10.06.2021 - 16:46 Uhr
WaldershofOberpfalz

Cube sucht nach einem Kompromiss

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Firmenchef Marcus Pürner will die 50 Meter hohe Lagerhalle um gut zehn Meter reduzieren. Er setzt mit dem Lager auf weniger Abhängigkeit von den Märkten in Asien.

Der blau gekennzeichnete Bereich stellt das geplante Hochlager zwischen dem Logistikzentrum von Cube, mit dem es verbunden werden soll, und dem Kreisverkehr dar. Mehr Flächen hat Cube an seinem Standort nicht mehr zur Verfügung. Die beiden Grundstücke links im Bild sind bereits in anderer Hand und für den Fahrradhersteller nicht zu erwerben.
von Autor FPHProfil

Von Peggy Biczysko

Es hat hohe Wellen geschlagen, als die Menschen zum ersten Mal gesehen haben, wie gewaltig sich der neue Kubus des Fahrradherstellers Cube in die Höhe strecken soll. 50 Meter zwischen dem Logistikzentrum des knapp 1000 Mitarbeiter zählenden Unternehmens in Waldershof und dem Kreisverkehr sollte das geplante Hochlager gen Himmel ragen. Sollte. Denn Firmenchef Marcus Pürner zeigt sich kompromissbereit: „Ich finde es gut, dass auf unsere Pläne hin Reaktionen kommen – auch wenn sie kritisch sind.“ Und diese Reaktionen nimmt er sich zu Herzen, schaltet Fachleute ein, um den mächtigen Würfel doch um gut zehn Meter in die Knie zu zwingen.

Hochbau gegen Flächenversiegelung

Marcus Pürner verdeutlicht im Gespräch mit der Frankenpost zunächst einmal, „dass die Abbildung in dem Bericht vom 22. Mai unter dem Titel ,Der Waldershofer Riesen-Quader’ ja nicht die unsere war, zumal wir noch gar keine Pläne hatten, und dass das sicher nicht der finale Plan ist“. Und er erläutert, warum das Hochlager 50 Meter hoch werden sollte. „Es geht hier um Wirtschaftlichkeit." Und nicht nur das. Flächenversiegelung ist ein großes Thema in der Politik. Und dem wollen wir mit dem Hochbau ebenfalls Rechnung tragen.“ Damals, als Cube am Rande von Waldershof sein Logistikzentrum gebaut hat, habe es Vorwürfe gegeben, „weil es 36 000 Quadratmeter groß ist und viel Fläche verschlungen hat“. Gleich daneben hat Cube noch ein weiteres, 20 000 Quadratmeter großes Gebäude. „Das Hochlager nimmt im Fall von 50 Metern Höhe 6400 Quadratmeter Fläche in Anspruch. Würden wir es gerade mal so hoch bauen wie unser Logistikzentrum, würden wir 54 000 Quadratmeter Fläche benötigen“, führt Pürner deutlich vor Augen.

Ohne dieses Hochregallager, das vollautomatisch und hochkomprimiert funktionieren soll, komme der Fahrradhersteller nicht mehr aus. „Aufgrund der schwierigen Liefersituation weltweit und in Asien im Speziellen müssen wir die Schwankungen dringend ausgleichen, und zwar durch einen höheren Vorrat.“ Und dafür benötige Cube besagtes Hochregallager. Nach den Worten von Firmenchef Marcus Pürner handelt es sich bei den Lieferverzögerungen nicht etwa um mehrere Wochen. „Wir sprechen hier von Lieferfristen von bis zu 900 Tagen. Das sind beinahe drei Jahre!“ Einige asiatische Zulieferer nähmen für 2023 gar keine Bestellungen mehr an, verdeutlicht Pürner die katastrophale Lage.

„Es kann daher sein, dass wir wegen nur eines fehlenden Teils ein Fahrrad gar nicht bauen können.“ Der Fahrradmarkt und die Industrie generell hätten global eine enorme Nachfrage nach Rohmaterialien. „Alu-Rohlinge sind zum Teil gerade überhaupt nicht erhältlich.“ Und daher sei es für Cube wichtig, in die Lagerhaltung zu gehen. „Wir haben unseren Zukauf aus Asien bereits um 100 000 Fahrräder reduziert“, verdeutlicht Pürner. Die Räder würden jetzt in Waldershof produziert. „Wir wollen und müssen unabhängiger von Asien werden“, blickt der Unternehmer in Richtung Zukunft. „Wir sind gerade daran, eine eigene Felgenproduktion aufzubauen.“ Und derzeit baue der Fahrradhersteller in Lorenzreuth bei Marktredwitz eine 11 000 Quadratmeter große Halle für die Zubehör-Lagerhaltung, die man von Waldershof auslagere, um mehr Platz zu gewinnen, erklärt der Cube-Chef.

