31.08.2020 - 15:19 Uhr
WaldershofOberpfalz

Cube: Mit Schotter-Rädern auf der Überholspur

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Im Show-Room der Waldershofer Radschmiede Cube geht es diesmal ziemlich entspannt zu. Eine neue Kategorie erobert momentan die Sportszene.

Produktmanager Frank Greifzu zeigt drei der 2021er-Gravelbikes.
von Autor FPHProfil

Es ist ruhig im Showroom des Fahrradherstellers Cube. Normalerweise wäre in diesen Wochen ein Sprachgewirr zu hören, Hunderte Händler würden sich um die ausgestellten Räder drängen. Corona zwingt auch Deutschlands größten Fahrradproduzenten zu neuen Wegen. Oder eben nicht. "Ausfahrten ins Fichtelgebirge und den Steinwald haben wir komplett gestrichen. Auch die Besucherzahl ist nicht mit der üblichen von gut 400 pro Tag zu vergleichen", sagt die für die Öffentlichkeitsarbeit bei Cube zuständige Mitarbeiterin Marie Korzen. Der sechswöchige Showroom, also das internationale Händlertreffen, eine Mischung aus Technikvorträgen, Sport und abendlichen Partys musste dieses Jahr überwiegend in virtuelle Räume verlegt werden.

Änderung auf der Straße

Corona hat für Cube noch andere Folgen: "Viele Menschen haben in den vergangenen Monaten wieder das Radfahren entdeckt. Vor allem in Ballungsräumen wollen die Leute den öffentlichen Nahverkehr meiden und steigen lieber aufs Bike", berichtet Marco Haas, für Marketing zuständig. Auf einmal rückten nun auch Nischenprodukte in den Blickpunkt. "Während in den Niederlanden zum Beispiel Cargo- oder Lastenräder seit Jahren beliebt sind, wirken sie auf Deutschen Straßen noch immer exotisch. Das ändert sich jetzt, vor allem in den Städten."

Cube plant Brücke über künftige Umgehungsstraße

Waldershof

Dies scheint tatsächlich ein Trend in der Branche zu sein: Bislang strikt getrennte Spartengrenzen scheinen nicht mehr von Bedeutung. Bestes Beispiel ist hier das Gravelbike, das noch vor einigen Jahren als aus den USA importierter künstlicher Hype galt. Diese Räder sehen auf den ersten Blick wie Rennräder mit dem typischen Lenker aus. Allerdings haben sie serienmäßig Scheibenbremsen, deutlich dickere Reifen - in aller Regel mit leichtem Profil - und eine für den Fahrer bequemere Geometrie. Wie Produktmanager Frank Greifzu sagt, ist der Anteil der verkauften Gravelbikes bei Cube im Vergleich zum Vorjahr um das Zweieinhalbfache gestiegen. Für viele seien diese Räder eine perfekte Alternative, da sie die Vorteile des Rennrades mit dem des Mountainbikes verbinden. "Pendler, die bisher mit dem Rennrad zur Arbeit gefahren sind, steigen um, da sie nun auch nicht asphaltierte Wege nutzen können, die natürlich nicht so vielbefahren sind. Auch passionierte Rennradler wollen ab und zu mal auf Forst- und Feldwege wechseln." Greifzu und Haas glauben, dass es sich hier um keinen kurzen Trend handelt. "Wir haben mittlerweile neun Gravelmodelle im Programm, inklusive eines Damenrades. Das einstige zarte Pflänzchen hat sich prächtig entwickelt", sagt Greifzu.

Offenbar hat die Coronakrise das Wachstum weiter beschleunigt. Beinahe inflationär erscheinen in Fachmagazinen derzeit Beiträge über Bikepacking-Touren durch die Heimat. "Die Räder haben extra mehrere Befestigungsmöglichkeiten für Gepäck." Auch das habe Cube im Programm. Der Zubehörmarkt wird für das Unternehmen ebenfalls immer wichtiger und nimmt im Showroom mittlerweile einen beachtlich großen Teil ein.

Für Mountainbikes bekannt

Zurück zu den Rädern. Während einige Kategorien längst dem Nischendasein entwachsen sind und wie im Falle des Gravelbikes dem klassischen Rennrad fast den Rang ablaufen, haben sich andere weniger gut entwickelt. So etwa das Fatbike, das vor einigen Jahren wegen der extradicken Ballonreifen innerhalb der Branche als das nächste große Ding galt. "Dieser Markt ist gesättigt. Wir könnten zwar jedes Jahr einige Hundert Fatbikes nach Finnland verkaufen, aber ansonsten ist der Trend vorüber", sagt Greifzu.

Weniger erfolgreich sind offenbar auch die Rennräder mit E-Motor. Hier, sagt der Produktmanager, werde sich in nächster Zeit aber etwas tun. Der bisherige Weg eines E-Rennrads mit relativ schwachbrüstigem Akku werde wohl verlassen. Laut Greifzu will Cube seiner Philosophie treu bleiben und die besten Kompromisse aus allen Kategorien nutzen. Er halte daher zum Beispiel wenig von Gravelbikes mit Federgabeln, wie sie zum Beispiel in den USA Trend sind. "Es ist immer so, dass von manchen Herstellern die Extreme getestet werden."

Pendler, die bisher mit dem Rennrad zur Arbeit gefahren sind, steigen um, da sie nun auch nicht asphaltierte Wege nutzen können, die natürlich nicht so vielbefahren sind. Auch passionierte Rennradler wollen ab und zu mal auf Forst- und Feldwege wechseln.

Produktmanager Frank Greifzu

Obwohl das Unternehmen alle Sparten im Angebot hat, ist Cube für Mountainbikes bekannt - hier für die Hybridversion. Mittlerweile sei dieser Markt in der vierten Generation, sagt Greifzu. Im Gegensatz zu den ersten E-Bikes, die durchs Fichtelgebirge rollten, sind die neuen wesentlich feiner motorisiert. "Sie reagieren schneller und bremsen vor allem nicht mehr so abrupt ab, wenn die 25-Stundenkilometer-Grenze erreicht ist." Auch die modernen Displaygenerationen seien smarter geworden. So ließen sich darauf unter anderem Navi-Funktionen vom Smartphone spiegeln. Auch sei es möglich, das Handy ans Bike zu klicken, so dass das Fahrrad komplett vernetzt ist.

Für die meisten Biker sei die Akku-Stärke wichtig. Die aktuelle Generation liegt bei 625 Wattstunden. "Ich gehe davon aus, dass die meisten Normalnutzer nicht einmal beim 500-Wattstunden-Akku die Grenzen ausreizen. Aber viele Radler legen eben Wert auf die Sicherheit, auch wirklich mit E-Unterstützung ans Ziel zu kommen." Eine ebenso aufwendige Technik wie bei den Erwachsenen ist bei Kinder-Mountainbikes eingebaut. "Wir versuchen, bei den vollgefederten Rädern das Gewicht so weit wie möglich zu reduzieren, damit die jungen Sportler zurechtkommen." Auch Griffe seien schmaler als bei den Erwachsenen. "Die Räder müssen für die Zielgruppen passen. Kein Kind wird glücklich, wenn es den Bremshebel nicht greifen kann."

Gravelbikes, also Rennräder mit dickeren Reifen, sind das „nächste große Ding“ auf dem Radmarkt.
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