19.02.2019 - 18:24 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Stadtrat Josef Maier zu Krematorium in Vohenstrauß: "Situation falsch eingeschätzt"

Das in Vohenstrauß geplante Krematorium ist weiter Thema. Es gäbe eine Förderung bei Anschluss an das Heizwerk, heißt es. Auch tut sich Interessantes im Landkreis Cham. Und Stadtrat Josef Maier bereut, dass er für das Projekt gestimmt hat.

Auf der braunen Wiese gegenüber der Straßenmeisterei, zwischen Straße und A 6 sowie neben dem Hackschnitzelheizwerk am südlichen Ortseingang von Vohenstrauß, könnte das Krematorium entstehen.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

„Uns ist keine Förderung bekannt“, schreibt Roman Danzer, Geschäftsführer der Phoenix Verwaltungs- und Projektentwicklungs-GmbH, die das Krematorium in Vohenstrauß betreiben würde, zu den Gerüchten. „Wenn es seitens der Stadt gewünscht ist, könnte die Abwärme ins Fernwärmenetz abgegeben werden. Nichts wäre sinnvoller, als eine nachhaltige Nutzung der Abwärme, statt diese ungenutzt an die Umwelt abzugeben.“ Das Thema war auch beim Diskussionsabend in der Stadthalle kurz zur Sprache gekommen: Der Betreiber des Krematoriums in Vilshofen berichtete, dort solle künftig eine Berufsschule mit der Abwärme beheizt werden.

Wegen der Unterschriftensammlung für das Bürgerbegehren sei die Nutzung der Abwärme derzeit „nicht diskussionsrelevant“, so Danzer. Stand heute sei „die Einspeisung von Abwärme nachweislich nicht in unserem Geschäftsplan enthalten“.

Heizwerk zu laut?

Der Erdgas-Anschluss, der mehrfach als Vorteil des Standorts am südlichen Ortseingang von Vohenstrauß genannt wurde, habe nichts mit dem Heizwerk zu tun, sagt Markus Schaller. Er ist Geschäftsführer im Heizwerk, das eine Tochterfirma des Waldbauernvereins (WBV) Eslarn-Vohenstrauß ist. „Der Anschluss liegt gegenüber auf der anderen Straßenseite, bei der Straßenmeisterei.“ An das Heizwerk sind derzeit Schulen, Gebäude der beiden Kirchen und des Krankenhauses, das Rathaus und etliche Privathäuser entlang der Wärmeleitungsstrecke angeschlossen.

Einige Gegner des Krematoriums finden ein Hackschnitzelwerk in direkter Nachbarschaft eines Krematoriums pietätlos und befürchten eine Störung der Totenruhe. „Vom Hackschnitzelwerk hört man nichts“, kontert Schaller dieses Argument. Das Holz werde größtenteils direkt im Wald gehäckselt. „Drei bis vier Mal pro Woche läuft für drei bis vier Stunden der Radlader zum Befüllen der Anlage. Und vielleicht sechs Mal im Jahr hacken wir direkt am Werk Äste, die von der Stadt oder Privatleuten angeliefert werden. Dann brummt’s einen halben Tag lang.“ Über Abgase über Stadt oder Sportzentrum mache er sich keine Sorgen: „80 Prozent des Jahres haben wir Westwind, dann fliegt der Rauch über die Autobahn.“

„Das ist es nicht wert“

„Von Fördermöglichkeiten ist mir nichts bekannt“, so Schaller zu den Gerüchten. Auch Josef Maier, Geschäftsführer des WBV und Stadtrat in Vohenstrauß, betont, ihm sei „nicht bekannt, dass es Fördermöglichkeiten gibt“. Es sei derzeit „kein Thema“, Krematorium und Heizwerk zu koppeln, der WBV sei „ganz neutral“ und wolle sich raushalten.

Er selbst hat als Stadtrat jedoch Anfang Dezember für das Krematorium gestimmt. Darauf angesprochen räumt er ein: „Ich habe die Situation falsch eingeschätzt. Ich weiß nicht, ob ich noch einmal dafür stimmen würde. Ich glaube nicht. Das ist es nicht wert“, sagt er mit Bezug auf Diskussion und Gerüchte im Ort. Das werde er auch in der nächsten Stadtratssitzung Anfang März vortragen.

Krematorium im Landkreis Cham in der Diskussion

Während mehr als die benötigen 610 Unterschriften für ein Bürgerbegehren „Kein Krematorium in Vohenstrauß“ gesammelt sind, beginnt in Ränkam im Landkreis Cham eine ganz ähnliche Diskussion wie im Landkreis Neustadt. Dort hat Markus Roßmann eine Bauvoranfrage für ein Humankrematorium gestellt, die der Further Stadtrat im Dezember zwar aus baurechtlichen Gründen abgelehnt hat. Doch der potenzielle Krematoriumsbetreiber überarbeitete seine Pläne und stellte sie vergangenen Mittwoch bei einem Ortstermin dem Bauausschuss vor.

Er plant mit 720 Kremationen pro Jahr. Am Freitag kündigte er an, sein Konzept am Samstag, 23. Februar, den Bürgern vorzustellen – und diese sammeln im Ort bereits Unterschriften gegen das Projekt.

Mittelbayerische Zeitung: Bekommt Ränkam ein Krematorium?

Ankündigung: Bürgerversammlung zum Krematorium in Ränkam

Roman Danzer sind die Pläne für ein Krematorium in Ränkam bekannt. „Der Projektentwickler hier hat den gleichen genehmigungsrechtlichen Weg vor sich wie wir in Vohenstrauß.“ Die Pläne für Vohenstrauß würden sie allerdings Danzer zufolge nicht kreuzen: „Uns scheint, wir sind mit unseren Vermutungen, dass zwischen Cham und Weiden Platz für ein Krematorium ist, doch nicht so falsch, wie von den Skeptikern angeführt. Wir fühlen uns durch dieses Ideen-Plagiat eher in unserem Vorhaben bestärkt!“ Allerdings finden er und sein Geschäftspartner Michael Dirscherl, der Standort Ränkam sei für ein Krematorium nicht geeignet, „da wir diese Region bereits durchdacht und wieder verworfen haben“.

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