03.05.2021 - 15:30 Uhr
WaidhausOberpfalz

Nach 200 Jahren: Rückkehr eines Kunstwerks

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Bilder sind gewöhnlich zum Betrachten gemacht und gedacht. Ein in vielen Facetten bemerkenswertes Gemälde bringt ab sofort auch ein Hörerlebnis mit sich.

Pfarrer Georg Hartl (rechts) lässt sich die Rückkehr und Montage des aufwendig restaurierten Mariengemäldes (links) durch die Mitarbeiter der Fachwerkstatt Rappenegger auf seinen alten Platz in der Emmeramskirche nicht entgehen.
von Josef ForsterProfil

Ziemlich genau 200 Jahre nach der Erstaufstellung kehrte in dieser Woche ein Schmuckstück in die Emmeramskirche zurück. Pfarrer Georg Hartl entdeckte die arg ramponierte Leinwand einst bei einer Dachboden-Entrümpelung. Danach bildete das wieder aufgefundene Zeitzeugnis einen festen Bestandteil der bis zu Corona stark frequentierten Kirchturm- und Glockenbesichtigungen mit dem Ortsseelsorger.

Noch im vergangenen Jahr ermöglichte ein Spender (der nicht namentlich genannt sein will) eine Zukunft für das einstige Seitenaltarbild. Mit ein paar Hundertern war es dabei freilich nicht getan. In den vergangenen Monaten bekam das Gemälde in Regensburg seinen einstigen Glanz zurück. Die betraute Restauratorenfirma brachte überdies so manch bislang verborgenes Detail ans Licht. Doch der Reihe nach, zumal noch ein zweites Altarblatt dazukommt.

Die als „thronende Muttergottes mit Kind“ und „heiliger Antonius mit Jesuskind“ betitelten Gemälde waren wohl schon sehr lange unter denkbar schlechten Bedingungen über Jahrzehnte auf dem Dachboden der Waidhauser Pfarrkirche gelagert. Bis beide während der Neugestaltung des Innenraums geborgen und zu den Restaurierungs-Werkstätten Rappenegger nach Regensburg transportiert wurden. Freilich ohne die einst dazu gehörigen Schmuckrahmen sowie die eigentlichen Seitenaltäre, welche längst nicht mehr vorhanden sind.

Die Experten widmeten sich den Kunstwerken seit der Auftragsvergabe intensiv. Beim Muttergottes-Bild sorgte die Freilegung einer Signatur für die größte Freude bei den Restauratoren. Als Künstler konnte somit endlich ein I. Rossmann zusammen mit der Jahreszahl 1820 ermittelt werden. Damit war klar, dass dieses Gemälde drei Kirchenbrände überdauert hatte, insbesondere jenes zerstörerische Feuer von 1868. Eigentümer beider Kunstwerke ist und bleibt die Pfarrei Waidhaus.

Marienbild erhält volle Aufmerksamkeit

Da bis auf Weiteres für das Antonius-Bild keine Verwendung vorgesehen war, wurde hier auf Wunsch des Pfarrers von einer Restaurierung abgesehen und sich nur dem Marienbild – umso umfassender – gewidmet. Kein leichtes Unterfangen, denn durch Staub, Ruß und Vogelkot lag eine starke Verschmutzung vor. Am Spannrahmen fehlte ein größeres Stück und der war so nicht mehr funktionsfähig. Vielfach aufgerissen präsentierten sich seit Jahrzehnten die Ränder der Leinwand. Durch Einwirkung von Feuchtigkeit war diese zudem im unteren Bereich völlig zerstört.

Waidhaus

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, denn der Restaurator konnte festhalten: „Insgesamt ist die Malerei jedoch in einem relativ guten Zustand.“ So konnte die Malschicht vor allem im unteren Bereich gesichert und die Leinwand stabilisiert werden. Nach dem Aufspannen auf das gereinigte Antoniusbild verkitteten die Fachleute die Schadstellen und kümmerten sich während der rund zwei Monate dauernden Restaurierung um das Retuschieren und den Firnisauftrag mit Dammar. Firmenchef Rudolf Rappenegger konnte dabei auf die Fertigkeiten seiner Angestellten Laura Hilz vertrauen.

Nach erfolgreicher Überarbeitung des rund 2 Meter hohen und 1,20 Meter breiten Bildes entschied sich die Werkstatt für einen passenden neuen Rahmen. Der Kompromiss zwischen den fehlenden Ecken oben und der Rahmenlösung erzeugte bei der Lieferung ein weiteres Aha-Erlebnis in Waidhaus.

Für das zweite Bild konnte schließlich auch noch eine „gute Lösung“ gefunden werden; trotz der ebenfalls sehr starken Verschmutzung. Über die Reinigung hinaus wurde vereinbart, das Gemälde mit dem restaurierten Bild in einem zu überspannen. Die Werkstatt resümierte: „Auf diese Weise erhält auch dieses Kunstwerk durch seinen Platz hinter dem Marienbild ausreichenden Schutz und bleibt für die Zukunft aufbewahrt.“ Kirchenpfleger Siegfried Zeug ergänzte: „und bleibt so für eventuelle künftige Maßnahmen erhalten.“

Dreiklang wieder vollendet

Nach der Lieferung befestigten die Mitarbeiter der Fachfirma das Muttergottesbild in der Nähe seines ursprünglichen Platzes, über dem Nebeneingang auf der „Frauenseite“. Der Standort musste überlegt gewählt werden, denn die vollkommen neue Gestaltung des Innenraums forderte einen sensiblen Umgang. Der moderne Raumeindruck wird dadurch in keinerlei Weise beeinträchtigt und kommt somit auch dem künstlerischen Urheberrecht des renommierten Kirchenmalers Tobias Kammerer aus Rottweil nicht in die Quere. Dennoch stellt die Rückkehr wieder den einstigen „Dreiklang“ vor 200 Jahren her, weil das zeitgleich datierte Kirchenfenster mit dem Kirchenpatron Sankt Emmeram auf der gegenüberliegenden Seite die Zeiten überdauerte.

Offen ist aber noch immer die Sache mit dem Einfluss des zurückgekehrten Gemäldes auf das Gehör Jener, welche in die Emmeramskirche kommen. Das Ganze ist aber einfacher, als gedacht. Durch die neue Beschaffenheit übt das Gemälde einen deutlichen Einfluss auf die Akustik in seinem Umfeld aus. Es dämpft den Hall der Lautsprecher und reduziert die allgemeine Geräuschkulisse während gottesdienstlicher Feiern. Die Verständlichkeit in der unmittelbaren Umgebung ist also eine wesentlich Bessere geworden.

Die Waidhauser Emmeramskirche ist übrigens jeden Tag bereits ab 6.30 Uhr bis zum Eintritt der Dunkelheit zu einem stillen Gebet geöffnet. Dabei kann selbstverständlich auch das zurückgekehrte Bild mit all seinen Details gerne genauer betrachtet werden.

In einem ähnlich schlechten Zustand wie das Antoniusbild befand sich auch das Marienbild. Ersteres dient nun als neue Rückwand für das zurückgekehrte Bild und ist damit der Nachwelt erhalten.

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