19.06.2020 - 13:27 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Vohenstraußer Naturfreibad bleibt geschlossen

Die Verantwortlichen der Stadt entschließen sich mit Bürgermeister Andreas Wutzlhofer, die Türen heuer nicht zu öffnen. Ein standortspezifisches Schutz- und Hygienekonzept erfordert umfangreiche Recherchen.

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer gibt mit Bademeister Raphael Fritz, Bauamtsleiter Johann Balk und Stadtkämmerer Rainer Dötsch (von links nach rechts) die Entscheidung einer außerordentlichen Fraktionssitzung am Donnerstag bekannt. Das städtische Naturbad an der Pleysteiner Straße bleibt in diesem Sommer geschlossen.
von Elisabeth DobmayerProfil

Die Entscheidung ist gefallen: Das städtische Naturbad an der Pleysteiner Straße bleibt in diesem Sommer aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen. Diesen Entschluss fassten die Teilnehmer einer außerordentlichen Fraktionssprechersitzung am Donnerstag. Zu der hatte Bürgermeister Andreas Wutzlhofer Josef Maier, Martin Gleixner, Michael Gösl und Bernd Koller, seine Bürgermeisterkollegen Uli Münchmeier und Alfons Raab sowie Bademeister Raphael Fritz in den großen Sitzungssaal eingeladen hatte, um über die Freibadöffnung zu beraten und einen entsprechenden Beschluss zu fassen.

Aufgrund der Diskussion im Stadtrat am Donnerstag, 4. Juni - während seiner Urlaubszeit - ließ Wutzlhofer bereits eine Woche später die Einladungen verschicken, damit schnellstmöglich eine Entscheidung getroffen werden konnte. Entscheidend sei keineswegs der Presseartikel am Dienstag, 16. Juni, unter der Überschrift „Stammgäste wollen wieder baden“ gewesen. Diese Feststellung war dem Bürgermeister sehr wichtig. Die Stadtverwaltung mit Kämmerer Rainer Dötsch und Bauamtsleiter Johann Balk sowie er persönlich hätten sich bereits in den vergangenen Wochen intensiv mit der Öffnungsthematik auseinandergesetzt, berichtete Wutzlhofer bei einem Treffen in der Freibadanlage am Freitagvormittag. Vorgaben und Vorschriften änderten sich kurzfristig, dennoch wollte das Stadtoberhaupt nun schnell eine Beurteilung über eine mögliche Öffnung herbeiführen. Sie hätte ein rechtssicheres und fachlichesSchutz- und Hygienekonzepts mit notwendigen Kontrollmaßnahmen erfodert.

Stammgäste fordern Öffnung des Vohenstraußer Freibads

Vohenstrauß

Bademeister Fritz hielt sich vollkommen aus der politischen Entscheidung heraus, nahm aber klar als Familienvater, Wasserwachtler und Schwimmer Stellung. „Egal, wie die Entscheidung gefallen ist, werde ich sie mittragen.“ Als Familienvater vertrat er aber ganz klar die Ansicht, dass das Freibad 2020 nicht das der vergangenen Jahre gewesen wäre. „Es fehlt einfach klar der Spaßfaktor für die Kinder.“ Attraktionen wie das Volleyballfeld oder Fußball spielen auf dem Bolzplatz, aber auch das Toben im Kinderbecken wären ohnehin nicht möglich gewesen. Badeinsel, Trampolin, Rutsche, Wasserspielbereich oder Sprungbrett würden ebenfalls gesperrt bleiben.

Eine Freibadöffnung wäre nur mit professionellen zusätzlichen Kräften möglich, da eine ehrenamtliche Unterstützung wegen der Rechtssicherheit höchst problematisch einzustufen sei. Hinzu komme das Haftungsrisiko, auch an Wochenenden, wenn der Bademeister selbst nicht vor Ort ist und Vertretungen diesen Dienst leisten. Täglich kämen etwa 10 bis 20 Stammgäste, davon fünf Schwimmer vormittags, die alle eine Jahreskarte besitzen. Das Groß der Badegäste sind Kinder bis 14 Jahre und darunter. Die dürften aber heuer nicht alleine kommen sondern müssten von einer Aufsichtsperson begleitet werden, die auch die Verantwortung übernimmt, damit die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden. Es wäre somit nur das Bahnenschwimmen erlaubt. „Für die Kinder und Schüler tut es mir am meisten leid, dass das Bad unter den gegebenen Umständen zu bleibt“, verhehlt der Bademeister nicht. „Aber wer den gesunden Menschenverstand einschaltet, kommt zu keiner anderen Meinung“, obwohl er beide Lager verstehe. Für ihn wäre es übertrieben, das Freibad nur für ein paar Stammgäste zu öffnen.

