31.01.2020 - 09:15 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Vier Seen zum Aufgießen

Erst einmal intensiv riechen, dann einen Schluck nehmen. Die Flüssigkeit im Mund behalten, um den Geschmacksnerven, die Chance zu geben, alle Nuancen herauszufiltern. Die Entscheidung fällt erst ganz zum Schluss. Stunden später.

Bürgermeister Thomas Falter ist ein Liebhaber des Schwarzen Tees. Beim Casting im Mehrgenerationenhaus hat er seinen Lieblingstee schnell ausgemacht, aber über Geschmack lässt sich auch trefflich reden.
von Irma Held Kontakt Profil

Es klingt nach Weinverkostung oder Whiskey-Tasting, ist es aber nicht. Es ist zwar ein Tasting, aber im Grunde ein Casting. Es geht auch nicht um Hochpreisiges oder gar Hochprozentiges, es geht um einen Aufguss. Zu Omas Zeiten gibt es ihn bevorzugt in den Sorten Kamille, Lindenblüte oder Pfefferminz und er wird vor allem bei Krankheiten gereicht. Die Rede ist von Tee, seit geraumer Zeit ein In-Getränk, das in exotischen Mischungen, mit aufmerksamkeitheischenden Aufmachungen, aber auch Fantasienamen, die manchmal zwischen 1001-Nacht und erotischen Etablissements angesiedelt sind, um Genießer buhlt.

Etwa 70 Probanden

Mit einem Tee-Tasting katapultiert sich nun der Tourismus- und Kulturverein Wackersdorf-Steinberg am See in die erste Reihe der Trendigen. Stellvertretender Landrat Joachim Hanisch spricht von einem Alleinstellungsmerkmal. Etwa 70 Leute jeden Alters zählen zu den Trendsettern und lassen sich die Teeprobe nicht entgehen.

Der persönliche Geschmack darf dabei ein gewaltiges Wort mitreden, denn es gilt aus sechs Biomischungen mit überwiegend heimischen Kräutern den Vier-Seen-Tee herauszufiltern - als nichtalkoholische Ergänzung zum Seewasserl. Und weil die Juroren sich unvoreingenommen und von äußeren Reizen unbeeinflusst ihr Geschmacksurteil bilden sollen, wird jedes der sechs Tee-Models gleich behandelt: aus den gleichen Kannen in die stets weißen Tassen gefüllt. Nur ein Teelöfferl Honig darf Einfluss auf die Entscheidung nehmen.

Moderator Michael Weiß, Harald Bemmerl (Bürgermeister Steinberg am See), stellvertretender Landrat Joachim Hanisch, Autorin Antonia Vitz, Anton Zizler (Vorsitzender Tourismusverein) und Bürgermeister Thomas Falter (von links) freuten sich über die gelungene Veranstaltung. „Durch die vielen Teilnehmer ist es ein Produkt, das die Region und seine Menschen wirklich repräsentiert“, so Anton Zizler.

Nummer 6 auf 1

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Wackersdorf

Schnell bilden sich Grüppchen. Es wird geredet, gefachsimpelt über Nummer 1, 2 aber auch 5 und 6. Bürgermeister Thomas Falter, ein Fan des Schwarzen Tees, hat schnell erschmeckt: Tee Nummer 6 enthält Pfefferminze. Sein Favorit deshalb Tee Nummer 2., eine Mischung unter anderem aus Drachenkopf, Rosenblüten, Schlüssel- und Kornblume. Dieser schafft in der Endwertung Platz 3, wobei unterm Strich das Votum sehr knapp, aber eindeutig ausfällt, lassen die Tasting-Moderatoren Vereinsvorsitzender Anton Zizler und Ortstouristiker Michael Weiß die gespannte Runde im Mehrgenerationenhaus wissen.

