19.09.2021 - 16:27 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Viele Menschen lassen sich für kleinen Stefan typisieren

Stefan Reil ist 10 Jahre und an aggressiver Leukämie erkrankt. Für ihn startet am Sonntag in und vor der Stadthalle Vohenstrauß eine Typisierungsaktion. Der Andrang ist riesig, zig Menschen wollen helfen. Dem Vater fehlen fast die Worte.

von Redaktion ONETZProfil

Der zehnjährige Stefan Reil aus Untertresenfeld braucht dringend einen Stammzellenspender, um den Kampf gegen Leukämie zu gewinnen. So organisierten Uli Münchmeier und Michael Gösl eine Typisierungsaktion, die mit dem Kirchenthumbacher Verein „Hilfe für Anja“ auf die Beine gestellt wurde. „Wahnsinn“ und „Danke, danke,“ waren deshalb in den vergangenen 14 Tagen immer wieder zu hören. Das Schicksal des kleinen Jungen berührt die Menschen der Region. Es ist ihnen ein echtes Bedürfnis zu helfen. Das zeigt sich auch besonders beim Andrang am Sonntag rund um die Stadthalle Vohenstrauß.

Wolfgang Reil, Vater des erkrankten Buben, fehlen deshalb am Morgen beim Start für die Typisierung fast die Worte. Natürlich wünsche er sich, die berühmte Nadel im Heuhaufen zu finden. „Wenn nicht unserem Stefan, dann kann vielleicht einem anderen Menschen geholfen werden." Und: "Jeder fünfte Erkrankte bekommt noch immer keinen Spender", weiß er.

Abstrich geht ruckzuck

In der Stadthalle läuft trotz des Ansturms alles wie am Schnürchen. Es gibt kaum Wartezeiten. An zwölf Stationen können die Testwilligen ihren Gaumenabstrich machen. Es läuft zügig: 30 Sekunden rechter Mundwinkel, 30 Sekunden der linke. Danach können sich die Besucher im Außenbereich Bratwürste oder Kaffee und Kuchen abholen – alles gespendet. Bis kurz vor 15 Uhr sind alle 225 gespendeten Kuchen, aufgeteilt auf 750 Kuchenpakete, weg. 500 Test-Kits mit einer Home-Typisierung wurden an Leute verschickt, die sich daheim testen lassen wollen, weil sie am Sonntag nicht persönlich vorbeikommen können. 70 Helfer verschiedener Vereine gehen Hand in Hand.

Alle wollen Lebensretter sein

Wolfgang Piehler, ein ehemaliger Stammzellenspender, schaut ebenfalls vorbei und freut sich angesichts des Zuspruchs. Er würde immer wieder spenden. Die 38-jährige Christina Forster aus Eslarn beteiligt sich auch wie selbstverständlich an der Aktion: „Ich finde es einfach schön, wenn man anderen helfen kann.“ „Warum soll man das nicht machen?“, fragt Stephanie Kick (27) aus Untertresenfeld. Sie kommt in Begleitung ihrer Mama Uschi, die bereits wie alle weiteren Familienangehörigen früher getestet wurde. „Ich möchte Stefan einfach helfen.“ Als Nachbarin fühle sie sich verpflichtet, mitzuhelfen, das Leben des Buben zu retten.

Auch Spendenschecks

Eine wertvolle Geste kommt auch von den Schirmherren Landrat Andreas Meier und Bürgermeister Andreas Wutzlhofer sowie Sparkassenvorstandsvorsitzendem Gerhard Hösl. Für die Typisierungsaktion übergeben sie 5000 Euro, verbunden mit der Hoffnung, dass es gut ausgeht. Den Scheck überreichen sie Michael Sporrer, Vorsitzender des Vereins „Hilfe für Anja“ aus Kirchenthumbach, der für das Vertrauen dankt, das die Organisatoren in den Verein gesetzt haben. Wutzlhofer lobt die Organisatoren: „Es ist grandios, was ihr auf die Beine gestellt habt.“ Florian Piehler von Rotaract Weiden legt 500 Euro auf die Summe drauf und drückt die Daumen. Marcus Fritsch von der Firma Fri-Sec aus Wildenau ist mit seinen Leuten ehrenamtlich im Einsatz. Er ist es auch, der Stefan Reil mit dem Trikot von seinem Lieblingsverein FC Bayern beschenkte. Mittlerweile sei es nach Bärnau und Weiden die dritte Typisierungsaktion, die er begleite.

Pizza, Braten und Kilometer für Geld

Bereits am Samstag haben in Tännesberg die Mitglieder der Kolpingfamilie mit Bäckermeister Wolfgang Spickenreither fast 500 Pizzen im Akkord geknetet, belegt und gebacken, um Geld für die Typisierungsaktion zu sammeln. Acht Fahrer-Teams lieferten die italienische Spezialität rund um Tännesberg und Gleiritsch oder bis nach Vohenstrauß ins Haus. Eine Woche vorher lief eine ähnliche Kampagne mit Erfolg schon bei der Freiwilligen Feuerwehr und dem Fußballverein in Altenstadt bei Hobby-Pizzabäcker Florian Zeis.

Auf besten Zuspruch stieß die Einladung der Tännesberger TSV-Abteilung RAN unter dem Motto „Ran für Stefan – Jeder Kilometer zählt“ am Geologischen Lehrpfad. 380 Teilnehmer aus der gesamten Region legten zu Fuß, per Rad oder sogar auf zwei Ponys 4279 Kilometer zurück. Die komplette Grundschule Tännesberg und die Fußballer der Spielgemeinschaft Vohenstrauß und Altenstadt beteiligten sich und liefen mit ihrem Maskottchen, dem Fußballfuchs, für ihren Freund durch die Natur. Josef Reger aus Böhmischbruck absolvierte auf seinem Rad sportliche 84 Kilometer für diesen Zweck, informierte Vorsitzender Bernhard Walter.

Viele Fußballer machen mit

Bereits gegen Sonntagmittag haben sich unzählige Fußballmannschaften aus der ganzen Gegend testen lassen. Je jünger die Spender sind, umso länger bleiben sie in der Kartei. „Es ist ein Wahnsinn, was hier gerade passiert“, versucht Mitorganisator Uli Münchmeier seine Gefühle in Worte zu fassen.

Zur gleichen Zeit holt Birgit Baier von der Zoigl-Lounge in Obertresenfeld die große Fleischpfanne aus dem Backofen. 300 Zoigl-Braten und 600 Knödel wandern zur Mittagszeit über die Theke. Auch dieser Genuss-Erlös ist für Stefan Reil bestimmt, dem eine ganze Region Mut für die Zukunft machen will.

Getestet wird schließlich bis nach 18.30 Uhr, weil immer noch Leute kommen. Am Ende haben BRK-Helfer ganz nebenbei 65 Personen bei der mobilen Station gegen Corona geimpft. 1560 Personen ließen sich als potenzielle Stammzellenspender testen. Eine Zahl, die Mut macht. Hoffentlich vor allem Stefan und seiner Familie.

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Vohenstrauß

 

 

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