24.06.2020 - 13:39 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Über 400 freie Ausbildungsplätze im Landkreis Neustadt/WN

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Die Mittelschüler stecken mitten in den Abschlussprüfungen. Doch wie geht es für sie nach der Schule weiter? Die Coronakrise könnte ihre Berufspläne durchkreuzen. Ein Blick nach Vohenstrauß lässt hoffen.

Rektor Hubert Reil und Berufsberaterin Kerstin Schicker sehen trotz der Coronakrise keine Einschränkungen für die Abschlussschüler der Pfalzgraf-Friedrich-Mittelschule beim Einstieg in das Berufsleben.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Die Abschlussprüfungen an der Pfalzgraf-Friedrich-Mittelschule werden zeigen, wie die Schüler die lange Pause aufgrund der Coronapandemie genutzt haben. Vanessa und Corinna sind nervös, aber keineswegs hysterisch. Die beiden Mädchen besuchen den den M-Zweig und fühlen sich auf die Abschlussprüfungen gut vorbereitet. „Sicher, es war schon stressig, als es nach der langen Zeit zu Hause wieder losgegangen ist. Daheim war es schon schwierig, ohne Lehrer alles auf dem Handy oder dem Computer zu lernen“, erzählt Vanessa.

Ihre Schulfreundin Corinna bestätigt, dass den Schülern beim Homeschooling vor allem das Miteinander fehlte. Seit dem 23. April seien sie nun wieder an der Schule und hoffen, dass die Prüfungen „gut klappen werden“. Sie fiebern der Entlassfeier entgegen, die angesichts der vielen Corona-Bestimmungen am besten im Freien über die Bühne gehen sollte. Die Zeit nach der Schule ist bei beiden bereits fix: Vanessa wird medizinische Fachangestellte bei einer Augenärztin, und Corinna macht in Schwandorf eine Ausbildung zur Ergotherapeutin.

Quer durch alle Branchen

Von der Pandemie scheinbar unbeeindruckt und entgegen dem deutschlandweiten Trend setzen zahlreiche Betriebe der Region weiterhin kräftig auf die Ausbildung von eigenem Personal. „Und das quer durch alle Berufssparten“, erklärt Kerstin Schicker von der Agentur für Arbeit Weiden. Rektor Hubert Reil ist heilfroh, dass die Berufsberaterin nach den Pfingstferien ihre wöchentlichen Sprechstunden in der Mittelschule wieder aufnehmen durfte.

„Die Abschlussschüler lagen mir während der ganzen Zeit besonders am Herzen“, gibt der Schulleiter zu. Ein Meilenstein sei für ihn gewesen, als deutlich wurde, dass die Abschlussprüfungen stattfinden können. Er habe alles getan, um für das Homeschooling praktikable Lösungen zu finden. Mit Videokonferenzen habe man alle Schüler erreichen können, weil diese auch per Handy möglich waren. Sollten sich die Noten am Ende trotzdem nicht so entwickeln wie von den Schülern erhofft, dürften sie das Jahr wiederholen und im nächsten Sommer noch einmal antreten, verspricht der Rektor.

Er sei sehr glücklich darüber, dass fast alle Abschlussschüler bereits einen Ausbildungsvertrag in der Tasche haben und sich die Betriebe auch an die Vereinbarungen halten. Von den 77 Jugendlichen seien 68 mit Lehrstellen versorgt. „Es gab nur einen Fall, bei dem ein Betrieb wegen Corona seine Zusage zurücknahm. Aber auch diese Schülerin hat schon wieder eine neue Ausbildungsstelle gefunden“, informiert Schicker. Natürlich gebe es nach wie vor für beide Seiten die Option, noch vier Wochen nach Ausbildungsstart zu kündigen. Reil bemerkt bei seinen Schülern, dass diejenigen, die in der Metallbranche untergekommen sind, noch etwas „zittern“, weil so mancher Betrieb durch die Pandemie mit rückläufigen Auftragszahlen kämpfen muss.

Die Berufsberaterin sieht die aktuelle Lage jedoch keineswegs schwarz: „Grundsätzlich gibt es heuer eine Unmenge an noch freien Stellen, und das branchenübergreifend. Viele Betriebe suchen noch Azubis, vom Steuerfachangestellten, über den Maurer bis hin zum Mediengestalter.“ Ein Blick auf die Jobbörse der Arbeitsagentur bestätigt die These: Im Landkreis Neustadt/WN gebe es aktuell noch 436 freie Ausbildungsplätze.

Jobbörse immer aktuell

Schicker vermutet, dass die Auswirkungen der Pandemie im Lehrstellenmarkt erst im nächsten Jahr durchschlagen könnten: "Sollte es im Herbst eine erneute Welle geben, dann würde sich das in den Ausbildungsstellen im nächsten Jahr wahrscheinlich wesentlich deutlicher abzeichnen als derzeit". Die Zusammenarbeit zwischen Arbeitsagentur – im Speziellen dem Arbeitgeberservice und den Arbeitgebern sei sehr gut, ist sich die Berufsberaterin sicher. Die Stellenangebote würden in der Jobbörse im Internet regelmäßig aktualisiert.

Bis die Jugendlichen aber in den nächsten Lebensabschnitt starten, müssen sie mit den Abschlussprüfungen noch eine Hürde überspringen. Der Schulleiter drückt seinen Schützlingen in den kommenden drei Wochen weiter fest die Daumen, damit Ende Juli alle zufrieden sind und ihren Abschluss auch gebührend und würdig feiern können.

Vanessa Wimmert (links) und Corinna Beierl stehen kurz vor den Abschlussprüfungen an der Mittelschule in Vohenstrauß. Beide wissen, wie es danach für sie weitergehen wird.

Die Abschlussschüler lagen mir während der ganzen Zeit besonders am Herzen.

Rektor Hubert Reil

Rektor Hubert Reil

Hintergrund:

Alternativen zur Ausbildung

Den noch unschlüssigen Schülern kann die Berufsberaterin einige Alternativen anbieten. „Im BVJ, dem Berufsvorbereitungsjahr, erfüllen die Schüler in einem ganzen Vollzeitschuljahr, das sehr praktikumsorientiert ist, ihre Schulpflicht“, erklärt Schicker. Auch ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) wäre möglich. Jedes Jahr entscheiden sich auch einige Absolventen, die M 10 dranzuhängen. Außerdem gebe es die Möglichkeit, zwei Jahre die Wirtschaftsschule zu besuchen, um die Mittleren Reife zu erlangen. Einen Abschluss bekommen die Mittelschüler auch an der Kooperativen Wirtschaftsklasse an der Europa-Berufsschule in Weiden.

Rektor Hubert Reil übernimmt Mittelschule in Vohenstrauß

Vohenstrauß

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