15.07.2019 - 17:45 Uhr
WaldershofOberpfalz

Cube bei der Tour de France: Der Star ist das Fahrrad

Mit Andreas Schillinger hat es der beste Oberpfälzer Radprofi nicht zur Tour der France geschafft. Die Oberpfalz ist während der drei Wochen dennoch in Frankreich vertreten. Radhersteller Cube geht mit einer "Geheimwaffe" an den Start.

von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Es ist schon der dritte Cube-Auftritt bei der Tour der France, und doch ist es diesmal etwas Besonderes. Pünktlich zum wichtigsten Radrennen der Welt haben die Waldershofer (Landkreis Tirschenreuth) mit dem "Litening C:68 X" ein neues Aero-Rennrad präsentiert - das derzeit schnellste der Welt, wie Marco Haas berichtet.

Das klingt nicht sehr bescheiden, aber der Cube-Marketing-Manager hat gute Argumente: 100 Stunden sei die Maschine im Windkanal getestet worden. "Natürlich haben wir uns dort auch die Werte der Konkurrenz angesehen", sagt Haas. Der Vergleich sei sehr zufriedenstellend ausgefallen. Das gelte auch in puncto Gewicht: 980 Gramm bringt der neue Cube-Rahmen auf die Waage. Laut Haas gebe es kaum ein anderes Aero-Modell, das es unter 1000 Gramm schafft. Denn bei diesen Rädern geht im Normalfall die Aerodynamik vor Gewichtoptimierung.

Gute Rückmeldung

Nicht zuletzt zeige die Reaktion der Profis des Wanty-Gobert Cycling Teams, dass sich die gut zwei Jahre Entwicklungszeit gelohnt haben. Seit sechs Wochen sitzen die Sportler des belgischen Teams auf ihren neuen Rädern, die Rückmeldungen seien durchweg positiv, sagt Haas. Und was dem Cube-Manager besonders gefällt: Auch andere Profi-Teams seien auf den Renner aus der Oberpfalz aufmerksam geworden. "Man merkt, dass sich die anderen im Fahrerlager unsere Räder genau ansehen."

Haas selbst hat diesen Respekt bemerkt, als er das Team beim Grand Départ in Brüssel besucht hat. Für ihn ist es Pflicht, beim großen Auftakt der Tour vor Ort zu sein. In den nächsten Tagen und wohl auch bei der letzten Etappe in Paris werden Cube-Vertreter das Team erneut besuchen. "Der direkte Kontakt ist wichtig. Die Erfahrung fließt in die Entwicklungsarbeit ein."

Natürlich sei es aber auch ein Erlebnis, bei einem der größten Sport-Events der Welt vor Ort zu sein. Im radsportverrückten Belgien gelte das um so mehr. "Als Eddy Merckx bei der Teamvorstellung die Bühne betrat, ist der ganze Platz völlig ausgeflippt", berichtet Haas aus Brüssel. Dass das Cube-Team dort eher eine Nebenrolle spielt, ist klar. Das Wanty-Gobert Cycling Team zählt als Pro-Continental-Team zur zweiten Liga des internationalen Radsports. Neben den 18 erstklassigen World-Tour-Teams haben die Tour-Organisatoren vier weitere eingeladen, Wanty ist das einzig nicht französische.

Dritte Einladung

Diese dritte Einladung in Folge haben sich die Belgier mit ihrer offensiven Fahrweise verdient. Auch in diesem Jahr überzeugen die acht Fahrer durch Angriffslust. Kaum eine Ausreißergruppe, in der kein Cube-Rad vertreten ist. Auf der siebten Etappe von Belfort nach Chalon-sur-Saône überzeugte der Franzose Yoann Ofredo die Jury mit einer 200-Kilometer-Flucht, so dass er als kämpferischster Fahrer des Tages ausgezeichnet wurde. Für das kleine Team sind solche Erfolge wichtig, Etappen- oder gar Gesamtsiege sind in der Tour de France eher unwahrscheinlich. Schließlich sind die drei Wochen auch für die besten Profis der Welt der Jahreshöhepunkt.

Ausgeschlossen sind Siege aber nicht. Gerade in der dritten Woche, wenn alle Fahrer müde werden, und es den großen Teams schwerer fällt, das Rennen zu kontrollieren, bekommen die kleineren Mannschaften ihre Chance. Haas nennt den Belgier Xandro Meurisse, der mit den Plätzen drei, sieben und acht schon bei drei Etappen in den Top Ten landete. Der Franzose Guillaume Martin ist zudem ein Kandidat für einen Ausreißercoup auf bergigen Etappen.

Um die Tour als Werbeplattform zu nutzen, seien Siege aber gar nicht nötig, verrät Haas. "Schon wenn einer unserer Fahrer in einer Ausreißergruppe unterwegs ist, merken wir, dass auf unsere Homepage mehr Nutzer zugreifen." Der Cube-Schriftzug auf dem Rad ist dann schließlich über Stunden live auf zig Fernsehkanälen weltweit zu sehen.

Ein Aufstieg in die erste Radsport-Liga ist für Cube nach bald fünf Jahren im Pro-Continental-Bereich nicht ausgeschlossen. Es sei nichts spruchreif, aber die Waldershofer sind mit verschiedenen Akteuren im Profiradsport in Kontakt, sagt Haas. Verschiedene Szenarien seien denkbar. Ein Erstliga-Rad hat Cube spätestens seit dieser Tour im Angebot.

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