Vohenstrauß
10.09.2021 - 18:46 Uhr

Traum vom eigenen Buch wird Wirklichkeit

Oswald Schmidt hat sich einen Traum erfüllt: den vom eigenen Buch. Jahrzehntelang hat der Busfahrer für andere gedichtet, und er tut das auch weiterhin, aber einmal wollte er seine Werke gebunden in Händen halten. Nicht zusammenkopiert.

Oswald Schmidt auf seiner Terrasse: Der Vohenstraußer hat sich mit dem eigenen Buch einen Traum erfüllt. Bild: Eichl
Oswald Schmidt auf seiner Terrasse: Der Vohenstraußer hat sich mit dem eigenen Buch einen Traum erfüllt.

Er hat sein selbst verlegtes Buch überschrieben mit „Gedichte aus dem Alltag“. Schmidts Alltag ist allerdings so geprägt von seiner Dichterei, dass er während das Buch von einer örtlichen Druckerei zu Papier und in Form gebracht wurde, schon wieder ein Geheft kopiert hat mit fast 80 neuen Gedichten.

Seine Lebensgefährtin Karin kennt ihren Oswald eigentlich nur unentwegt dichtend. Der Buchtitel „Gedichte aus dem Alltag“ ist so gesehen zweideutig. Nicht nur, dass die Gedichte den Alltag widerspiegeln, das tun sie – und bisweilen recht deftig. Die Gedichte beschreiben gleichermaßen den Alltag des Dichters, der gar nicht anders kann, als beinahe jedes Erlebnis in Reimform zu verarbeiten.

Die Oberpfalz-Medien haben Oswald Schmidt schon einmal besucht, im Dezember des Corona-Jahres 2020. Damals erzählte er von seinem jahrzehntelangen Dichten, von einem Buch war noch nicht die Rede. Der 71-Jährige ist viele Jahre lang Bus gefahren, hat Reisegruppen hierhin und dorthin chauffiert und diese am Ende der Reise jedes Mal mit einer selbst gedichteten Rückschau auf den Ausflug mindestens zum Schmunzeln gebracht, eher zu schallendem Lachen.

Oswald Schmidt kann nicht anders, als unablässig zu dichten. „Was glaubst, was in meim Kopf dauernd umgeht“, sagt er auf die Frage, ob er – auf seiner Terrasse sitzend – sich die Welt „erdichte“. Er gibt zu, dass es auch an der Pandemie liegt, dass er gar so viel im Kopf reimt. Lieber sitzt er eigentlich beim Behringer. Wobei auch die Behringer-Freunde immer im Hinterkopf haben sollten, dass der Oswald reimt, auch wenn es sich nicht zusammenreimt. Die Freunde wissen aber glücklicherweise, dass ihr Oswald zwar durchaus deutlich werden kann, aber niemals beleidigend wird.

Beleidigungen sind nicht Oswald Schmidts Art. Er kann mitunter sehr, sehr treffsicher beschreiben, etwa wenn er sich über Hundehaufen im tauenden Schnee ärgert: „So´n Hundedreck, gefroren zu Stein, jetzt aufgetaut, tritt man hinein, erstens stinkt der Hundescheiß und ist noch glitschiger als Eis.“ Aber er würde nie so weit gehen, Teilnehmer der Busreisen, die er als Fahrer begleitet hat, bloß zu stellen.

Oswald Schmidt will sich weder bereichern, wie er sagt, noch hat er vor, auf irgendeiner Bestseller-Liste zu landen. Er wollte ganz einfach nur einmal im Leben seine Werke gebunden und gedruckt sehen.

In seinen „Gedichten aus dem Alltag“ lässt es sich blättern wie in einer Zeitschrift. Man liest quer durch den liebevoll von Schmidt selbst gestalteten Band und sieht die eine oder andere Busfahrt vor sich, auch wenn man gar nicht dabei war. Aber die Busfahrten sind nur das eine, Schmidt macht sich in den mehr als 150 kurzen und langen Gedichten Gedanken über Gott und die Welt.

Während dieser Artikel in Druck geht, dürfte Schmidt schon wieder ein kleines Heft voller neuer Gedichte verfasst haben. Er kann nicht anders.

Vohenstrauß13.12.2020
 
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