26.06.2020 - 17:09 Uhr
Waldeck bei KemnathOberpfalz

14 Nothelfer in der Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk

300 Jahre symbolträchtige Darstellung: Das Reliefbild an der Ostwand des Waldecker Gotteshauses datiert um 1720.

Pfarrkirche Mai 2013
von Hans LukasProfil

An der Ostwand unter der Empore in der Pfarrkirche Waldeck, befindet sich in einem Akanthusrahmen das 14-Heiligen-Relief. In den "Kunstdenkmälern Bayerns" wird seine Entstehung in der Zeit "um 1720" datiert. Es ist nicht bekannt, von wessen Hand es geschaffen wurde. Mit Sicherheit lässt sich jedoch sagen, dass es ursprünglich einen anderen Standort hatte, da die Pfarrkirche erst in den Jahren nach 1738 errichtet wurde.

Die Verehrung der darauf abgebildeten Heiligen, die man als 14 Nothelfer anzusprechen pflegt, weist eine Tradition auf, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Sie geht vermutlich auf die Pestjahre von 1346 bis 1349 zurück, in denen der Schwarze Tod in ganz Europa wütete. In der bildenden Kunst zählen die Darstellungen der 14 Nothelfer von Tilmann Riemenschneider im Hofspital zu Würzburg und von Mathias Gründewald in der Kirche zu Lindenhardt bei Pegnitz zu den berühmtesten.

Die Nothelfer erlitten mit Ausnahme des heiligen Ägidius - dem Kirchenpatron der ersten Waldecker Pfarrkirche, der Burgkapelle auf dem Schloßberg - den Märtyrer-Tod. Daraus erklärt sich im Besonderen, dass sie als Adressaten in Nöten und Leiden aller Art angerufen wurden. Ägidius wurde unter anderem als Patron der stillenden Mütter verehrt.

Das Waldecker Nothelfer-Relief weist, abgesehen von der Akanthus-Ornamentik, eine seltene Gestaltung auf. Die Heilige Dreifaltigkeit wird von drei Männern dargestellt. Gott-Vater mit der Weltkugel, Gott-Sohn mit dem Kreuz und Gott-Heiliger-Geist als Mann mit einer Taube auf der Brust. Diese "dreimännliche" Form der Dreifaltigkeit war bei der Entstehung noch möglich und ist kirchlicherseits aber nicht mehr erlaubt.

Unter der Dreifaltigkeit ist die Gottesmutter gleichsam als die Königin aller Heiligen dargestellt und um sie gruppieren sich die 14 Nothelfer. Die schlichte Schönheit des Reliefs kommt besonders in der Vielfalt der Attribute der Heiligen zum Ausdruck, in denen sich die Besonderheiten ihrer Lebensschicksale, mitunter nach überlieferten Legenden, versinnbildlichen. So tragen beispielsweise die drei Nothelferinnen eine Krone, das Symbol einer Märtyrerin. St. Barbara hält ein Schwert, mit dem sie hingerichtet wurde, St. Katharina trägt eine Palme als zusätzliches Zeichen einer Märtyrerin und St. Margaretha ist mit einem Drachen dargestellt, der sie nach der Legende im Gefängnis verschlingen sollte.

Weiter dargestellt sind der heilige Georg mit Drache und in Ritterrüstung, der heilige Blasius als Bischof mit Kerze, der heilige Erasmus als Bischof mit Wind, der heilige Pantaleon als Soldat mit Händen auf dem Kopf, der heilige Vitus mit Märtyrerpalme und Adler, der heilige Christopherus mit Stab und dem Jesusknaben, der heilige Dionysius als Bischof mit Kopf in der Hand, der heilige Achatius mit einem Kreuz, der heilige Hubertus als Jäger mit Hirsch, der heilige Cyriacus als Diakon mit Palme sowie der Heilige Ägidius als Mönch mit Hirsch.

Einige der genannten 14 Nothelfer dürften sicherlich nur denen bekannt sein, die sich schon einmal intensiv mit ihnen beschäftigt haben. Jeder der Heiligen ist Patron von verschiedenen Menschen, Berufen und Berufsgruppen. Und jeder wird bei verschiedenen Krankheiten und Gebrechen angerufen. Genauso gibt es für fast jeden eine Bauernregel, die heute noch verwendet wird.

Über die Herkunft und dem Entstehen des Reliefs kann ein Gutachten herangezogen werden, das am 9. Oktober 1727 vom damaligen Dechanten in Windischeschenbach (es könnte sich da um den Nabburger Pfarrer Johann Jakob Windisch handeln) abgefasst und an Johann Theodor, dem Reichsfürsten und Bischof von Regensburg und Freising gerichtet ist. Das Gutachten kann man als Quelle hernehmen, da es nähere Aufschlüsse über die 'Geschichte des Reliefs' in der jetzigen Pfarrkirche gibt.

Diesem Bericht zufolge lebte im Jahr 1727 in der Stadt Kemnath "eine hochbetagte Jungfrau" namens Maria Elisabetha Hienenfath von Reifenberg im Hause des kurfürstlichen Kastners. Sie gehörte dem III. Orden des . Franziskus an und führte einen "tugendsamen, strengen Lebenswandel zu nit geringer auferbaulichkeit der ganzen Stadt".

Ihre Schwester war mit dem Bürgermeister des Marktes Waldeck verehelicht. Als diese beim Einsturz einer Sandgrube auf qualvolle Weise ums Leben kam, ließ die fromme Jungfrau an der Straße unweit des Marktes Waldeck (damals noch am südlichen Abhang des Schloßberges gelegen) eine Kapelle 'sub titulo der 14 Nothelfer' errichten und verband damit den Wunsch, in einem Gewölbe ihre letzte Ruhestätte zu finden.

