07.07.2021 - 14:45 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Widerstand gegen Wohnkomplex am Krankenhaus in Vohenstrauß

Die geplante Wohnanlage auf dem Krankenhausgelände in Vohenstrauß ruft eine Bürgerinitiative auf den Plan. Oberpfalz-Medien fragt bei der aufgebrachten Nachbarsfamilie, Investor Harald Kraus und Bürgermeister Andreas Wutzlhofer nach.

Das Einfamilienhaus der Familie Gürtler (rechts im Bild) wird laut Anna Gürtler vom fünfstöckigen Bau auf dem bisherigen Parkplatz des Krankenhauses schwer beeinträchtigt werden.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Anne Gürtler ist noch immer geladen, nachdem sie am Freitag im "Neuen Tag" lesen musste, dass vor ihrem Grundstück ein Wohnkomplex mit Erdgeschoss und vier Stockwerken geplant ist. "Wir sind wie von einer Dampfwalze überrollt", meint sie am Dienstag. Auf ihren Leserbrief im NT hätten sich schon etliche Vohenstraußer bei ihr gemeldet: "Das sind nicht nur Leute aus unserer Nachbarschaft, die sich gegen dieses große Projekt aussprechen und sagen, dass das hier einfach nicht reinpasst", so die Mutter von vier Kindern. In dem öffentlichen Brief, den sie auch an den Vohenstraußer Bürgermeister Andreas Wutzlhofer und das Landratsamt Neustadt/WN geschickt hat, erklärt das Ehepaar Josef und Anne Gürtler unter anderem, dass sie es fragwürdig halten, als direkte Nachbarn über ein so großes Projekt mit einer Höhe von fast 15 Metern aus der Zeitung erfahren zu müssen.

Neben der Tatsache, dass ihnen ein derartiges Gebäude ab den Nachmittagsstunden die Sonne nimmt, würde sie am meisten stören, dass die Ausrichtung der Balkone ihre Privatsphäre beeinträchtige: "Die Leute haben von ihren Balkonen von oben aus aus direkten Blick auf unser Haus." Als Anlieger der Stauferstraße seien sie zeitweise eh schon durch Schule, SVE und Altenheim vom starken Verkehr gebeutelt. Weiter heißt es in dem Schreiben: "In das Umfeld passt dieses hochhausähnliche Gebäude, das noch zwei Stockwerke höher ist als die sozialen Einrichtungen Krankenhaus, Altenheim und Schule, überhaupt nicht."

Ehepaar wird klagen

Mittlerweile habe die Familie Kontakt zum Haus- und Grundbesitzerverein aufgenommen und einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Sie will nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen: "Wir halten es wie Matthias Claudius und sagen: Die Freiheit besteht darin, dass man alles tun kann, was einem anderen nicht schadet.“ Anne Gürtler gibt sich aber auch kämpferisch: "Wir werden alle Rechtsmittel ausschöpfen. Auch wenn das für uns bitter ist und uns vielleicht viel Geld kosten wird." Das Haus stehe seit 70 Jahren. "Das ist nicht so wie zum Beispiel in der Sommerwiesen, wo ich es mir freiwillig aussuche, wenn ich hinter einem so großen Klotz baue. Wir können es uns nicht aussuchen und werden nicht gefragt." Die 55-Jährige betont: "Es geht uns nicht gegen die Person Harald Kraus, wir sind lediglich gegen dieses Projekt."

Das Ehepaar hat mit einigen Nachbarn eine Bürgerinitiative gegründet. Unterschriftenlisten liegen in den Bäckereien Meier und Pinter am Marktplatz und im Fitnessstudio/Physiopraxis Asantesana aus. Nachbarin Maria Forster unterstützt die Bürgerinitiative voll und ganz. Mit ihrem Mann Hans lebt sie seit 25 Jahren in einer Mietswohnung gegenüber der derzeitigen Parkplatzanlage. "Das ist doch ein Witz, so einen Bunker da reinzustellen. Allein wenn ich mir den Verkehr vorstelle. Wir sind doch jetzt schon oft zugeparkt bis zum Gehtnichtmehr."

Kraus: "Haben nicht nachgefragt"

Harald Kraus, Geschäftsführer der KMV Medi Center GmbH, erklärt am Dienstag auf Anfrage von Oberpfalz-Medien, dass das Ehepaar Gürtler sehr wohl gewusst habe, dass er an dieser Stelle ein Bauvorhaben plane. Es habe unter anderem E-Mail-Kontakt gegeben, wo es um Garagen an der Grundstücksgrenze gegangen sei. Über Pläne oder Ausmaße sei tatsächlich nicht gesprochen worden. "Sie haben aber deswegen bei mir auch nicht nachgefragt", so Kraus. Dass auf dem Areal eine Wohnanlage entstehe, sei legitim. Er sei ein wirtschaftlich denkender Mensch, und mit dem Projekt Krankenhaus sei man ein "finanzielles Wagnis" eingegangen. "Wir haben jetzt mal bei der Bauvoranfrage die größtmögliche Dimension angegeben. Ein Stockwerk runtergehen kann man dann immer noch. Aber bestimmt keine zwei. Das ist hinsichtlich der Gesamtkalkulation wirtschaftlich nicht machbar", betont der Investor.

