27.08.2018 - 09:58 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Stracciatella und Beethoven

Das Jahr beginnt für Salvatore Muraca nicht gut. Im März ist das Wetter schlecht, Eis verkauft er kaum. Dann folgt ein Traumsommer. Perfekt für den 42-Jährigen, der drei Eismobile besitzt - jedes ausgestattet mit bis zu 3000 Kugeln Eis.

Mit insgesamt drei Eismobilen – einem organgen, einem weißen und einem gelben – ist Salvatore in der Region unterwegs. Bei den hohen Temperaturen, die es in den vergangenen Monaten gab, sind seine Eiskugeln sehr beliebt. Wie bei dieser Familie. Mama und Kinder bekommen jeweils eine Kugel: Mango, Schoko, Banane und Zitrone.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

(doz) Salvatore ist stolz. Über seine Selbstständigkeit, in die er vor ein paar Jahren gegangen ist, sagt er: "Es ist wunderschön." Außerdem zeigt er geduldig jede Ecke in seinem Eismobil. Im hinteren Teil des Fahrzeugs die Batterien und Kühlaggregate. Vorne die Eistruhe, in der 15 Sorten Platz finden. Oder den Waffelhalter, der in der "fahrenden Eisdiele", wie er sein Mobil liebevoll nennt, natürlich fest montiert ist. Umgerechnet finden laut dem 42-Jährigen 2500 bis 3000 Kugeln in einem Fahrzeug Platz. Darunter natürlich Vanille, Schoko, Amarena, Joghurt und Stracciatella. Salvatore sagt: "Die Klassiker gehen immer am Besten." Sehr beliebt seien in diesem Sommer aber auch die Sorten Melone und Eierlikör.

Die Eismobile sind seit 2014 in der Region unterwegs - vor allem in Schwandorf und Steinberg am See. Salvatores Erkennungsmerkmal ist ein Auszug aus Ludwig van Beethovens "Für Elise". Immer wenn er oder seine Mitarbeiter einen Ort anfahren, sind die eingängigsten 30 Sekunden des Stückes aus einem Lautsprecher zu hören, der versteckt unter der Karosserie angebracht ist. Der 42-Jährige hat sich auch wegen dieser Aktion mittlerweile einen Namen gemacht.

Lautsprecher installiert

Die Beethoven-Idee kam Salvatore vor einigen Jahren. Mittlerweile hat er schon über zwei Jahrzehnte Erfahrung im Eisverkauf, war als junger Mann schon mit einem Fahrzeug unterwegs. Anfangs mit einer handelsüblichen Glocke, später mit einer elektrischen, über die er sagt: "Die ist jeden Monat kaputt gegangen." Vor drei Jahren hatte er genug und installierte den Lautsprecher.

Eis ist seit Jahrzehnten das Metier von Salvatore, der in Kalabrien aufgewachsen ist. Nach der Schule hatte er sich entschieden, nach Deutschland zu gehen und in einer Eisdiele in Jülich (Nordrhein-Westfalen) zu arbeiten. 1997 hat er damit angefangen, um genau zu sein. Damals sprach er kaum Deutsch. Die Sprache lernte er vor allem von den Kindern: "Das ist die beste Schule. Ich habe immer gefragt: Wie heißt das? Und wie heißt das?" Die Mädchen und Buben antworteten geduldig. 2003 begann er bei seinem Onkel zu arbeiten, der ihm auch betriebswirtschaftliche Tipps gab. In die Oberpfalz verschlug es den Italiener, weil ihm ein Freund jahrelang erzählte, dass es in Burglengenfeld kein Eismobil gibt. Also kam er 2014 in die Stadt. Etwa drei Jahre später zog er nach Wackersdorf, wo er seitdem neben den "fahrenden Eisdielen" noch ein Eiscafé betreibt.

Start um 4.30 Uhr

Die Selbstständigkeit ist aber nicht ohne. In den Sommermonaten steht Salvatore früh auf. Um 4.30 Uhr macht er Eis. Gegen 12 Uhr geht es für ihn und seine beiden Mitarbeiter mit den Eismobilen ab auf die Straße. Feierabend macht er gegen 19 Uhr. Diesen August steht er einen Probemonat lang vor dem Eingang des Globus-Einkaufsmarktes. Nächstes Jahr will er eventuell einen festen Platz pachten.

Jetzt lässt er aber erst einmal die Saison ausklingen. Seine drei Fahrzeuge meldet er jedes Jahr von 1. März bis 30. September an. Dann kommen sie in die Garage. Der Vorteil dieser Saisonarbeit: An den Fahrzeugen ist kein Rost zu finden, wie ein TÜV-Mitarbeiter erstaunt feststellte. Die Eismobile sind eben nur bei schönem Wetter unterwegs. In der kühlen Jahreszeit bleibt Salvatore in Deutschland. Früher ist er in seine Heimat nach Kalabrien gereist. Seit er mit seiner Frau, die aus Rumänien stammt, einen kleinen Sohn hat, bleibt er in Deutschland. Nach Italien sind nur noch Kurzbesuche sind drin, erklärt er.

Eisverkäufer Salvatore Muraca spricht über seine Selbstständigkeit und einen traumhaften Sommer.

Im August stand Salvatore mit seinem Eismobil vor dem Globus-Einkaufsmarkt.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.