20.07.2020 - 17:32 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Discos in der Region: 2020 keine Party mehr?

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Die Tanzfläche bleibt leer. Die Sorge ist groß, dass die Corona-Schließung einigen Clubs endgültig das Licht ausblasen könnte. Raimund Müller, Chef des Musikparks in Wackersdorf, schildert die Lage und erzählt, was ihm besonders fehlt.

Seit mehreren Monaten gibt es im Wackersdorfer Musikpark und anderen Discotheken schon keine Party mehr. Wegen der Coronakrise dürfte das auch auf absehbare Zeit so bleiben.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Seit Beginn der Coronapandemie sind die Clubs in der Region geschlossen. Einen Plan zurechtlegen konnten sich die Betreiber nicht. Dafür war keine Zeit. Die Schließung kam von heute auf morgen. Wie so oft im Leben spürt man erst, was man hatte, wenn es einmal nicht mehr da ist. Clubs sind Orte der Begegnung, Räume der Gelassenheit und Geburtsstätten unvergesslicher Erinnerungen.

Ein Club, der für viele im Kreis Schwandorf zur Institution geworden ist, ist der Musikpark in Wackersdorf. Raimund Müller ist dort der Geschäftsführer. Ihm geht es nicht anders wie momentan jedem in der Branche. Die Einnahmen bleiben aus, der Quadratmeterpreis Für Clubs dagegen ist hoch. Er persönlich zweifelt daran, dass es 2020 überhaupt noch einmal etwas mit dem Wiederaufsperren wird. "Das Oktoberfest ist gecancelt. Bis dahin geht sowieso nichts. Dann müssen wir die Welle im September und Oktober abwarten", sagt er. Es sei nicht absehbar, was danach kommt. Angesichts der Coronapandemie sagt Müller aber, dass es sinnvoll gewesen sei, die Clubs zu schließen, um die rasante Ausbreitung des Virus zu verhindern. "Partymachen und Tanzen sind Angelegenheiten, bei denen der Abstand schwer eingehalten werden kann. Ich kann mir auch vorstellen, dass die Maske nach zwei Bier oder so fallen würde." Er ist überzeugt, dass es auf jeden Fall darum gehen müsse, neue Corona-Hotspots zu verhindern.

Das gute Gefühl fehlt

Allem voran ist es aber eine Sache, die dem Club-Betreiber zusetzt. "Wer Discos betreibt, der macht das nicht irgendwie. Das ist ihm in die Wiege gelegt. Da ist man mit ganzem Herzen dabei", sagt er. Genau das ist es, was ihm am meisten fehlt. Sonst sei es auch kaum verständlich, warum sich jemand wie er auch mit 53 noch nächtelang in den Laden stellt.

Mittlerweile sind in Bayern private Feiern für bis zu 200 Personen wieder erlaubt. Clubs müssen weiter geschlossen bleiben. Müller findet das schlicht "schizophren". "Auch bei uns könnte man leicht feststellen, wer da ist", sagt er und bezieht sich auf die Regelung, dass in der Gastronomie Listen mit den Daten der Besucher geführt werden, um bei einem Coronafall die Infektionskette nachvollziehen zu können.

Für Müller würde es sich nicht wirklich rechnen, für kleinere Veranstaltungen mit nur wenigen Gästen aufzusperren. Die Ausfälle der vergangenen Monate würde das erst recht nicht wettmachen. Trotzdem würde Müller das gerne tun. "Dann könnte man zumindest ein bisschen was machen. Dann hätte man die Möglichkeit, das gute Gefühl, das zum Beruf gehört, wieder herzustellen und man wäre wieder im Gespräch", erklärt er. Immer wieder kämen Menschen zu ihm, denen das Wackersdorfer Club-Leben fehle. "Die Leute sind heiß drauf. Sie fragen immer wieder, wann es wieder losgeht", sagt Müller. Damit die Fans nicht ganz auf den Musikpark verzichten müssen, gibt es unter anderem in Facebook regelmäßig Livestreams mit DJs wie Sgi Di Collini oder Oliver Swab.

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Weiden in der Oberpfalz

Clubsterben verhindern

Müller ist dankbar, dass ihm der Vermieter mit der Miete für den Club entgegengekommen ist. Auch die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) hat die Gebühren nach unten geschraubt. Für April und Mai besteht die Möglichkeit, dass der Staat die angefallenen Kosten auffängt. Allerdings sagt Müller, die Betreiber selbst müssten ja auch von etwas leben können. "Der Staat hat in den vergangenen Jahren gut an den Diskotheken verdient", erklärt er. Damit das große Clubsterben ausbleibe, müsse der Staat die Discos nun auch unterstützen, auch wenn er dankbar sei, dass die Soforthilfen auch an die Clubbetreiber ausgezahlt wurden.

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Weiden in der Oberpfalz
Info:

Regeln treffen Clubs besonders hart

Die Corona-Regeln werden in Bayern immer weiter gelockert. So dürfen mittlerweile doppelt so viele Menschen ins Theater, Konzert oder Kino wie bisher. Vereinstreffen oder private Feiern wie Geburtstagspartys oder Hochzeiten können wieder mit 200 Menschen über die Bühne gehen, wenn sie im Freien stattfinden. In Innenräumen dürfen wieder bis zu 100 Personen zusammenkommen. In Speiselokalen und Biergärten wurde die Corona-Sperrstunde aufgehoben. Gäste können also wie vor der Corona-Krise bewirtet werden. Nur in der Diskotheken-Branche ist keine Besserung in Sicht. Ähnlich wie bei Großveranstaltungen gilt auch für sie bislang die Regel, dass dort keine Menschen zum Feiern zusammenkommen dürfen. Denn das Ansteckungsrisiko gilt überall dort als besonders groß, wenn Menschen eng beieinander stehen, schwitzen und sich wegen der lauten Musik anschreien müssen. Daher sind für Clubs bislang keine Änderungen in Sicht.

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