08.11.2019 - 11:37 Uhr
WaidhausOberpfalz

Mit Transparenz gegen Solaranlagen-Kritik

Nach dem Widerstand gegen weitere Sonnenstromanlagen meldet sich der Investor zur Wort. Mit Manfred Striegl aus Lohma bekommt das Projekt entlang der A 6 ein lokales Gesicht.

Manfred Striegl aus Lohma kümmert sich um das Projekt einer weiteren Sonnenstromanlage in unmittelbarer Nähe der 380-kv-Leitung (Mitte) aus Tschechien. Die beiden Waidhauser Windräder (links) und der Verlauf der A 6 (rechts hinten) dienen der bildlichen Orientierung.
von Josef ForsterProfil

ONETZ: Was planen Sie derzeit konkret auf Flächen in Waidhaus?

Manfred Striegl: Wir (die Firma Primus Energie aus Regensburg, Anm. der Red.) planen zwei kleinere Photovoltaikanlagen mit einer Flächengröße von rund 3 und 2,2 Hektar. Beide Flächen liegen innerhalb eines schmalen Streifens zwischen der Hochspannungsleitung und Autobahn im Bereich Ziegelweg-Kläranlage-Landesgrenze.

ONETZ: Die nördliche Oberpfalz gilt als alles andere als ein Landstrich mit vielen Sonnenstunden. Weshalb entstehen hier trotzdem Solarparks und rentiert sich das überhaupt?

Manfred Striegl: Diese Behauptung ist mir neu und wirklich nicht zutreffend. Ich betreibe privat selbst eine Photovoltaikanlage in Lohma. Dabei bin ich mit den Erträgen sehr zufrieden. Ich denke, es geht mir dabei wie vielen hunderten anderen Bürgern im Umkreis welche eine kleine PV-Anlage erfolgreich auf ihren Dächern betreiben. Wieso sollte dies auf der Freifläche mit deutlich geringeren Errichtungskosten und optimal ausgerichteten Modulplatten anders sein? Letzten Endes gelten wie bei jedem anderen Gewerbe auch marktwirtschaftliche Gesetze, das heißt niemand käme auf die Idee, ein unwirtschaftliches Projekt umzusetzen. Aufgrund der Größe der geplanten PV-Anlage müssen wir uns hinsichtlich der Einspeisevergütung übrigens einer deutschlandweiten Ausschreibung der Bundesnetzagentur stellen. Hier erhält nur der günstigste Bewerber einen entsprechenden Vergütungszuschlag. Dieser liegt aktuell im Bereich von knapp 5 Cent pro Kilowattstunde.

ONETZ: Nach welchen Kriterien werden die Grundstücke für ein Vorhaben ausgewählt?

Manfred Striegl: Die Voraussetzungen zur Errichtung einer PV-Anlage sind in Deutschland im EEG (Erneuerbaren Energie Gesetz) geregelt, dazu gehört unter anderem ein schmaler Streifen (110 Meter) zu Bundesautobahnen. Zusätzlich spielen die Einspeisemöglichkeiten eine Rolle. Diese müssen vorab mit dem Energieversorger (hier Bayernwerk) abgeklärt werden. Neben vielen anderen erfüllen beide Flächen diese Kriterien.

ONETZ: In Waidhaus gibt es Aussagen, wonach die Gemeinde ihren Beitrag zu Freiflächenanlagen bereits geleistet habe. Was halten Sie dagegen?

Manfred Striegl: In Waidhaus existiert aktuell eine einzige PV-Freifläche mit 750 kWp Nennleistung. Diese wird jährlich knapp 800 000 Kilowattstunden Strom erzeugen. Unterstellt man in einer vereinfachten Rechnung einen Jahresverbrauch eines Drei-Personenhaushaltes von 3500 Kilowattstunden, leistet die vorhandene Anlage ihren Beitrag für rund 230 Privathaushalte. Dies ist ein respektabler Wert, ohne Frage. In Waidhaus leben aber alleine schon 2200 Einwohner. Hinzu kommt der Stromverbrauch für die vielen Gewerbebetriebe. Viele andere Gemeinden haben in Sachen Eigenstromerzeugung durch konsequentes Engagement auf dem eigenen Gemeindegebiet eine deutlich bessere Bilanz. Natürlich mag der eine oder andere bei dieser Argumentation auf Kommunen verweisen, welche bislang kaum etwas für die Energiewende geleistet haben. Ich persönlich bin aber der Meinung, man sollte von den Besten lernen und sich nicht den Schlechtesten als Vorbild nehmen.

