03.08.2018 - 15:58 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Das prägendste Erlebnis

„Bei der praktischen Umsetzung wollte auf einmal jeder seine Wackersdorf-Geschichte erzählen“, schildert Regisseur Oliver Haffner den Oberpfalz-Medien seine Erfahrungen beim Dreh und bei der Arbeit mit den Komparsen.

Anna Maria Sturm am Set für den Wackersdorf-Film.
von Irma Held Kontakt Profil

Wackersdorf. (eld) In der Tat hat jeder, der bis zu den Anfang der 80er Jahre Geborenen seine ganz persönlichen Wackersdorf-Erinnerungen. Sei es, weil er regelmäßig demonstriert hat, sei es weil er durch die vielen Kontrollen in seinem Alltagsleben „genervt“, als Befürworter angefeindet wurde, als Polizist den Staat verteidigen musste oder als Kind gespürt hat, hier passiert etwas Besonderes. Nicht anders geht der am 23. November 1982 geborenen Schauspielerin Anna Maria Sturm, im Film die Anti-WAA-Aktivistin Monika Gegenfurtner.

ONETZ: Sie sind in Schwandorf aufgewachsen, Ihre Mutter Irene Maria Sturm war von Beginn an am Protest gegen die WAA beteiligt und gründete mit anderen die „Bürgerinitiative Schwandorf“. Nun spielen Sie im Film eine ähnliche Aktivistin. Wie war das für Sie?

Anna Maria Sturm: Das war sehr bewegend. Am Set kamen mir wegen der extrem authentischen Ausstattung viele Bilder in Erinnerung, die ich vergessen hatte.

ONETZ: Sie waren damals ein Kind im Vorschulalter. Woran erinnern Sie sich?

Anna Maria Sturm: Zum Beispiel an Bilder von den Infoständen, an denen ich mit meiner Mutter viel Zeit verbrachte. Ich kann mich auch an viel Schnee erinnern. Wir haben oft im Winter demonstriert – und ich weiß noch, dass es extrem kalt war. Ich habe oft gesagt: „Müssen wir heute schon wieder zur WAA?“ Es war nicht angenehm für die Leute, die demonstriert haben, das war ein echter Kampf, da wurde niemand geschont. Ich weiß auch noch, dass meine Mutter sehr oft weg war und auch gedanklich viel mit diesem Projekt beschäftigt war. Die Zeit, die wir deshalb nicht miteinander hatten, ist verloren. Aber wenn man das große Ganze sieht, versteht man das aus heutiger Sicht. Ich würdige extrem, dass sie sich so aufgeopfert hat für diese Sache.

ONETZ: Erinnern Sie sich an den Moment, als verkündet wurde, dass die WAA nicht gebaut wird?

: Daran kann ich mich gut erinnern. Ich war damals in der ersten Klasse. Meine Mutter und ein enger Kreis von Demonstranten saßen bei uns in der Küche. Da wurde im Radio gesagt, dass die WAA niht gebaut wird – und ich weiß noch, was da los war. Alle haben sich so krass gefreut.

ONETZ: Wie wichtig war der Kampf gegen die WAA rückblickend für Ihre Familie?

: Das war das prägendste Erlebnis im Leben meiner Mutter. Danach ist sie für die Grünen angetreten und in den Landtag eingezogen. Das hat alles in ihrem Leben verändert. Auch für die ganze Region war das bedeutsam – die WAA war bei allen ein Thema, die Frage war: Bist du dafür oder dagegen? Es gab zwei Lager. Ich habe vor dem Film mit vielen Leuten aus der Region über ihre Erlebnisse gesprochen und oft musste ich richtig schlucken. Damals sind Familien auseinandergebrochen. Freundschaften zerbrochen. Das ging sehr tief, hat die ganze Region aufgewühlt.

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