Der Siegertee ist die Nummer 6, bestehend aus, wie richtig erkannt, Pfefferminze, Johanniskraut, Himnerrblättern und weiteren Kräutern. Dazwischen schiebt sich auf Platz 2 Nummer 5, unter anderem mit Orangenblüten, und Hagebuttenschalen. Ermittelt wird der Vier-Seen-Tee, um die Jury und den Geschmacksinn nicht zu überfordern, in zwei Verkostungsdurchgängen. Eberhard Geyer liefert dazu am Piano die passende Musik. Um die einzelnen Proben sacken zu lassen, liest Antonia Vitz aus ihrem Buch "Nerventee", ein besonderes Heißgetränk von Tante Hilde, auf das nicht nur die Oma, sondern der gesamte Frauenbund des Ortes scharf ist. In den Dialogen gibt Michael Weiß zum Vergnügen der Tee-Taster auch die Oma. Doch nicht nur die beiden Vorleser werden bejubelt, sondern auch der Siegertee. Der Vier-Seen-Tee wird in Kürze online und im ausgewählten Einzelhandel in der Region zu kaufen sein, verspricht der Organisator des Tee-Tastings Anton Zizler. Von der Firma Wurdies mit dem entsprechenden Logo versehen, füllt die beim Casting als Haustee bezeichnete Mischung als Vier-Seen-Tee die Tassen.

Am Gelbton lassen sich die sechs Mischungen aus getrockneten Zutaten nicht auseinanderhalten. Der Tee von frischen Kräutern ist heller.
Zwei Stationen mit jeweils drei Teesorten sind für die Jury aufgebaut.
Wurdies verpasst diesem Haustee ein neues „Kleid“. Er heißt künftig Vier-Seen-Tee.
Tee-Tipps :

Frische Kräuter aus dem Hausgarten

Antonie Wankerl mischt selbst viele Kräutertees für sich, für ihre Familie, für Freunde. Ihren Wohlfühltee nennt sie das "beste Sommergetränk", obwohl sie ihn im Prinzip das ganze Jahr über trinkt. Ein festes Rezept hat sie dafür nicht, denn sie nimmt, "was ich den Sommer über an Kräutern im Garten hab". Zitronenmelisse zählt dazu Holunder, Thymian, Salbei. "Der sicherste Sammelplatz ist der eigene Garten." In einen Hustentee gehören laut Wankerl Spitzwegerich, Holunderblüte und Thymian. Der Nerventee enthält viel Johanniskraut. "Dieser soll aber nur drei Wochen getrunken werden", rät die Wackersdorferin von Nerventee als Dauergetränk ab. Wer es magenfreundlich mag, ist mit Zitronenmelisse und Schafgarbe gut beraten.

"Pfefferminze ist ganz gesund", sagt Antonie Wankerl aber: "Der Tee sollte nicht dauernd getrunken werden und in Mischungen die Pfefferminze sparsam verwenden, denn sie überdeckt schnell den Geschmack anderer Kräuter." Brennnesseln schätzt die Kräuterkennerin sehr. Der Tee dient zur Blutreinigung. Zu lange ziehen sollte er nicht. Brennnesseltee schmeckt schnell bitter. "Die gesündesten Kräuter wachsen im Gebirge". Antonie Wankerl zufolge haben sie auch den besten Geschmack und die beste Wirkung.

Bei Kräuterwanderungen gibt sie den Teilnehmern einen wichtigen Rat mit auf den Weg. "Nichts nehmen, was Sie nicht bestimmen können." Das heißt nur bekannte Kräuter sammeln. Bei frischen Blüten und Blättern ist das Getränk heller als bei getrockneten. Auch wenn die Kräuter nicht aus dem Gebirge kommen, für Antonie Wankerl ist alles besser als ein Teebeutel. Und Kräuter wachsen ihrer Erfahrung nach in jedem Garten, wenn sie dürfen. Das bedeutet kein Steingarten, kein Pflanzenschutzmittel und nicht zu viel Pflege. "Bei Mährobotern blüht nicht einmal mehr ein Gänseblümchen."

Für Antonie Wankerl liegt das Teeparadies ganz nah, in ihrem Garten.
Tee-Tasting im Mehrgenerationenhaus
Tee-Tasting im Mehrgenerationenhaus

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