16.07.2021 - 12:11 Uhr
VorbachOberpfalz

Kauf von Trockenverneblern zur Desinfektion: Vorsicht und Skepsis im Gemeinderat Vorbach

Mobile Luftreiniger sind in Klassenzimmern kein Ersatz für ausreichendes Lüften, sagen Experten. Was dann tun im Kampf gegen das Corona-Virus? Hilft Trockennebel zur Desinfektion weiter? Das fragt sich auch der Vorbacher Gemeinderat.

Ein Fenster in einem Klassenzimmer ist zum Lüften geöffnet. Der Gemeinderat Vorbach beschäftigte sich in seiner Sitzung mit einer Alternative dazu sowie zu mobilen Lüftern und Luftreinigungssystemen.
von Robert DotzauerProfil

Nach Überzeugung von Thomas Györi und Benjamin Eibisch ist eine Trockenvernebelung öffentlicher Räume bei der Reduktion von Mikroorganismen in der Raumluft eine gute Alternative zur Desinfektion. Trockennebel könne auch Viren bekämpfen – und mit dem Zerstäubungsmittel könne auch das Infektionsrisiko in Räumen gesenkt werden, betonten die beiden Vertreter der Firma "Apollon Biotech" vor der jüngsten Sitzung des Gemeinderats.

Dabei geht es den jungen Männern nicht um die Anwendung von mobilen Lüftern. Ihr Credo ist die Desinfektion kontaminierter Flächen. Statt schwerer Gerätschaften und wenig umweltfreundlicher Desinfektionsmittel setzen sie auf eine wirksame Anwendung ohne Alkohol und Parfüm. Die Zerstäuber blasen Wasserdampf in den Raum. Die kleinen Partikel desinfizieren gründlich alle Flächen, wie die Firmenvertreter erläuterten.

Trockenvernebelung heißt das Zauberwort. „Der Nebel benetzt alle im Raum befindlichen Gegenstände“, informierten die Unternehmensvertreter. Ein Nachwischen und Trocknen erübrige sich.

Auch die Gemeinde Vorbach interessiert sich für das neue Verfahren, das zwar mobile Lüfter und Luftreinigungssysteme nicht ersetzt. Die Raumluft diene dabei nur als sogenannter Trägerstoff, merkten Györi und Eibisch an. In Verbindung mit dem biologisch zertifizierten und umweltschonenden Desinfektionsmittel ergebe sich eine lückenlose Luft-Flächen-Desinfektion ohne jegliche Schadstoff-Rückstände.

Die beiden Firmenvertreter demonstrierten dies im Sitzungsraum des Gemeindezentrums, ehe sie in der folgenden Gemeinderatssitzung im großen Saal dem Gremium Rede und Antwort standen. Bürgermeister Alexander Goller sprach dabei von einem interessanten Ansatz vor allem zur Verringerung von Reinigungskosten. Er dachte dabei zum Beispiel an die Raumpflege in der Volksschulturnhalle und im Gemeindezentrum. Gleichzeitig empfahl er unabhängig von der Entscheidung zur Anschaffung von Raumlüftern, nach neuen Infektionsschutzmöglichkeiten Ausschau zu halten.

Die weitere Diskussion im Gremium prägte ein Klima der Vorsicht und Skepsis. „Was ist da eigentlich drin?“, wollte Margarete Kreutzer nach der Demonstration im Sitzungszimmer und dem nach Chlor riechenden Nebel im Testraum wissen: nach Auskunft der Firmenvertreter ein „sauberes Gemisch“, das bereits in den Praxisräumen eines Kinderarztes in Bayreuth eingesetzt werde und im Vergleich zur herkömmlichen Wischdesinfektion mit einem wesentlich geringeren Arbeitsaufwand verbunden sei.

Bedenken bei täglicher Anwendung äußerten Dominik Eckert und Martin Kräml. Beide Gemeinderäte hegten Zweifel am Einsatz in Klassenzimmern. Eher geeignet seien Vernebelungsaktionen in der Turnhalle oder in Umkleiden der Sportvereine.

Ein sogenanntes Businesspaket kostet einschließlich Rollwagen und fünf Neblern circa 10.000 Euro. Weitere Kosten fallen für das Desinfektionsmittel an. Einen Beschluss fasste das Gremium nicht – das Thema bleibt vernebelt.

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Vorbach

"Ein interessanter Ansatz vor allem zur Verringerung von Reinigungskosten."

Bürgermeister Alexander Goller

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