24.05.2021 - 15:42 Uhr
WaldershofOberpfalz

Höher als der Kirchturm: Cube will wachsen und plant in Waldershof großes Lager

Der Fahrradhersteller Cube will ein 160 Meter langes und 50 Meter hohes Regallager in Waldershof bauen. Das bei weitem höchste Gebäude in der Region soll das Unternehmen für künftiges Wachstum rüsten.

Eine der imposanten Cube-Hallen. Nun soll sogar ein 160 Meter langes und 50 Meter hohes Hochregallager entstehen.
von Autor FPHProfil

Die Verantwortlichen des Waldershofer Fahrradherstellers Cube nehmen den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ernst. „Wir müssen künftig mehr in die Höhe als in die Breite bauen“, hat dieser bei einer Diskussion zum zunehmenden Flächenfraß schon vor zwei Jahren verlautbart. Das neue Hochregallager, das Cube östlich seines Produktions- und Lagerkomplexes entlang der Marktredwitzer Straße errichten möchte, wird in der Tat hoch, sehr hoch sogar: Es soll 50 Meter in die Luft wachen. Ursprünglich war von 38 Metern die Rede. Grund für das nun noch einmal weitaus größer dimensionierte Bauwerk ist das künftig erwartete Wachstum der Firma.

„Nur durch eine Erweiterung der Gebäudeflächen wird weiteres Wachstum möglich sein.“

Cube-Sprecherin Marie Korzen

Wie Unternehmenssprecherin Marie Korzen auf Nachfrage der Frankenpost sagt, sind die Flächen in Waldershof ausgereizt. „Nur durch eine Erweiterung der Gebäudeflächen wird weiteres Wachstum möglich sein.“ Da die Gewerbeflächen in Waldershof begrenzt sind, nimmt der Fahrradhersteller einen anderen Weg: Der neue Cube-Quader wird demnach 160 Meter lang, 40 Meter breit und 50 Meter hoch. Zum Vergleich: Der Oberpfalzturm auf der Platte im Steinwald ragt 35 Meter in den Himmel. Der weithin sichtbare Schneebergturm ist 72,8 Meter hoch. In der Kösseinestadt selbst ist der Turm der alten Kirche Sankt Sebastian mit 34 Metern das bisher höchste Bauwerk.

Parkdeck

Angesichts der Dimensionen des Hochregallagers nimmt sich das ebenfalls vorgesehene Parkdeck bescheiden aus. Es befindet sich direkt im Anschluss an den Regenrückhalte-Teich in Richtung Marktredwitz und wird maximal 11 Meter hoch und knapp 45 Meter lang. Der Bau ist wegen des Grundstückzuschnitts fast in Form eines Dreiecks vorgesehen.

Auf Nachfrage nach den Plänen gibt sich die Firmenspitze zugeknöpft. Laut Marie Korzen ist der Grund dafür lediglich, dass noch längst nicht alles in trockenen Tüchern ist. „Wenn alles so weit klar ist, werden wir natürlich über alle Fragen Auskunft geben und informieren.“

Vier Meter hohe Brücke

In dem Mega-Quader steckt ein automatisiertes Hochregallager mit einer riesigen Lagerfläche. Was und wie viel gelagert wird, ist offenbar noch nicht bekannt. Auch darüber, ob und wie viele neue Arbeitsplätze entstehen, wollte die Firmenspitze keine Auskunft geben. Die bestehenden Cube-Produktions- und Lagerhallen sind 13 Meter hoch und an der westlichen Seite entlang der Bahnlinie rund 360 Meter lang. Das neue und das alte Gebäude werden mit einer vier Meter hohen Brücke verbunden. „Dies ermöglicht einen automatischen Warenfluss, so dass keine Fahrzeuge eingesetzt werden müssen“, sagt Marie Korzen. Da der Quader auf den derzeitigen Mitarbeiterparkplätzen entsteht, ist das vorgelagerte Parkdeck für die vielen Pendler notwendig.

Die Fragen, wann der Baubeginn für den Quader vorgesehen ist und wie hoch die Investitionssumme ist, wollte das Waldershofer Unternehmen nicht beantworten. Dies hänge auch von der Entscheidung im Stadtrat und der Genehmigung des Landratsamtes ab.