Vorgelagertes Parkdeck

Zurück zu den Plänen für den ursprünglich 50 Meter hohen Kubus in Waldershof. Der ist an der Stelle geplant, wo die Mitarbeiter momentan ihre Autos parken. Die sollen künftig in einem vorgelagerten Parkdeck Platz finden, wie Pürner sagt. Was den Unternehmer wundert, ist, „dass auch so einige Leute, die gar nicht in der Region leben, ihre Meinung zu unseren Plänen kundgetan haben“. Das habe ihn sehr überrascht. „Nach den Reaktionen der Öffentlichkeit würde ich das Hochregallager jetzt nicht mehr so hoch bauen. Wir können Abstriche machen bis zu einem gewissen Grad.“ Cube wolle versuchen, das Ganze „ein bisschen ins Erdreich zu setzen“. Allerdings seien hier Grenzen gesteckt, „zehn Meter tief können wir das Gebäude nicht versenken“. Zumal das Gelände vom Logistikzentrum zur Straße hin abfalle, könne die Bodenplatte schon einige Meter unterhalb des bestehenden Gebäudes gesetzt werden. Marcus Pürner hat jetzt weitere Architekten und Designer mit ins Boot geholt, um das dringend notwendige Lager niedriger und die Fassade auch ansprechend zu gestalten.

Natürlich werde die Fassade glatt sein, „weil ja im Innenraum niemand arbeiten wird“, verdeutlicht der Firmenchef. „Aber es wird nicht einfach ein schwarzer Würfel.“ Denn dieser ist eigentlich das Alleinstellungsmerkmal des Fahrradherstellers. „Grundsätzlich steht das für unsere Architektur, aber an einer solch exponierten Stelle würden wir auch auf die Wahrnehmung verstärkt Rücksicht nehmen“, versichert Pürner.

Jedoch gibt er zu bedenken, dass der Platz, an dem das Hochregallager angedacht ist, die einzige Erweiterungsfläche für Cube sei. „Die planierten Flächen hinter unserem Zentrum sind nicht unsere eigenen, die sind vergeben.“ Aber Cube, das seine Wurzeln in Waldershof hat, wolle unbedingt an seinem Standort festhalten. „Das ist logistisch auch das Sinnvollste. Würden wir anderswo bauen, müssten wir jede Stunde gut sieben Lastwagen von einem Ort zum andern schicken. Das wäre weder wirtschaftlich noch ökologisch in unserem Sinn.“

Feedback aus Bevölkerung

Auch in der Politik spiele die Flächenversiegelung eine extrem wichtig Rolle, weiß Marcus Pürner. „Daher wird von dieser Seite der Bau in die Höhe unterstützt.“ Für Cube wäre es ein „harter Schlag, wenn wir hier weg müssten“. Deshalb wolle er das Feedback aus der Bevölkerung gern annehmen. Während es bei der Produktionshalle praktisch unmöglich gewesen wäre, in die Höhe zu bauen, biete sich das beim Hochregallager geradezu an.

Unter den Anregungen, die er bekommen hat, gebe es auch solche für eine Aussichtsplattform auf dem neuen Kubus. „Ob das aus Brandschutzgründen möglich ist, wissen wir nicht. Aber wir lassen das prüfen.“ Wenn alles gut läuft, möchte der Unternehmer im ersten Halbjahr 2022 mit dem Bau des Lagers beginnen.

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Waldershof
Hintergrund:

800 Mitarbeiter

  • Das Unternehmen Cube wächst seit Jahren beständig. Im vergangenen Jahr hat die Waldershofer Fahrradschmiede weltweit 700.000 Fahrräder verkauft. Für dieses Jahr sind 850.000 Räder geplant. Gut möglich, dass im kommenden Jahr die Millionen-Marke fällt.
  • Am Standort Waldershof sind laut Firmensprecherin Marie Korzen aktuell rund 800 Mitarbeiter beschäftigt, davon rund 250 aus Tschechien.
  • 2020 hat die Cube-Muttergesellschaft einen Jahresumsatz von mehr als 500 Million Euro erzielt. Die Waldershofer sind Marktführer in Deutschland.

„Ich finde es gut, dass auf unsere Pläne hin Reaktionen kommen – auch wenn sie kritisch sind.“

Cube-Firmenchef Marcus Pürner

„Aufgrund der schwierigen Liefersituation weltweit und in Asien im Speziellen müssen wir die Schwankungen dringend ausgleichen, und zwar durch einen höheren Vorrat.“

Cube-Firmenchef Marcus Pürner

„Wir haben unseren Zukauf aus Asien bereits um 100 000 Fahrräder reduziert.“

Cube-Firmenchef Marcus Pürner

"Würden wir anderswo bauen, müssten wir jede Stunde gut sieben Lastwagen von einem Ort zum andern schicken. Das wäre weder wirtschaftlich noch ökologisch in unserem Sinn.“

Cube-Firmenchef Marcus Pürner

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