Dem Bericht des Dechanten ist eine Aufzählung der Dotierungen der Jungfrau Hienenfath an das Gotteshaus St. Anna im Alten Markt auf dem Schloßberg beigegeben, das vom Bürgermeister und Rat, die offensichtlich die Stiftungsgelder der 'Markt'-Kirche verwalteten, erstellt wurde. Diese Dotierungen bestanden aus einem Leichtuch 'nebst 6 gezahlten Toden Köpf' zu 11 Gulden, einem Altartuch mit Zubehör zu 10 Gulden, einem gemalten Hochaltarbild (wohl St. Anna darstellend) zu 27 Gulden, einer Gabe für eine Monstranz zu 53 Gulden, einem Betrag von 100 Gulden für jährlich 5 Seelenmessen 'für sich und ihr Geschlecht' und schließlich aus 50 Gulden zur Unterhaltung ihrer '14 Nothelfer' - Kapelle.

Im Bericht des Dechanten wird die 'Fundation' von 100 Gulden für Seelenmessen als nicht unproblematisch angesehen. Dafür gibt es eine einfache Erklärung. Die gestifteten Seelenmessen sollten nämlich in der '14-Nothelfer-Kapelle' abgehalten werden und dies war der ausdrückliche Wunsch der Jungfrau Hienenfath. Die Kapelle maß aber in der Länge nur 10 und in der Breite nur 5 'Werkschuhe', so dass die Kapelle für die Abhaltung von Messen nicht geeignet war.

Der Dechant empfahl deshalb einen Terminplan für die Abhaltung der Messen in der Marktkirche. Danach sollten 4 Messen 'alle quartal' in der Quatemberzeit, die 5. Messer sollte, solange die Stifterin lebte, 'zu ihrer intention' in der Marktkirche zelebriert werden. Nach dem Hinscheiden sollte die 5. Messe alljährlich in der Woche, in der sie verstorben war 'ihrer seele zu trost' gelesen werden.

Der genaue Zeitpunkt des Todes der Jungfrau Hienenfath läst sich nicht ermitteln, da die Pfarrbücher aus dieser Zeit beim Abbrand des Alten Marktes auf dem Schloßberg im Jahr 1794 verlorengingen. Die fromme Stifterin dürfte im Jahre 1731 oder kurze Zeit später verstorben sein. Einer Notiz von Pfarrer Thomas Krempel vom 7. August 1731 ist nämlich zu entnehmen, dass 'ersagte Jungfrau ... Todt gefährlich krankh darnieder liget und ihres aufkombene natürlicher Weis nicht mehr ist'.

Aus der Bemerkung des Pfarrers, dass er sie mit den Sterbesakramenten versehen habe, darf man schließen, dass sie von Kemnath nach Waldeck vermutlich in das Haus ihres Schwagers übergesiedelt war und auch ihre letzte Ruhestätte in 'ihrer' Kapelle gefunden hat. Im Sterbebuch der Pfarrei Kemnath findet sich im Übrigen kein Eintrag ihres Ablebens.

Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass die tugendsame Terziarin (so bezeichnete man weibliche Laienmitglieder des III. Ordens) Maria Elisabetha Hienenfath das schon beschriebene Relief der 14 Nothelfer anfertigen ließ, um 'ihre Kapelle' mit einem Altarbild auszustatten.

Dies lässt sich weiter durch die nachstehenden Feststellungen erhärten. Die kunstgeschichtliche Datierung des Reliefs in die Zeit um 1720 stimmt mit dem im Bericht des Dechanten überein. Die Fertigstellung der Kapelle kann sogar eindeutig nachgewiesen werden. Nach einem Schreiben des Pfarrers Thomas Krempel war der Bau der Kapelle im Jahre 1723 vollendet worden. Die Frage, weshalb die Beseitigung einer '14-Nothelfer-Kapelle' bei der Durchführung des Montgelas-Dekretes nicht überliefert oder darin aufgeführt ist, kann wohl nur so beantwortet werden, dass die Kapelle, 80 Jahre nach ihrer Errichtung nicht mehr existierte. Leider kann man heute nicht mehr sagen, wo genau die Kapelle gestanden hat.

Weiter ist klar, dass sich das Relief vor 1794, dem Jahr des Abbrandes von Alt-Waldeck, auf keinen Fall in der Marktkirche St. Anna befand. Aus der brennenden Kirche konnte nämlich keine Statue, kein Bild (auch nicht das der Maria-vom-Trost-Bruderschaft) und kein Altarbild mehr gerettet werden.

Demnach muss angenommen werden, dass das Relief der '14 Nothelfer' unmittelnbar nach dem verheerenden Abbrand aus der wohl schon baufällig gewordenen, nunmehr einsam auf dem Weg zum Schloßberg stehenden 'Hienenfath-Kapelle' herausgenommen wurde. Es wurde ihm in der schon bestehenden Wallfahrtskirche St. Johannes Nepomuk ein geziemender und sicherer Platz gegeben.

Für diesen Artikel wurden die Aufzeichnungen des bereits verstorbenen Ehrenbürgers und Heimatforscher Dr. Anton Reger, dem Kirchenführer des Pfarramtes Waldeck und der Broschüre über die Kath. Pfarrkirche Waldeck von Peter H.M. Rott aus Kronau herangezogen.

Die beil. Fotos zeigen das '14-Nothelfer-Relief' und einen Ausschnitt davon von der dargestellten und beschriebenen drei Männern, die darauf die Dreifaltigkeit darstellen. Weiter eine Zeichnung von der Burgkapelle St. Ägidius, der ebenfalls zu den 14 Nothelfern zählt.

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