13.07.2020 - 20:40 Uhr
WaidhausOberpfalz

Gemeinde legt eigens Solardächerprogramm auf

Waidhaus fördert rückwirkend ab Jahresbeginn Sonnenstrom von Dächern aus der Gemeindekasse. Im einstimmigen Beschluss wird zugleich die Abkehr von einem weiteren Landverbrauch durch Photovoltaikanlagen gesehen.

Seit vielen Jahren profitieren Ortsfeuerwehr, Schützenverein und Dorfgemeinschaft von der Sonnenstromanlage auf dem Schützenhaus im Ortsteil Reichenau. Die Marktgemeinde bezuschusst nun weitere Anlagen auf privaten Dächern mit einem eigenen Programm.
von Josef ForsterProfil

Schon länger liebäugelte der Marktrat mit einer Förderung von Solaranlagen auf Haus- und Gebäudedächern. Daran erinnerte Bürgermeister Markus Bauriedl vor der endgültigen Entscheidung. Die CSU-Fraktion reichte bereits im September des Vorjahres einen entsprechenden Antrag ein. Daraufhin beschloss das Gremium am 14. Oktober 2019 zunächst die generelle Übernahme von Gebäudechecks im Wert von jeweils 30 Euro.

Nach den Ausgangseinschränkungen konnte das damit betraute Unternehmen nun wieder mit diesen Erhebungen fortfahren. Auch im Gemeindehaushalt fand die neu beabsichtigte Förderung Niederschlag. Für das aktuelle Jahr stehen noch 5000, für das nächste Jahr 10 000 Euro parat, fasste Bauriedl zusammen. Die Summen könnten auch nachgebessert werden. Im Antrag gründe die jeweilige Förderung bis höchstens 500 Euro rückwirkend ab 1. Januar, je nach Größe. Ergänzend schlage die Verwaltung mit dem Beschluss eine Auszahlung an Rechnungsvorleger vor.

"Wirklichen Anreiz schaffen"

Probleme befürchtete Manfred Schneider (SPD) bei Maßnahmen mit staatlicher Anschubfinanzierung, weil es hier keine öffentliche Förderung geben dürfe. Zugleich sah er ein grundsätzliches Potenzial für weitere Interessenten, weshalb er für eine Erhöhung auf maximal 2000 Euro pochte, "um einen wirklichen Anreiz zu schaffen. 500 Euro sind hier nicht der notwendige Ansatz." Zweiter Bürgermeister Josef Schmucker war von einer Änderung der Fördersummen überrascht, hielt aber höhere Beträge für denkbar. "Wir sollten nicht nur die ersten 20 Investoren fördern, sondern alle, denn wir wollen ja weg von künftigen Freiflächenanlagen." Er empfahl den Besitzern von Gebäuden im Sanierungsbereich als Lösung eine städtebauliche Beratung vorab, da auch er die gemeindliche Unterstützung als förderschädlich bei einer späteren Inanspruchnahme von Förderprogrammen sah.

Solaranlagen auf Dächern statt Solarparks

Waidhaus

"Wir haben schon Fälle, da ist nichts mehr machbar", bestätigte Geschäftsleiterin Kerstin Wilka-Dierl, was auch Andreas Ringholz als Ortsheimatpfleger bekräftigte. Dieser monierte ergänzend die beabsichtigte Begrenzung auf Ein- und Zweifamilienhäuser, weshalb er eine Erweiterung auf gewerbliche (Neben-)Gebäude vorschlug. "Warum nicht? Wir sollten es nicht begrenzen", erhielt er von Bauriedl Unterstützung. Maria Reichenberger-Hösl bat jedoch darum, das eigentliche Ziel nicht aus den Augen zu verlieren: "Wir wollten mit diesem Antrag den Selbstverbrauch als Hintergrund fördern." Fraktionskollege Josef Kleber ergänzte: "Gegen eine höhere Förderung werden wir uns nicht sträuben, da es immer eine Ersparnis ist. Jede Anlage zahlt sich ab. Man braucht aber einen 'Kick', damit man sich dazu überwindet." Während viele Firmen auf ihre Dächer sowieso Solaranlagen bauten, wolle die CSU-Fraktion eher die Häuslebauer unterstützen: "Damit die Privatleute nachziehen und diesen Vorteil auch für sich nutzen."

Streit über Förderung für Firmen

Den "Sprung" von 500 auf 2000 Euro Förderung je Maßnahme hielt Georg Kleber (Pfrentscher Liste) im Anschluss als "zu groß" und plädierte dafür "keinesfalls gewerbliche Anlagen aufzunehmen: "Die Firmen haben die Möglichkeit zu Abschreibungen und dergleichen." Schmucker will in der Satzung eine private Nutzung verankern und schlug höchstens 1000 Euro Förderung je Haushalt vor: "Sonst sind die 5000 Euro heuer gleich weg."

Vera Stahl (SPD) mahnte die Festlegung einer zeitlichen Dauer für das Programm an, was Bauriedl bekräftigte: "Es sind einige Großprojekte zu erledigen, die derzeit in der Luft hängen." Konkret führte er die Kindertagesstätte "Sankt Emmeram" und das Feuerwehrhaus an, ebenso die Sanierung der Quellen und Tiefbrunnen für die Trinkwasserversorgung. "Noch sind wir einigermaßen flüssig, aber wie es sich entwickelt, wissen wir noch nicht." Die Förderhöhe beurteilte er mit Blick auf den staatlichen Zuschuss von 1200 Euro als passend. Geschlossen einigte sich der Marktrat auf eine Höchstförderung von 1000 Euro, worin auch Förderungen für Stromspeicher enthalten sind.

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