06.09.2020 - 15:26 Uhr
WaldershofOberpfalz

Oberpfälzisch-fränkische Rad-Connection

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Das Team Schamel will die belgisch-holländische Dominanz im Cyclocross brechen. Dazu nutzt es Räder aus Waldershof.

Die jungen Athleten des Team Schamel freuen sich auf die Rennen mit den Cube-Rädern.
von Autor FPHProfil

Wenn in den belgischen Kleinstädten die Radcrosser ihre Runden drehen, ist es weit mehr als ein Radrennen. Cyclocross, wie der in Deutschland kaum bekannte Sport heißt, garantiert Volksfeststimmung im Land der Fritten. 50 000 ausgelassen feiernde Zuschauer an der Strecke sind keine Seltenheit. Bislang machen die Fahrer aus Belgien, den Niederlanden oder Nordfrankreich die Meisterschaften in aller Regel unter sich aus. Vielleicht steht jedoch in einigen Jahren der ein oder andere Fahrer aus Franken auf dem Podium und hält ein Cube-Fahrrad aus Waldershof in die Höhe.

Cube stattet das erste deutsche Cyclocross-Team, das mit einer Lizenz des Weltverbandes UCI fährt, mit Rädern aus. Vor einigen Tagen war das Radteam in Waldershof, bevor es weiter ins Trainingslager nach Belgien fuhr.

Keine einfachen Verhandlungen

In Belgien begann auch die Liaison zwischen den Oberpfälzern und Franken. "Ich habe in einem Café zufällig Marko Haas von Cube getroffen, und so kamen wir ins Gespräch", erzählt Team-Gründer Stefan Herrmann aus Baiersdorf. Haas, der bei Cube für das Marketing zuständig ist und häufig in den Benelux-Ländern geschäftlich unterwegs ist, war sofort interessiert. Nach mehreren Gesprächen haben sich beide Partner geeinigt. "Die Verhandlungen waren coronabedingt nicht so einfach", sagt Haas.

So haben sich die Beteiligten überwiegend in Videokonferenzen getroffen und sich erst vor wenigen Tagen in Waldershof das erste Mal seit Monaten wieder gesehen. Mit der Vertragsunterzeichnung stattet Cube außer dem Straßenrennteam Wanty-Gobert aus Belgien, das mehrere Jahre bei der Tour de France am Start war, mehreren Mountainbikern und Triathleten nun auch erstmals ein Cyclocross-Team aus. Team-Gründer und Manager Herrmann zeigte sich bei seinem Besuch in Waldershof beeindruckt: "Ehrlich gesagt, hätte ich es mir das Unternehmen nicht so groß vorgestellt."

Es ist die Abwechslung, die mich fasziniert. In dem kurzen Rennen geht man an die Belastungsgrenzen. Dazu kommen die anspruchsvolle Fahrtechnik und das Ausreizen des Materials.

Jasper Pahlke

Der belgisch-holländische Volkssport hat nach Ansicht von Haas und Herrmann auch in Deutschland Potenzial. So wird es den Zuschauern entlang des etwa zwei bis drei Kilometer langen Rundkurses mit reichlich Matsch- und Treppen-Passagen nie langweilig. An Cyclocross als Trendsport glaubt auch der dritte im Bunde, Hauptsponsor und Namensgeber Matthias Schamel. Er leitet in sechster Generation das größte Meerrettich-Imperium Europas. "Meerrettich hat jetzt gewiss nicht den hippesten Ruf, muss sich aber sicherlich nicht vor dem Ingwer verstecken. Wir wollen für eine jüngere Zielgruppe attraktiv werden und vor allem unsere Marke verjüngen." Hierzu passe Cyclocross ideal. "Radsport ist ja vor allem für Kinder und Jugendliche interessant."

Umstieg auf Gras- und Matschpiste

Jung sind auch die Athleten, die künftig mit Cube-Cyclocross-Rädern über die belgischen Rundkurse brettern. Mit Judith Krahl, der deutschen Cyclocross-Meisterin der U23, ist auch eine Frau im Team. Die Brandenburgerin kommt aus dem Straßenradsport, ist aber mittlerweile auf die Gras- und Matschpiste umgestiegen und hat es nicht bereut. "Früher bin ich nur im Winter Cross gefahren, da lag es nahe, mich dem fränkischen Team Schamel anzuschließen." Beim Cyclocross sei die Taktik weniger wichtig als beim Straßenradrennen. "Man gibt eben eine knappe Stunde Vollgas, und das war's." Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht, wie sie hinzufügt, aber die Action reize eben.

Dies sehen auch die übrigen Athleten so, die in Waldershof mit Räder ausgestattet und eingekleidet worden sind. Jasper Pahlke aus Hamburg ist sein erstes Cross-Rennen mit dem Mountainbike gefahren. "Es ist die Abwechslung, die mich fasziniert. In dem kurzen Rennen geht man an die Belastungsgrenzen. Dazu kommen die anspruchsvolle Fahrtechnik und das Ausreizen des Materials."

Dass Cross im Kommen ist, zeigt auch ein Blick auf den Fahrradmarkt. Vor allem der Trend der Gravelbikes, die technisch mit den Cyclocross-Rädern nah verwandt sind, hat die Cube-Verantwortlichen davon überzeugt, sich auch in dieser Sportart zu engagieren. "Wir sind stolz, Sponsor des ersten deutschen UCI Cyclocross-Teams zu sein. Wir bieten dem Team die Möglichkeit, auf einem Worldcup-erprobtem CX Race Bike Rennen zu bestreiten", sagt Marko Haas.

Die jungen Athleten haben die Räder in den vergangenen Tagen auf den anspruchsvollen Rundkursen in Belgien getestet. Wann die ersten Rennen stattfinden, ist wegen Corona noch nicht klar. Irgendwann werden die Franken mit den Oberpfälzer Rädern am Start stehen. Dann wollen sie es den etablierten Cyclocrossern zeigen.

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