eine Zunge von einem Schwein. „Das war alles merkwürdig drapiert. Die Teile sahen ganz frisch aus, wie direkt aus der Metzgertheke“, so Federl. Sie sei mit Onya in der Gegend spazieren gewesen. Die Tierteile habe sie eingefroren. Die Frauen meldeten sich bei der Polizei, um Hundehalter in und um Vohenstrauß zu informieren.

Polizei warnt Hundebesitzer

„Bisher konnte nicht geklärt werden, ob hier jemand nur seine Schlachtabfälle entsorgte oder diese Fleischteile absichtlich dort platzierte“, schrieb die Polizei am Ostermontag in ihrem Bericht und bat um Hinweise. Wie Martin Zehent, Leiter der Vohenstraußer Polizeiinspektion, am Mittwoch auf Nachfrage mitteilte, gibt es keine neuen Erkenntnisse: „Es kam keine Reaktion auf den Bericht.“ Es habe sich auch niemand gemeldet, der das Fleisch abgelegt hatte. Das Fleisch sei nicht untersucht worden, da keine konkreten Anhaltspunkte vorlägen, dass sie vergiftet seien. Hinweise erbittet die Polizei unter 09651/92010. „Ich wäre für Hinweise sehr dankbar“, sagt Yvonne Federl. Sie zweifle momentan, ob sie sich einen neuen Hund zulegen soll. „Das möchte man keinem antun“, sagt sie im Hinblick auf das schlimme Ende von Onya.

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Hintergrund:

Vergiftung mit Rattengift: Symptome und Behandlung

Tierärztin Yvonne Federl erklärt, bei welchen Symptomen ein Tierarzt eingeschaltet gehört:

  • „Beim geringsten Verdacht einer Giftaufnahme sollte ein Tierarzt aufgesucht werden, um den Wettlauf mit der Zeit bei dieser Art der Intoxikation gewinnen zu können.“
  • Eine Vergiftung mit Rattengift (Coumarinderivat) verläuft schleichend. Symptome können sich erst nach zwei bis fünf Tagen zeigen.
  • Von eigenmächtigen Maßnahmen wird tunlichst abgeraten.
  • Es kommt zu einer Blutgerinnungsstörung , die innere Blutungen auslöst. Symptome: Einblutungen unter der Haut, Krämpfe, blasse Schleimhäute, Untertemperatur, Apathie, Schock, Lähmungen, Atemnot, Blut im Husten, Erbrochenen, Stuhl oder Nasenbluten.
  • Wird eine Vergiftung mit Rattengift frühzeitig erkannt, kann Vitamin K als Gegengift helfen.
  • Symptome, Verlauf und Behandlung sind nicht bei allen Giften gleich. Vergiftungen zum Beispiel mit Schneckenkorn oder Organophosphaten (Herbizide, Fungizide) können auslösen: Erbrechen, Erregungserscheinungen wie Zittern, starker Speichelfluss, Durchfall.
  • Bei Rattengift kann die Behandlung mehrere Wochen dauern.
  • „Wenn ein Hund aus dem Gebüsch kommt und sich das Maul leckt, Verfärbungen oder Brocken am Maul hat, sollte man an eine Vergiftung denken“, rät Federl.
Onya war auch bei vielen Kunden und Patienten der Tierarztpraxis Federl in Vohenstrauß bekannt und beliebt.
Ihr Schäferhund war erst drei Jahre alt und kerngesund, sagt Tierärztin Yvonne Federl.
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