ONETZ: Die Gegner des Projekts in Waidhaus werfen Ihnen Anonymität vor und sehen den finanziellen Gewinn bei auswärtigen, fremden und weit entfernten Investoren.

Manfred Striegl: Vor der Errichtung einer Freiflächenanlage muss jedes Projekt zwingend ein Bebauungsplanverfahren durchlaufen. Dieses Verfahren alleine dauert knapp ein ganzes Jahr lang an. Hier sind mindestens zwei öffentliche Auslegungen aller Pläne und Begründungen gesetzlich vorgeschrieben – mit der Möglichkeit eines jeden Bürgers der Stellungnahme. Wer möchte, kann sich natürlich auch direkt an uns wenden und nachfragen. Leider beobachte ich immer wieder das Phänomen, dass lieber über uns als mit uns gesprochen wird. Auch finde ich, dass wir mit unserem Hauptsitz in Regensburg nicht wirklich weit entfernt sind. Und als gebürtiger Lohminger habe ich selbst immer noch einen Wohnsitz in der Nachbargemeinde Pleystein.
Wichtig bei der gesamten Diskussion ist übrigens das Verständnis, dass wir uns als Planungsbüro ausschließlich um die Genehmigungsfähigkeit und Errichtung der Anlage kümmern. Vergleichbar ist dies mit Architekt und Bauträger im Wohnbaubereich. Hinsichtlich des tatsächlichen Betreibers haben wir unternehmensintern keine Vorgaben, weshalb wir schon beim ersten Kontakt mit der Bürgermeisterin Margit Kirzinger betont haben, dass wir uns einen späteren Betrieb von einer örtlichen Bürgergenossenschaft wie der "NEW" oder "ZENO" sehr gut vorstellen können. Dies ist ein Versprechen, welches wir dem Marktrat auch gerne vertraglich zusichern würden. Somit hat jeder Bürger die Möglichkeit, sich an dem Projekt zu beteiligen.

ONETZ: Welche Argumente setzen Sie gegen die Bedenken von Landwirten, Tourismusbefürwortern und Naturliebhabern?

Manfred Striegl: Das sind wichtige Themen, weshalb ich hier etwas ausführlicher antworten möchte. Manche Vorwürfe verstehe ich nicht ganz. Der Gesetzgeber hat bewusst das Förderkriterium erschaffen, bei dem Freiflächenanlagen in einem 110 Meter breiten Streifen zu Autobahnen und Schienenwegen gelegt werden müssen. Man spricht hier von einer so genannten Vorbelastung. Zusätzlich wird unsere Projektfläche von einer großen Höchstspannungsleitung eingerahmt. Als Ortskundiger kenne ich den vorbeiführenden Radweg sehr gut. Ich kann deshalb nicht nachvollziehen, weshalb ein (Rad-)Tourist durch Errichtung einer PV-Anlage Waidhaus künftig meiden sollte. Ganz im Gegenteil: Laut aktuellen Umfragen wird Engagement in erneuerbaren Energien von einer deutlichen Mehrheit der Bevölkerung unterstützt und befürwortet. Ich kenne viele Beispiele, bei denen Gemeinden durch Infotafeln nahe einer Wind- oder PV-Anlage aktiv für sich und die Energiewende Werbung machen.
Da meine Eltern selbst eine Landwirtschaft betreiben, verstehe ich auch die Ängste der Landwirte vor Flächenverlust, letztlich sind viele Bauern mit konventionellen Betrieben durch europäische und weltweite Marktgegebenheiten dazu gezwungen, immer mehr Produkte noch günstiger zu erzeugen. Meiner Meinung nach setzt die EU hier zu stark auf Quantität statt Qualität, aber das ist ein anderes Thema. Fakt ist aber, dass in Deutschland bei Fleisch, Milch, Kartoffeln, Zucker und Getreide eine deutliche Überproduktion stattfindet. Dies ist durch Statistiken der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) klar belegt.
Da ich selber vor Ort auch die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern durchführe, stelle ich aber auch immer wieder fest, dass der eine oder andere Landwirt Flächen zu wirklich sehr attraktiven Preisen anpachtet. Oft handelt es sich dabei um ältere Grundstückseigentümer, welche schon seit Jahrzehnten zu einem derart niedrigen Preis verpachten, dass alleine die staatlichen Agrarsubventionen für einen satten Gewinn sorgen. Hier wird es natürlich nicht gerne gesehen, wenn wir mit marktüblichen Preisen das bestehende Gefüge stören. Um Spekulationen vorzubeugen, möchte an dieser Stelle aber betonen, dass diese Aussage nicht speziell auf unser Projekt in Waidhaus oder pauschal auf alle Landwirte gemünzt ist, sondern als Erfahrung meinerseits anzusehen ist.

