24.01.2020 - 09:41 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Vorne Pferde, hinten Watt

Racer oder Öko-Schleicher - der Volvo S 60 T8 Twin Engine kann beides - je nachdem, wer am Steuer sitzt. Und es gibt noch ein paar Zwischenstufen.

von Michael Ascherl Kontakt Profil

Zwei Wochen war der weiße Schwede bei uns, hat jede Nacht Strom aus der Steckdose in der Garage gezutselt und konnte so die tägliche Fahrt zur Arbeit und wieder nach Hause quasi emissionsfrei bewältigen. Den Benzinmotor brauchte er nur ganz selten. Freilich ist die rein elektrische Reichweite dieses Hybriden eher bescheiden. 58 Kilometer gibt Volvo an, weiter als 40 sind wir im Test nicht gekommen. Das liegt am Winter, an den zusätzlichen Verbrauchern wie Licht, Heizung, Sitz- und Lenkradheizung und anderen mehr.

Der Testwagen lädt nur an Haushaltssteckdosen auf, schnelles Laden an gängigen Säulen kann er nicht. Dafür macht er sich - noch am Strom hängend - am Morgen schon mal warm. Per App programmiert, heizt er nicht nur den Innenraum, sondern sorgt auch für angenehme Temperaturen an Sitz und Lenkrad und für freie Scheiben. Weil er ja noch angesteckt ist, bleibt die volle Reichweite erhalten.

Volvo spendiert dem T8 Twin Engine neben dem Elektromotor mit 87 PS und 240 Newtonmeter einen Vierzylinder-Benziner, der 303 PS leistet und 400 Newtonmeter in den Antriebsstrang schiebt. Der Benziner sitzt vorne, der Stromer hinten, und zusammen sorgen sie bei Bedarf auch noch für Allradantrieb.

Fast 400 PS lügen nicht

Kickdown: Annähernd 400 PS wuchten den Zweitonner in 4,6 Sekunden auf 100 km/h; die Spitze liegt noch bei 250. Warum noch? Weil Volvo künftig keine Autos mehr auf den Markt bringen wird, die schneller als 180 laufen. Mit dem Verbrauch ist es so eine Sache. Volvo gibt 1,8 Liter auf 100 Kilometer an und damit 41 Gramm CO2 pro Kilometer. Das ist legitim und bringt natürlich fette Punkte, wenn es darum geht, den Flottenverbrauch auf die EU-Regeln hinzutrimmen. Realistisch freilich, ist es nicht. Schon beim behutsamen Umgang mit dem Fahrpedal und nahezu ständig unterstützt vom E-Werk, kamen wir im Test auf knapp sechs Liter. Wer längere Strecken fährt und dann rein auf den Verbrenner angewiesen ist, wird - je nach Fahrweise - im zweistelligen Bereich landen. Der Wagen ist schwer, und er hat viel Power.

E-Antrieb braucht Platz

Nicht nur im (auch beim Fahren spürbaren) Gewicht, auch beim Kofferraumvolumen macht sich der E-Antrieb bemerkbar. Mit 396 Litern Fassungsvermögen ist das Gepäckabteil eher klein. Die Batterien brauchen Platz.

Knapp 60 000 Euro nimmt der Volvo-Händler für den S 60 mit Hybrid- und Allradantrieb. Das ist nicht unbescheiden, konkurriert der Volvo doch mit Plugin-Hybrid-Autos wie dem BMW 330e oder dem Mercedes C 350e. Der S60 verfügt serienmäßig oder zum Teil gegen Aufpreis über jede Menge Sicherheitswächter. Schade aber, dass sich die Geschwindigkeit nicht an das jeweilige Tempolimit anpasst, sondern stets manuell geregelt werden muss und schade auch, dass die Sprachsteuerung recht begriffsstutzig ist. Da sind andere weiter.

Insgesamt aber überzeugt der sehr wertig verarbeitete Schwede (der in Amerika gebaut wird) mit feinen Manieren, einer nach kurzer Gewöhnung logischen Bedieneinheit im Tabletformat und dem guten Gefühl, der Umwelt nicht mehr Abgase zuzumuten als nötig. Und er nimmt dir die Angst vorm Liegenbleiben. Denn der Benziner ist ja immer da.

Video vom Testwagen

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