04.10.2021 - 10:27 Uhr
VohenstraußOberpfalz

"Schaltlücke" Vohenstrauß will mit der Kultur ins Gericht gehen

Das Alte Amtsgericht fristet seit über 30 Jahren leerstehend und ungenutzt ein Schattendasein neben der Friedrichsburg. Doch der Dornröschenschlaf könnte bald vorbei sein.

Der Verein "Schaltlücke" hat mit dem Alten Amtsgericht neben der Friedrichsburg einiges vor. Florian Mittelmeier (rechts) und Jakob Müller sind zuversichtlich, dass die Pläne umgesetzt werden können.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Der Verein "Schaltlücke" um Florian Mittelmeier versucht schon seit geraumer Zeit, das seit 1990 leerstehende Alte Amtsgericht neben der Friedrichsburg wiederzubeleben. Doch Corona machte den jungen Leuten einen Strich durch die Rechnung. Nun werden die Pläne langsam wieder konkreter. Das Gebäude soll "kein fixes Konzerthaus" sondert Ort für Subkultur, Jugend und Kunst werden. Im Erdgeschoss des rechten Flügels sollen Proberäume für Bands, Ateliers für Künstler oder ein Inklusionscafé entstehen, informiert der Vohenstraußer.

Auch Workshops oder eine Selbsthilfe-Werkstatt seien denkbar. Der ehemalige Gerichtssaal sei als Lokalität für Veranstaltungen vorgesehen. Dort wären 150 Stehplätze und 60 bis 70 Sitzplätze möglich. Nutzen könne es der Verein selbst sowie jeder, der Interesse habe. Das Projekt solle außerdem Menschen mit Behinderungen oder Geflüchtete mit einbeziehen. Einen Austausch mit Tschechien, beispielsweise mit der Vohenstraußer Partnerstadt Stříbro (Mies), könne sich Mittelmeier ebenfalls vorstellen.

Keine Konkurrenz

Um das Vorhaben zu stemmen, könne der Verein neben seinen Mitgliedern auf einen großen Pool an Freunden und interessierten Vohenstraußern bauen. Denn: "Eingerichtet ist sowas schnell, aber es muss halt auch jemand da sein", weiß der "Schaltlücke"-Chef. Die Verantwortlichen wollen dabei nicht in Konkurrenz zu anderen Organisationen wie die Musikinitiative (MiVoh) treten, sondern vielmehr "die Möglichkeiten erweitern, die es bisher ja nur spärlich gibt".

Der Freistaat als Inhaber der Gebäudes sei über das Vorhaben bereits informiert worden und bereit, das Alte Amtsgericht der "Schaltlücke" zur Verfügung zu stellen und nichts dafür zu verlangen, bis es jemand kaufe. Die Stadt Vohenstrauß, der Landkreis Neustadt und der Bezirk seien ebenfalls "recht angetan" von den Plänen, erklärt Mittelmeier. Als nächstes müsse nun noch der Denkmalschutz sein Urteil dazu abgeben, ob alles so umsetzbar sei, wie es sich die jungen Leute vorstellen.

Öffnung 2024 geplant

Im Gebäude selbst werde zunächst wenig renoviert, "weil wir es als Pilotprojekt sehen". Auf der Agenda stünden jedoch Strom, Toiletten und der Wasseranschluss. Das Haus soll damit für den Allgemeinbetrieb fit gemacht werden. "Wenn alles gut läuft, wollen wir 2024 aufmachen", hofft Mittelmeier. Sollte das Angebot dann entsprechend angenommen werden und sich nach drei oder vier Jahren etabliert haben, wolle die "Schaltlücke" beim Freistaat fragen, ob er eventuell weiter investieren wolle.

Mittelmeier schätzt, dass die geplanten Maßnahmen 150.000 bis 200.000 Euro kosten dürften. "Genaue Zahlen liegen aber noch nicht vor." Im Moment werde der ländliche Raum stark gefördert. Die Finanzierung soll daher zum Großteil über Zuschüsse und öffentliche Gelder laufen, so dass der Verein nur etwa zehn Prozent aufbringen müsste. "Das wäre stemmbar, 10.000 bis 15.000 Euro dürften aufzutreiben sein", ist der Vohenstraußer optimistisch.

Ein weiteres Nebengebäude der Friedrichsburg wird wiederbelebt

Vohenstrauß
Der Verein "Schaltlücke" hat mit dem Alten Amtsgericht neben der Friedrichsburg einiges vor. Florian Mittelmeier (rechts) und Jakob Müller sind zuversichtlich, dass die Pläne umgesetzt werden können.
Hintergrund:

Altes Amtsgericht

  • Gebäude gehört dem Freistaat Bayern und steht unter Denkmalschutz
  • Sitz des Landgerichts 1809 von Burgtreswitz nach Vohenstrauß verlegt
  • Landgericht kam in Weimarer Republik (1918 bis 1933) nach Weiden, Vohenstrauß wurde Amtsgerichtssitz
  • Gebäude steht seit 1990 ungenutzt leer, das Amtsgericht wurde damals in ein Haus an der Pfarrgasse verlegt und ist vor einigen Jahren nach Weiden umgezogen

 

 

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