Bekenntnis zum Standort

Da der Bebauungsplan für das Gebiet „Westlich der Marktredwitzer Straße“ lediglich eine zulässige Höhe von 13 Metern für Gebäude vorsieht, hatte sich der Waldershofer Stadtrat bereits im Februar mit dem Cube-Projekt und einer dafür notwendigen Änderung des Bebauungsplans beschäftigt. Einmütig sprachen sich Bürgermeisterin Margit Bayer und die Fraktionssprecher für die Baumaßnahme aus. Die Firma bekenne sich mit dem Projekt und der Investition klar zum Standort Waldershof, sagte Bayer, die im Februar noch von einem 38 Meter hohen Gebäude ausging. Angesichts der Steuereinnahmen durch das Unternehmen würden vom Firmenerfolg alle Bürger von Waldershof profitieren. CSU-/Wählerbund-Sprecher Maximilian Kastner begrüßte es, dass statt in die Fläche in die Höhe gegangen werde. Ähnlich äußerte sich Winfried Neubauer von den Freien Wählern. „Wir brauchen auch künftig Gewerbesteuereinnahmen“, sagte SPD-Sprecher Jürgen Ranft. Er hegte zudem die Hoffnung, dass die Fassade ansprechend gestaltet werde.

Einsicht möglich

Mittlerweile läuft das planungsrechtliche Verfahren. Seit dem 12. Mai ist der Entwurf für den neuen Bebauungsplan im Zuge der „frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange“ im Waldershofer Rathaus während der Dienstzeiten und auf der Homepage der Stadt einsehbar – und zwar bis zum 10. Juni. Die Bürger haben auch die Gelegenheit, sich über Ziele und Zwecke der Planung unterrichten zu lassen und Stellungnahmen abzugeben, die „gegebenenfalls berücksichtigt“ werden, wie Christoph Haberkorn von der Stadtverwaltung erläutert.

Der dann überarbeitete und mit den Trägern öffentlicher Belange – zu denen auch der Landkreis gehört – abgestimmte Vorentwurf soll am 24. Juni ein weiteres Mal im Waldershofer Stadtrat behandelt werden. Beschließt ihn das Gremium, dann findet eine erneute Beteiligung der Öffentlichkeit statt. Sollten in dieser Runde keine weiteren Stellungnahmen eingehen, dann kann schließlich – wiederum in einer Stadtratssitzung – ein Satzungsbeschluss über den Bebauungsplan erfolgen. „Vorgesehen ist ein Abschluss der Verfahrens im Spätsommer“, so Haberkorn am Freitag.

Wie für viele andere Unternehmen ist es für Cube nicht gerade einfach, Ingenieure und Entwickler zu rekrutieren. Firmen-Chef Marcus Pürner hat vor einiger Zeit in einem Gespräch mit der Frankenpost gesagt, dass hoch qualifiziertes Personal in einer Großstadt sicherlich einfacher zu gewinnen wäre. „Aber es gibt zum Glück immer wieder Leute, die auf die Großstadt verzichten, weil sie sich hier bei uns in ihrem Job verwirklichen können. Genau aus diesem Grund sind schon viele Mitarbeiter zu uns gekommen“, so Pürner.

Offenbar hat Cube die Coronakrise relativ gut überstanden. Die Händlertage (Showroom) konnten allerdings auch heuer nicht so stattfinden wie früher. Aufgrund der Pandemie präsentierte das Unternehmen die Neuheiten der kommenden Saison 2022 den Fahrradhändlern bereits im virtuellen Raum. Noch bis 2019 brachte der Showroom internationales Flair in die Kösseinestadt. Geschäftskunden aus fast allen europäischen Ländern und aus Übersee verbrachten jeweils mehrere Tage in Waldershof und testeten im Steinwald oder Fichtelgebirge Räder. Diese Veranstaltung stellt im Grunde die Weichen für die Produktion des kommenden Jahres.

Deutlich aufgewertet wird noch heuer der Waldershofer Kreisverkehr

Waldershof
Blick in die Laufrad-Produktion bei Cube.
Hintergrund:

800 Mitarbeiter

  • Das Unternehmen Cube wächst seit Jahren beständig. Im vergangenen Jahr hat die Waldershofer Fahrradschmiede weltweit 700.000 Fahrräder verkauft. Für dieses Jahr sind 850.000 Räder geplant. Gut möglich, dass im kommenden Jahr die Millionen-Marke fällt.
  • Am Standort Waldershof sind laut Firmensprecherin Marie Korzen aktuell rund 800 Mitarbeiter beschäftigt, davon rund 250 aus Tschechien.
  • 2020 hat die Cube-Muttergesellschaft einen Jahresumsatz von mehr als 500 Million Euro erzielt. Die Waldershofer sind Marktführer in Deutschland.

 

 

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