05.05.2021 - 13:38 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Wackersdorf: Besserer Schutz bei extremen Regenfällen

Hochwasserschutz in Wackersdorf? Die Gemeinde liegt an keinem großen Fließgewässer. Trotzdem soll eine 1,8-Millionen-Investition im Westfeld vor "Land unter" schützen.

In offenen Gräben und in Rohren soll künftig Oberflächenwasser in drei Becken im Westfeld fließen. Mit einem Spatenstich gaben Vertreter der Politik und der beteiligten Unternehmen den Startschuss für den Bau im Westfeld.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Den Betroffenen ist der 26. Juni 2009 in Erinnerung geblieben: Einen halben Meter hoch stand das Wasser im Bauhof, in umliegenden Firmengebäuden auf dem ehemaligen BBI-Gelände nahe der B 85. Ein heftiges Unwetter hatte den topografisch tiefstgelegenen Teil Wackersdorfs entlang der Industriestraße binnen Minuten unter Wasser gesetzt. Seitdem ist die Gemeinde dabei, mit Rückhaltebecken für Schutz sorgen, auch für die neuen Baugebiete an der B 85 bei Alberndorf. Am Dienstag setzten Verantwortliche den Spatenstich für drei weitere Weiher, die zwischen Westfeld und Industriestraße entstehen.

"Wir sind schon gut abgesichert", sagte Bürgermeister Thomas Falter, "die vergangenen Jahre haben aber gezeigt, dass man sich besser noch mehr absichert." Stück für Stück entsteht eine Kaskade von Rückhaltebecken, die das Wasser – auch von der B 85 – kontrolliert über Rohre und offene Gräben Richtung Hirtlohweiher abgeben.

"Gewinn für alle"

Hier kommt das Westfeld ins Spiel. Der ehemalige Tagebau wird von Uniper rekultiviert. Gemeinsam erreichten Gemeinde und Unternehmen eine Lösung, die Falter einen "Gewinn für alle" nannte, und der bestens in die Uniper-Pläne passt, wie Projektleiter Andreas Stake erläuterte.

Westfeld-Rekultivierung: Zweiter Bauabschnitt abgeschlossen

Wackersdorf

Denn die neuen Weiher reihen sich wie eine Perlenkette entlang eines ehemaligen, bislang ungenutzten Grubenwassergrabens. Er kann nun ebenfalls ökologisch wertvoll ausgebaut werden. Die Hochwasserhaltung sei ein Teil der Rekultivierung, sagte Stake. Auch das Staatliche Bauamt profitiert: Die Ableitung des Oberflächenwassers sei bislang nicht optimal, sagte der Abteilungsleiter für den Landkreis Schwandorf, Björn Letz. Die Mängel werden nun beseitigt.

Angesichts der rund 80 Millionen Euro, die Uniper in die Rekultivierung des ehemaligen Tagebaus investiert, nähmen sich die die rund 1,8 Millionen Euro für die Becken relativ gering aus, sagte Falter. Angesichts häufiger, extremer Wetterereignisse seien die zusätzlichen, rund 23000 Kubikmeter Rückhalteraum für die Gemeinde aber wichtig. Auch das Oberflächenwasser der neuen Baugebiete an der Bundesstraße 85 bei Alberndorf wird durch diese Becken laufen. Bis zu 1,80 Meter im Durchmesser haben die Rohre, die die Becken und offenen Gräben verbinden.

Große Erdbewegungen

Die Arbeiten hat die Firma Kassecker (Waldsassen) übernommen, die auch für die Rekultivierung des Westfelds verantwortlich zeichnet. Im dritten Bauabschnitt wird hier am ehemaligen Damm und des Kohlebunker das Gelände neu modelliert. Rund 6500 Kubikmeter Erdreich pro Tag werden hier bewegt, erläuterte Bauleiter Paul Zant. Bagger und Schubraupen sind permanent im Einsatz. Das Westfeld liegt im Oberpfälzer Seenland, das für Landrat Thomas Ebeling nicht nur touristischer Hotspot ist. Bodenschutz und Altlastensanierung seien hier ebenfalls bedeutende Themen. Dass hier mit dem Regenrückhalt Synergien genutzt werden können, nannte er erfreulich.

Bis Ende 2022 soll die Rekultivierung des Westfelds abgeschlossen sein. Dann wird das riesige Gelände zurück an Wackersdorf und Steinberg am See fallen. Wie die Fläche dann genutzt wird, ist noch offen. Stake brachte regenerative Energien ins Spiel. Gleich nebenan liegt der touristisch genutzte Steinberger See. Die ökologisch aufgewerteten Flächen mit ihren Wegen würden sich als Refugium für die Natur anbieten – und auch für Spaziergänger und Radfahrer.

Pilotprojekt am Westfeld

Wackersdorf
Hintergrund:

Westfeld

  • Das Westfeld ist ein ehemaliger Tagebau südlich Wackersdorf. Die Grube wurde mit Abraum aus dem Kohleabbau, Kraftwerksasche und Schutt verfüllt.
  • Das Areal ist 80 Hektar groß und wird seit 2009 von Uniper als Rechtsnachfolger der BBI rekultiviert.
  • Bis Ende 2022 sollen die 80 Millionen Euro teuren Maßnahmen abgeschlossen sein.
  • Die Gemeinde Wackersdorf baut jetzt zum Hochwasserschutz drei Rückhaltebecken am Rande des Westfelds.
Andreas Stake (Uniper), Bürgermeister Thomas Falter und Landrat Thomas Ebeling (von links) besichtigten den Bau im Westfeld. Dort laufen auch umfangreiche Rekultivierungsmaßnahmen.
Raupen modellieren das Gelände im Bauabschnitt 3 des Westfelds. An dessen Rand entstehen die neuen Rückhaltebecken. Links im Bild verläuft die Industriestraße in Richtung Oder.

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