Zur Verkehrsfrequenz in der Stauferstraße meint Kraus: "So wenig wie jetzt war da noch nie los. Dass das nicht so bleiben wird, musste doch jedem klar sein." Er habe die Nachweispflicht hinsichtlich der Parkplätze für die Wohnanlage voll erfüllt. Sollte die Stauferstraße aber wider Erwarten tatsächlich von Bewohnern zugeparkt werden, könne man immer noch mit Halte- oder Parkverboten reagieren. Ebenfalls nicht stehenlassen will der Medi Center-Geschäftsführer den Vorwurf, das Gürtler-Grundstück bekomme durch den Neubau keine Sonne mehr ab: "Ihre Abendsonne haben sie sich ja durch die eigene Garage verbaut." Bezüglich der Einsehbarkeit des Anwesens von den Balkonen aus schlägt Kraus den Nachbarn vor, einen entsprechenden Sichtschutz anzubringen oder zu begrünen.

Er sehe keine Veranlassung, den Plan nicht umzusetzen. Zumal die Nachfrage sehr gut sei: "Anfragen von Interessenten gibt es bereits genügend." Auch wenn der Investor noch keinen schriftlichen Bescheid vom Landratsamt erhalten habe, gehe er davon aus, dass die Bauvoranfrage genehmigt wird. Ob es dann die angepeilte Größendimension werde, müsse man abwarten.

Landratsamt wird entscheiden

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer ist sich nach einem Gespräch mit dem Ehepaar Gürtler bewusst, dass die künftigen Nachbarn der geplanten Wohnanlage alles andere als erfreut sind. Er könne das durchaus nachvollziehen: "Das ist natürlich nicht schön aus Sicht der Familie Gürtler. Mir würde das vermutlich auch nicht passen, wenn vor meinem Grundstück ein so hohes Gebäude errichtet wird", so Wutzlhofer. Der Bauausschuss habe aber korrekt gehandelt: "Dem Antrag auf Vorbescheid war das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen, nachdem die Erschließung auf dem Grundstück gesichert ist." Nun liege es am Landratsamt, von allen Fachstellen prüfen zu lassen, ob der Antrag genehmigt werden kann. "Auch ob das Gebäude so in die Umgebung passt, wird das Landratsamt prüfen", ist sich Bürgermeister sicher. Die Unterschriften der Nachbarn seien bei einem Bauvorhaben nicht mehr nötig. Sollte das Landratsamt den Antrag genehmigen, werde die Familie Gürtler schriftlich informiert. "Und dann steht es ihr frei, dagegen Klage einzureichen", meint der Rathauschef.

Das "sicherlich zunehmende Verkehrsaufkommen" in der Stauferstraße sei für ihn kein Argument gegen eine Genehmigung: "Wenn ich überall, wo es enge Straßen gibt, keine Bauanträge mehr genehmigen darf, dann wird es schwierig, die von der Regierung geforderte Belebung der Innenstädte umzusetzen." Zur Höhe des Gebäudes ergänzte Wutzlhofer, dass Kraus bereits in der Bauausschusssitzung darüber informiert hatte, dass es auch Planvarianten mit weniger Geschossen gebe, sollte den Ausschussmitgliedern oder der Bevölkerung der Wohnkomplex zu hoch erscheinen.

Vorstellung der Wohnanlage auf dem ehemaligen Krankenhausareal

Vohenstrauß
Das Einfamilienhaus der Familie Gürtler (Bildmitte) wird laut Anne Gürtler vom fünfstöckigen Bau auf dem bisherigen Parkplatz des Krankenhauses schwer beeinträchtigt werden. Die Garage aus Beton gehört bereits zum Anwesen der Medi Center GmbH.

"Wir halten es wie Matthias Claudius und sagen: Die Freiheit besteht darin, dass man alles tun kann, was einem anderen nicht schadet.“

Anne Gürtler

Anne Gürtler

"Wir haben jetzt mal bei der Bauvoranfrage die größtmögliche Dimension angegeben. Ein Stockwerk runtergehen kann man dann immer noch. Aber bestimmt keine zwei. Das ist hinsichtlich der Gesamtkalkulation wirtschaftlich nicht machbar."

Harald Kraus, Geschäftsführer der Medi Center GmbH

Hintergrund:

Zulässigkeit des Vorhabens

  • Das Bauvorhaben liegt nicht in einem Geltungsbereich eines Bebauungsplans.
  • Die Zulässigkeit des Vorhaben richtet sich dann nach den Bestimmungen des § 34 BauGB (Zulässigkeit von Vorhaben innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile).
  • Innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile ist ein Vorhaben zulässig, wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist.
  • Der Bau-, Umwelt- und Energieausschuss kam bei der Erteilung des gemeindlichen Einvernehmens zu dem Ergebnis, dass die Erschließung gesichert ist.

 

 

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