ONETZ: Warum werden Landschaftsschutzgebiete und Naturparkflächen nicht von den Planungen der Sonnenstromanlagen ausgespart?

Manfred Striegl: Die Frage sollte lauten „Warum werden Photovoltaikanlagen nicht verstärkt in Landschaftsschutzgebiete gebaut?“. Innerhalb einer Photovoltaikfläche herrscht auf Dauer des Bestehens ein Dünge- und Spritzmittelverbot. Durch ausbleibende Bodenbearbeitung erfährt der Boden eine lange andauernde Ruhephase. Maßnahmen wie eine autochthones, sprich einheimisches Saatgut in der Fläche, Bodenfreiheit des umgebenden Zaunes sowie eine vorgeschriebene zusätzliche Ökoausgleichsfläche mit Ackerbrachestreifen, Streuobstwiesen oder ähnliches sorgen für eine enorme Steigerung der Artenvielfalt. Dem gegenüber steht ein zuvor ausschließlich intensivlandwirtschaftlich genutztes Gebiet. Trotzdem sind in Landschaftsschutzgebieten aber noch andere Gesichtspunkte zu beachten um zum Beispiel den subjektiven Eindruck einer technischen Überprägung zu vermeiden. Hierüber haben wir im Vorfeld bereits Gespräche mit der zuständigen Naturschutzbehörde geführt.

ONETZ: Als Experte dürften gerade Sie einen Einblick haben, in welchem Verhältnis zur Gesamtfläche Deutschlands Solarparks notwendig sind, um die von Befürwortern und Gegnern gleichermaßen propagierte Energiewende zu realisieren?

Manfred Striegl: Eine Prognose hierzu ist kaum möglich, jede Modellberechnung würde nur den aktuellen Ist-Zustand abbilden können, nicht aber die Zukunft. Es sollte auch nicht das Augenmerk auf eine einzige Technologie gesetzt werden, wichtig wäre ein ausgewogener Mix aus allen Erneuerbaren Energien, verbunden mit Verbrauchseinsparungen in allen Sektoren. Dazu gehört ein beherztes politisches Handeln – stattdessen hat die bayerische Landesregierung als Zugabe zur Landtagswahl die eigentlich wichtige Windenergie durch die bekannte „10H“-Abstandsregelung auf sage und schreibe Null im ersten Halbjahr 2019 abgewürgt. Trotzdem muss an dieser Stelle auch klargestellt werden: Die Bundes- und Landespolitik schafft nur die Rahmenbedingungen. Die Umsetzung der Energiewende findet im Prinzip immer auf lokaler Ebene statt – die Entscheidungsträger über Rückschritt, Stillstand oder Fortschritt sitzen dabei als gewählte Vertreter der Bürger in der jeweiligen Kommune.

ONETZ: Vielleicht noch eine Frage zum Schluss. Wie läuft das eigentlich aktuell mit der Entsorgung von ausgedienten oder in-die-Jahre-gekommenen Solarplatten?

Manfred Striegl: PV-Module bestehen zu 80 Prozent aus Glas, Aluminium und Kunststoffen. Die Wiederverwertung dieser Rohstoffe stellt keine Schwierigkeit dar. Das Recycling von Solarmodulen ist allgemein im Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) geregelt – das ist die deutsche Umsetzung der WEEE-Richtlinie der EU und gilt im Übrigen für alle elektrischen Altgeräte. Der Recyclingprozess erfolgt in Deutschland weitestgehend über den Verbund „PV CYCLE“, dieser ist vergleichbar mit dem „Grünen Punkt“. Betonfundamente werden zudem seit vielen Jahren nicht mehr verwendet und um alle denkbaren und undenkbaren Risiken aufzufangen, vereinbaren wir standardmäßig in allen Nutzungsverträgen mit den Grundeigentümern die Hinterlegung einer Rückbaubürgschaft.

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