18.06.2020 - 16:40 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Salute"-Club zieht ins "Unverschämt"

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Am Eingang grüßen die Leningrad Cowboys. Und Jimi Hendrix ist auch wieder da, gleich um die Ecke von The Who. Nein, in Weiden hat kein Hard-Rock-Café eröffnet. Der "Salute"-Club hat eine neue Bleibe gefunden.

von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Freunde von Livemusik und deftiger Kost erinnern sich ungern an die Hiobsbotschaft Mitte Februar. Von heute auf morgen drehte das Bauamt der Stadt den Schlüssel im "Salute"-Club in Rothenstadt um. Das Lokal, der frühere Wein-Krämer, bleibt wahrscheinlich für immer geschlossen. Die Probleme mit der Statik scheinen kaum lösbar. "Ich hätte ein teures Gutachten gebraucht und dann nochmal mindestens 100000 Euro für ein neues Dach", sagt Pächter Thomas Bauer. Viel zu viel für etwas, das ihm nicht gehört. Doch Bauer fand schnell Ersatz für einen Neustart: in der Liebigstraße am Hammerweg.

Mit Vermieter Günther "Ganther" Reindl wurde er sich bald einig, das "Salute" im früheren "Unverschämt" (UV) – vorher "Hippodrom", später "Ganthers" – wiederzubeleben. Wer im Stadtnorden genauer hinschaut, ahnt, dass die Neuauflage etliche Nummern größer wird. Bauer weiß gar nicht genau, wie viele Quadratmeter und Plätze ihm in dem Flachbau-Komplex zur Verfügung stehen. Fest steht: Es sind viele. Neben der ehemaligen Disco samt Nebenräumen sind dies auch Teile eines früheren Getränkemarkts und des einst dort beheimateten Fitness-Tempels "Aerofit".

Zunächst fällt auf, dass der Pächter einen Teil des großen Parkplatzes zur Freiluftschänke umfunktioniert. "Der Biergarten war ja das Highlight im alten Salute." Die öde Asphaltfläche soll mit Hilfe von Hütten in Strohoptik, einer Kinderspielecke und einer Stahlkonstruktion, an die sich Hängepflanzen klammern, gemütliche Schminke auflegen.

Was Bauer besonders freut: Im Gegensatz zu Rothenstadt hat er eine Küche zur Verfügung, die mehr erlaubt, als die bekannten Burger und Nudeln. "Da können wir jetzt ganz anders Gas geben." Und auch mal Steaks machen für "Firmenfeiern, Junggesellenabschiede, Brautentführungen". So steht es auf Plakaten, die vorerst noch nicht zu sehen sind.

Tatsache ist, dass im neuen "Salute" viele Gastrokonzepte auf einmal zu ihrem Recht kommen. In einer Halle neben einer Theke reiht sich ein knappes Dutzend Billardtische aneinander. Herzstück ist das Lokal, das bis vor drei Jahren "Doolins" hieß. Dunkle Holzvertäfelung und laternenartige Beleuchtung erinnern an die Vergangenheit als Irish Pub mit Hafenkneipen-Atmosphäre. Gitarren und Rockgrößen an den Wänden drücken dem Ganzen zusätzlich den "Salute"-Stempel auf. Der ist auch im Raum nebenan unübersehbar, wo auf einem von Emailschildern umgebenen Poster Gitarrenkabel aus Jimi Hendrix' Lockenpracht wuchern. Wie früher in Rothenstadt.

Bauer hat das Flair hinübergerettet. Gleiches hat er mit Veranstaltungen vor, die seit über einem Jahr ruhen. Regionale Bands, Comedy, Kabarett und auch mal eine Geigenspielerin finden im Saal eine Bühne. "Von zart bis hart, auch gerne mal bayerisch", sprüht der 40-Jährige vor Ideen: "Frühstück und Brunch, vielleicht am Sonntag auch mal eine Kinderdisco."

Nur wann der Salutschuss zum Start aus der Kanone des Logos donnert, ist zwischen den Umzugskisten offen, die sich unter den Discokugeln auf der einstigen UV-Tanzfläche stapeln. "Wenn es fertig ist. Vielleicht im August."

Hintergründe zu den Entwicklungen rund um den "Salute"-Club

Weiden in der Oberpfalz
"Salute"-Filialen:

Die Liebigstraße ist nicht die einzige Baustelle unter dem "Salute"-Logo. Das seit Ende September 2019 geschlossene Café gleichen Namens neben dem Alten Rathaus bringt Thomas Bauer derzeit ebenfalls auf Vordermann. Diese Woche kommt ein neuer Fußboden, danach werden die Wände neu gestaltet. Die sperrige Theke kommt raus, um mehr Platz bin dem kleinen Lokal zu schaffen. Wann es wieder aufsperrt, ist ungewiss. Geschmeidiger läuft Bauers neuer Abhol-und Lieferservice in Windischeschenbach, den er in der ehemaligen Norma in der Stützelstraße eingerichtet hat. Das Gelände gehört Veranstaltungsmanager Tobias Grünes, bekannt durch das Autokino in Neuhaus. "Vielleicht machen wir das dauerhaft", sagt Bauer nach den Erfahrungen der ersten Wochen. (phs)

Das "Salute" als Konzertbühne

Kommentar:

Salutschuss und Abschiedsgruß

Thomas Bauer ist ein Phänomen. Vor über einem Jahr brachen ihm im alten „Salute“ in Rothenstadt die Veranstaltungen weg, im Februar musste er dann ganz zusperren. Gleichzeitig gab es Probleme mit dem Gaststättenbetrieb in der Fußgängerzone, der seit Herbst ruht, während die Miete weiterläuft.
Normalerweise biegt in solchen Fällen das Wort Insolvenz um die Ecke, ohne dass Corona eine Rolle spielt. Doch Bauer lässt nicht locker und hat nie gejammert. Der Lieferservice in Windischeschenbach, das sich zu einem Veranstaltungsmekka mausert, trifft offenbar ins Schwarze. Mit dem ehemaligen „Unverschämt“ rollt Bauer zudem einen roten Teppich des Weidener Nachtlebens neu aus. Wenn dort in der geplanten Form ein Gastro-, Freizeit- und Kulturtreff entsteht, kann das Weiden nur gut tun. Speziell was Live-Bühnen betrifft, ist das Oberzentrum der Nordoberpfalz nicht gerade üppig bestückt.
Freilich: Die Atmosphäre des Rothenstädter Biergartens ist kaum zu kopieren. Was dort passiert, ist ohnehin spannend. Der charakteristische Ziegelbau im äußersten Stadtsüden ist statisch so marode, dass ein Abriss samt neuer Nutzung billiger scheint. Das können Eigentums-, Mietwohnungen oder ein Betreutes Wohnen sein. Oder erst einmal gar nichts. Doch egal was kommt: Die Stadt hat einen ihrer gemütlichsten Biergärten wohl ein für allemal verloren.

Friedrich Peterhans

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