Balk brachte eine Fülle an Regeln vor, die bei einer Öffnung streng eingehalten werden müssten. Es beginnt bei der Ausweis-Einlasskontrolle, der entsprechenden Dokumentation der Besucher und der umfassenden Desinfektion. Alle befestigten Flächen seien regelmäßig zu desinfizieren. Handläufe, Geländer und Toiletten sogar in kurzen Intervallen. Dafür bräuchte es mindestens zwei zusätzliche Kräfte. Zudem wäre womöglich ein Sicherheitsdienst gefordert. Die Organisation der erforderlichen Maßnahmen mit Aufstellen von Hinweistafeln würde viel Zeit in Anspruch nehmen. Zusatzkosten von mehr als 40.000 Euro wären zu den jährlichen Unterhaltskosten für die professionelle Betreuung und die technische Infrastruktur erforderlich, rechnete Dötsch vor. „Und das in ungewissen Corona-Zeiten.“ Noch dazu müssten die Arbeitskräfte auf Abruf für Schönwetterperioden bereitstehen. „Dazu Personal zu finden, das dann auch noch die Verantwortung trägt, wird schwer“, war sich Dötsch sicher. Deshalb habe sich die Verwaltung auch klar gegen eine Öffnung ausgesprochen.

Die Stadt habe zudem bereits ein Schreiben von der BRK-Wasserwacht erhalten, dass die Mitglieder derzeit keine Einschätzung zur Unterstützung geben können, da die Wasserwacht zur kritischen Infrastruktur des Roten Kreuzes zählt und eine hohe Sorgfalt zum Schutz der Mitglieder walten lässt. Aktuell gebe es demnach auch von dieser Seite keine eindeutige Aussagen. Wegen der Baumaßnahme in der Pleysteiner Straße fehlten in diesem Jahr auch Parkplätze. Das zuständige Ingenieurbüro schließt jedenfalls aus haftungsrechtlichen Gründen und zwecks Unfallgefahr den regulären Zugang zum Bad aus. Zwar könne man über die Kleingartenanlage her zum Bad kommen, doch auch hier seien auf öffentlichem Grund nicht so viele Parkplätze vorhanden. Ein benachbarter Grundstücksbesitzer habe jedenfalls schon die Anfrage um mögliche Nutzung seiner Wiese für diesen Zweck verneint, berichtete Wutzlhofer.

Der Kosten-Nutzen-Faktor für etwa sechs Wochen Badezeit sei schwer vertretbar, waren sich die Diskussionsteilnehmer sicher. Zumal die Schwimmer auch auf gute Alternativangebote in der näheren Umgebung ausweichen könnten. Wutzlhofer wies aber auch auf ein Ansteckungsrestrisiko hin, das man nicht außer Acht lassen dürfe. Nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) ist bei Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik eine direkte Übertragung des Coronavirus über das Schwimm- und Badewasser höchst unwahrscheinlich. Bei Bädern mit biologischer Aufbereitung enthält das Wasser allerdings kein Desinfektionsmittel, so dass von diesem laut UBA generell ein gewisses Infektionsrisiko mit Mikroorganismen ausgeht. „Deswegen müssten wir die Badegäste auf dieses Restrisiko auch mit einer großen Hinweistafel hinweisen“, betonte der Bürgermeister.

Bis auf Koller von der SPD-Fraktion waren alle Teilnehmer der Meinung, das Bad geschlossen zu halten. Lediglich mit Hinblick auf die hohen Kosten willigte auch Koller mit ein. Ihm wäre es nach wie vor aber lieber gewesen, man hätte eine Betreuungslösung mit ehrenamtlichen Kräften gefunden und das Bad öffnen können. Im Übrigen betonte der Bürgermeister schließlich, dass ein Vergleich des Naturbades in Vohenstrauß mit den Freibädern Pleystein und Windischeschenbach, wie es immer wieder von Befürwortern für eine Öffnung vorgebracht wird, aufgrund der dort günstigeren Personalsituation nicht aussagekräftig ist.

Es fehlt einfach klar der Spaßfaktor für die Kinder.

Bademeister Raphael Fritz

Bademeister Raphael Fritz

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