15.06.2020 - 13:50 Uhr
WaldershofOberpfalz

Neue Wasserleitung zum Kösseinehaus

Der Fichtelgebirgsverein zieht die Lehren aus dem Hitzesommer 2018. Er sichert für 40.000 Euro die Versorgung in den nächsten Jahrzehnten.

Arbeit in schwierigem Gelände: Mit Bagger und Muskelkraft wird die Trasse für die Wasserleitung hinauf zum Kösseinehaus angelegt.
von Externer BeitragProfil

Um die Wasserversorgung für das im Jahr 1903 eingeweihte Kösseinehaus auf die nächsten Jahrzehnte und für kommende Generationen zu sichern, nimmt der Fichtelgebirgsverein (FGV) viel Geld in die Hand. Die etwa 50 Jahre alten, zum Teil aus Ton bestehenden Rohrleitungen werden für rund 40.000 Euro saniert. Zudem wurde bei dieser Gelegenheit bereits in den vergangenen Wochen die bisherige Notleitung ins Erdreich verlegt, um so für den Fall der Fälle auf der sicheren Seite zu sein.

Und um dauerhaft gesundheitlich unbedenkliches Trinkwasser auf dem Kösseinehaus anbieten zu können, wird zusätzlich noch eine neue Ultra-Filtrationsanlage im Kösseinehaus eingebaut. Sie ersetzt die bisherigen Einzelfilteranlagen. Inwieweit der Verein für diese Baumaßnahmen mit Zuschüssen rechnen kann, ist nach Auskunft von Birgit Schelter, die für den FGV-Hauptverein das Haus betreut, noch offen.

Mitten im laufenden Betrieb

Wie wertvoll Wasser sein kann, weiß man oft erst, wenn es fehlt. Dass die Wasserversorgung nicht überall und immer selbstverständlich ist, zeigte sich im Hitzesommer 2018 zur leidvollen Überraschung aller auf dem 939 Meter hoch gelegenen Kösseinehaus.

"Mitten im laufenden Betrieb kam kein Wasser mehr aus dem Hahn", erinnert sich die Wirtin Regina Rothenberger. Sie machte sich zusammen mit ihrer Mannschaft unverzüglich auf die Suche, was wohl los sei. Denn eigentlich hat das Kösseinehaus ein Frühwarnsystem, wenn der Stand im Wasserbehälter auf dem Gipfel unter eine bestimmte Marke sinkt.

Frühwarnsystem defekt

"Ein Unglück kommt ja bekanntlich selten allein", erzählt die Wirtin. "Das Frühwarnsystem war defekt und das Kösseinehaus, das an schönen Tagen von bis zu 500 Gästen besucht wird, ohne Wasser." Dank unkomplizierter Hilfe des FGV, der Stadtwerke Wunsiedel und der Freiwilligen Feuerwehr Wunsiedel konnte rasch eine gut 200 Meter lange provisorische Leitung zum Wasserhaus - rund 400 Meter unterhalb der Kösseine - gelegt werden.

Mehrmals musste die Feuerwehr über diese Notleitung Wasser in den Behälter füllen, damit über das Anforderungssystem beim Kösseinehaus das Wasser bei Bedarf in den Behälter gepumpt werden konnte und somit der Betrieb gesichert war.

Erklären konnte es sich 2018 jedoch zunächst niemand, wo das Wasser aus den Quellzuleitungen geblieben war. Denn die Quelle schüttete Wasser, wenn auch hitzebedingt für den Bedarf zu spärlich.

"Interessant ist es zu wissen, dass das Kösseinehaus als Unterkunftshaus des Fichtelgebirgsvereins nie an das öffentliche Wasserversorgungsnetz angeschlossen wurde", so Birgit Schelter. Dies heutzutage nachzuholen würde mit einem siebenstelligen Eurobetrag zu Buche schlagen, was für den Fichtelgebirgsverein nicht umzusetzen sei. Damit stand außer Frage, dass der FGV hier in Sachen Wasserleitung und -zufuhr anderweitig tätig werden musste.

Im Folgejahr 2019 kümmerten sich Harry Panzer und Birgit Schelter gemeinsam um das Wasserhaus und die Versorgung des Kösseinehauses. Mehrmals in der Woche erfolgte nach Feierabend oder am Wochenende ein Blick in den Wasserbehälter; der Wasserstand wurde dann an die Wirtin gemeldet. So konnte man bei sinkendem Wasserstand jederzeit gegensteuern und das Nötige veranlassen.

Wasser versickerte im Erdreich

Eine Hydrogeologin stellte währenddessen im Frühjahr 2019 fest, dass die Quellen an und für sich genügend Wasser führen. Birgit Schelter, die unzählige Arbeitsstunden im Gebiet um das Wasserhaus verbrachte, bemerkte dann im Sommer 2019, dass eine der Quellzuleitungen zum Wasserbehälter offenbar nicht mehr genug Wasser beziehungsweise gar kein Wasser mehr schüttete. Sie machte sich auf die Suche nach den Fassungsbehältern im Wald, von denen niemand mehr so wirklich die genaue Lage wusste, und wurde fündig. Harry Panzer veranlasste daraufhin durch Fachfirmen genauere Untersuchungen.

Kamerabefahrungen brachten das Ergebnis, dass eine Leitung im Laufe der Jahre vermutlich durch Erdbewegungen, Wurzelwerk und Witterung zusammengebrochen war und das Wasser im Erdreich versickerte.

Infobox:

Weniger als der Gegenwert eines Seidels Bier im Monat

Bei der Sicherung der Wasserversorgung des Kösseinehauses war für den Fichtelgebirgsverein guter Rat teuer – im besten Wortsinn. Schließlich entschlossen sich die Verantwortlichen, die Sanierung der Wasserleitung anzupacken und die Weichen für die Zukunft des Kösseinehauses zu stellen. Als FGV-Mitglied könne man einen Beitrag dazu leisten, so Schelter, und zwar "für weniger als den Gegenwert eines Seidels Bier im Monat".

Die provisorische Leitung zum Wasserhaus wird ins Erdreich verlegt.
Mit Bagger und Muskelkraft wird die Trasse für die Wasserleitung hinauf zum Kösseinehaus angelegt.
Ein Blick in den Wasserbehälter bei normalem Wasserstand.
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