02.05.2021 - 14:30 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Vohenstrauß: Roter Farbklecks entpuppt sich als seltener Pilz

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Der Vohenstraußer Naturfilmer Thomas Stock hat mit seiner Kamera schon viel eingefangen. Aber als er in einem Wald etwas Rotes entdeckt, staunt er nicht schlecht.

Der Österreichische Prachtbecherling wächst normalerweise nicht in unserer Gegend. Dieses Exemplar gedeiht jedoch im östlichen Landkreis.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

"Was blüht denn da?", dachte sich Thomas Stock, als er in einem Waldstück im östlichen Landkreis kürzlich einen roten Farbklecks sah. "Vor allem zu einer Zeit, wo noch nichts blüht und wo es noch keine Blätter an den Bäumen gibt?" Der Naturfilmer vermutete daher sofort, dass es sich um einen Pilz handeln könnte. "So etwas ist mir noch nie vor die Kamera gekommen. Es war klar, dass es etwas Besonderes ist."

Unter Mikroskop untersucht

Daher zeigte er Stefan Hartwig ein Foto. "Er war ganz aus dem Häuschen", erinnert sich Stock. Kurz darauf zeigte er dem Pilzsachverständigen der Deutschen Gesellschaft für Mykologie den Fundort. Die erste Einschätzung des Experten: "Es ist einer der roten Prachtbecher." Nach genauerer Untersuchung unter dem Mikroskop stellte Hartwig aber fest, "dass es sich um den Österreichischen Prachtbecherling (Sarcoscypha austriaca) handelt".

Und das konnte er zunächst gar nicht glauben. Denn dieser Pilz braucht kalkhaltige Böden, um zu gedeihen. "Wir in der Vohenstraußer Gegend sind stocksauer", erklärt er. Damit meint er nicht den Gemütszustand, sondern die Beschaffenheit des Erdreichs in der Region. Des Rätsels Lösung: An der Fundstelle hat jemand vermutlich vor langer Zeit Bauschutt abgelagert und so für einen Vorrat an Kalk gesorgt.

Stefan Hartwig hat für Oberpfalz-Medien schon Pilz-Workshops begleitet

Weiden in der Oberpfalz

Doch wie kamen die Sporen des Österreichischen Prachtbecherlings an diesen Ort? Hauptsächlich ist der Pilz nämlich in Nordamerika beheimatet. Er kommt "nur ganz vereinzelt an bestimmten Stellen in Deutschland vor", informiert Hartwig. Hierzulande ist er "selten und steht auf der Roten Liste der bedrohten Pilzarten". Daher ist er auch unbedingt zu schonen, betont der Fachmann.

Sporen in der Luft

Die Sporen sind mit dem Wind in die nördliche Oberpfalz gekommen, meint der Mykologe. Denn: "Die Hälfte aller Schwebeteilchen in der Luft sind Pilzsporen." Woher genau das Exemplar bei Vohenstrauß stammt, lässt sich jedoch nicht genauer bestimmen.

Dass es sich um den Österreichischen Prachtbecherling handelt, steht aber eindeutig fest. Ein weiterer Experte hat dies Hartwig bestätigt. Der Pilz wächst im Winter - auch unter der Schneedecke - bis in den Mai, erläutert der Vohenstraußer. Weniger eindeutig ist die Herkunft des Namens trotz des überwiegende Vorkommens in Nordamerika. Der Pilzsachverständige vermutet, dass die Erstbestimmung in Österreich geschehen sein muss.

"So etwas ist mir noch nie vor die Kamera gekommen. Es war klar, dass es etwas Besonderes ist."

Thomas Stock, Naturfilmer aus Vohenstrauß

Thomas Stock, Naturfilmer aus Vohenstrauß

Hintergrund:

Österreichischer Prachtbecherling

  • Ist in Deutschland selten
  • Wächst nur auf kalkhaltigen Böden
  • Steht hierzulande auf der Roten Liste der bedrohten Pilzarten
  • Sollte unbedingt stehengelassen und geschont werden
  • Kommt hauptsächlich in Nordamerika vor
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