Waidhaus
16.06.2023 - 09:17 Uhr
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Jubiläum weckt Erinnerungen an das Gasthaus "Zum Türken" in Waidhaus

In der Geschichte des früheren Gasthauses "Zum Türken" spielt Georg Tumbky eine wesentliche Rolle. Er war 1601 Fähnrich des Waidhauser Bürgerfähnleins und ist im Wappen verewigt. Am Samstag feiert der Markt "Zehn Jahre Weydhauser Fähnlein".

Das Jubiläumsfest des Vereins "Weydhauser Fähnlein" an diesem Samstag weckt Erinnerungen an das Gasthaus „Zum Türken“ in der Alten Hauptstraße 21 (alte Hausnummer 96), das laut Andreas Ringholz eines der ältesten Gebäude oder Grundmauern in Waidhaus sein dürfte. „An dieser Stelle stand wahrscheinlich schon im 14./15. Jahrhundert ein Gebäude, jedoch in Holzbauweise“, vermutet der Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeitskreises (HAK). „Weiter ist aber in den Aufzeichnungen nichts erwähnt.“

Nach der von Siegfried Poblotzki erstellten „Geschichte der Grenzlandgemeinde Waidhaus“ taucht im Jahr 1601 mit Georg Tumbky erstmals ein Eigentümer namentlich auf. Tumbky besaß das Anwesen nachweislich von 1601 bis 1630. Im Steuerregister von 1630 wird ein „Georg Tunck“ genannt. „Hier handelt es sich um eine andere Schreibweise derselben Person, wie es früher oft gemacht worden ist“, sagt der HAK-Vorsitzende und ergänzt: „Der Besitz wurde mit 1 Hof angegeben, zum Reiswagen dienstbar, und er zahlte 6fl. und 13 ½ Kronen an Steuern.“

Befehlshaber des Bürgerfähnleins

Tumbky ließ einen bis heute noch vorhandenen Wappenstein anfertigen. Der ursprüngliche Platz war ein Sims über dem Stall. 1987 wurde er bei Renovierungsarbeiten über eine Außentür versetzt und 2019 schließlich an seinen heutigen Platz an der Außenmauer. Darin enthalten ist ein Wappen, das einen stehenden Widder mit vorgestreckten Vorderbeinen und eingerollten Hörner zeigt. In der Helmzier darüber wiederholt sich die obere Hälfte dieses Wappenbildes. Dazu kommen der Name „GEORG TVMBKY“ und die Jahreszahl 1615 sowie die Buchstaben “G.H.N.V.”. Darüber ist im Halbbogen der Spruch „VER ACHT NICHT MICH VND DIE MEINEN BE SCHAW ZV VOR DICH VND DIE DEINEN“ zu lesen. Tumbky war 1601 Befehlshaber und Fähnrich des Waidhauser Bürgerfähnleins.

1630 kaufte Hans Lang den Besitz Tumbky ab. Bei der Erbhuldigung von 1652 wurde Lang als ein „Viertelmeister von Waidhaus“ genannt. Er hatte auch von Hans Zimmer den Prellenhof erworben. Um 1656 folgte als Eigentümer Georg Sebastian Türck. Er dürfte etwa 1632 geboren worden sein, da er 1652 unter den „mannbaren Söhnen von 18 bis 20 Jahren“ den Eid geleistet hat.

Türck war auch der Namensgeber für das Gasthaus „Zum Türken“. Er hatte zudem Gründe im Waidhauser Bezirk vor Roßhaupt. In den alten Flurkarten sind noch immer „Türkenhäusl, Türkenweiher, Türkenwiese und Türkenrang“ zu finden. Landläufig wurde oft vermutet, dass der Namen des Gasthauses oder auch der Türkenstraße einen Ursprung durch Osmanen hatte, was sich hingegen einfach durch den Namen des Eigentümers erklären lässt. Bauherr nach dem Brand von 1869 war der Posthalter Johann Schnupfhagen. Zum größten Teil ist das Gebäude mit dieser Fassade noch heute so erhalten.

Die Witwe trat den Gasthof 1713 an ihren Sohn Johann Michael Schnupfhagen ab. Dieser erwarb im selben Jahr den Hof Nr. 21 (Schmidthoma-Haus) und erscheint als erster Waidhauser Posthalter. Dieses Amt wurde 1741 in Waidhaus offiziell eingeführt. Der „Türkenwirt“ war Posthalterei bis 1750, als Schnupfhagen in seinen weiteren Hof Nr. 90 (Gasthof „Alte Post“) umzog.

Wechselnde Betreiber

Mehrere Eigentümerwechsel gingen in der Nachfolgezeit über die Bühne. 1995 erfolgte eine Renovierung des gesamten Anwesens durch den Pächter Willi Ringholz. Am 13. Juli 1996 eröffnete schließlich Maria Baier die Gastwirtschaft. Nach ihrem krankheitsbedingten Ausscheiden wechselten sich mehrere Betreiber ab.

Nach dem Ende des Gastwirtsbetriebs diente das Gebäude den Eigentümern erst als Wohnhaus und für Mietwohnungen. Am 16. Februar 2016 brannte der Dachstuhl. Das Feuer konnte durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehren zwar bald gelöscht werden, aber durch das Wasser der Löscharbeiten musste das gesamte Haus saniert werden. Der aktuelle Eigentümer vermietet nun Wohnungen, die nach weiteren Umbaumaßnahmen entstanden sind.

Service:

Jubiläumsfest „10 Jahre Weydhauser Fähnlein“

  • Termin: Samstag, 17. Juni, historisches Gartenfest am Vorplatz beim Gasthaus „Pfälzerhof“
  • Programm: ab 16 Uhr „Spielleut' zu Ammenberg“, 17 Uhr mittelalterlicher Tanzkurs, 18 Uhr „Kreitz & Quer“ aus Amberg, 23 Uhr Feuershow der „Kurfürstlichen Schloßwache zu Amberg“
  • Verpflegung: „Landsknechts-Bratwürst", Spieß-Fleisch und mehr; ab 16 Uhr Verkauf der Wertmarken für das Abendessen mit Spanferkel vom Grill; ab 18 Uhr Met und Beerenwein
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