03.11.2021 - 15:08 Uhr
WaldershofOberpfalz

Richtiges Verhalten bei Wildunfällen

Um Zusammenstöße zu vermeiden, sollten Autofahrer bremsbereit und mit angepasster Geschwindigkeit fahren. Was nach einem Unfall zu tun ist, weiß Ludwig Heining vom ADAC.

Der Alptraum eines jeden Autofahrers: Plötzlich taucht ein Reh vor einem fahrenden Auto auf.
von Konrad RosnerProfil

Früher einsetzende Dunkelheit, plötzlicher Nebel, Blätter auf regennassem Asphalt - im Herbst lauern zahlreiche Gefahren für Autofahrer. Vor allem die Zahl der Wildunfälle steigt oft drastisch an. Dem Deutschen Jagdverband zufolge gab es 2019/20 alleine in Bayern insgesamt rund 57 500 Wildunfälle, was einem leichten Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren entspricht.

Neben verletzten und getöteten Tieren sowie Sachschäden an den Fahrzeugen gibt es bei Unfällen auch immer wieder verletzte und tote Menschen, wie aus den Zahlen des Bundesamtes für Statistik deutlich wird. 2020 wurden 2322 Unfälle mit Personenschaden infolge von Wild auf der Fahrbahn ausgewiesen, alleine in Bayern waren es 458. Die meisten Zusammenstöße gab es mit Rehen, aber auch Unfälle mit Wildschweinen sind häufig.

Um Wildunfälle zu vermeiden, so Ludwig Heining aus Waldershof, stellvertretender Vorsitzender des ADAC Nordbayern, sei ständige Bremsbereitschaft, besonders in Waldabschnitten und an Feldrändern wichtig. "Dies gilt vor allem in den Morgen- und Abendstunden. Entdeckt man ein Tier am Straßenrand, empfiehlt es sich, langsamer zu fahren oder ganz abzubremsen, denn die Tiere können die Geschwindigkeit nicht einschätzen und springen gegebenenfalls unmittelbar vor das Auto." Weiter rät er: "Taucht ein Tier am Fahrbahnrand auf, sollte man unbedingt das Fernlicht ausschalten. Denn dieses grelle Licht macht die Tiere orientierungslos."

Voll bremsen

Auch die Geschwindigkeit sollte verringert werden, sobald ein Wildtier entdeckt wird. "Wer mit Tempo 80 statt mit 100 fährt, verringert den Bremsweg bereits um 25 Meter", erklärt Heining. "Lässt sich ein Aufprall dennoch nicht verhindern, sollte man auf keinen Fall versuchen auszuweichen, sondern voll bremsen und die Spur halten." Ein unkontrolliertes Ausweichmanöver könne schlimmstenfalls an einem Baum oder gar im Gegenverkehr enden.

Sollte es zu einem Wildunfall gekommen sein, rät Heining den Autofahrern, die Warnblinkanlage ihres Autos einzuschalten, die Warnweste anzuziehen und die Unfallstelle zu sichern. "Verletzte Tiere sollte man auf keinen Fall anfassen, da diese natürlich aggressiv reagieren könnten." Ein totes Tier sollte nach Möglichkeit auf den Randstreifen gezogen werden, um Folgeunfälle zu vermeiden. "Dazu sollte man auf jeden Fall Handschuhe anziehen, da ansonsten Krankheiten übertragen werden könnten."

Meldepflicht

Darüber hinaus besteht in Bayern eine Meldepflicht für Wildunfälle. Es muss immer die Polizei informiert werden, die dann den lokalen Jäger verständigt. Von diesem erhält man auch eine Wildschadenbescheinigung, die für die Schadensregulierung bei der Versicherung benötigt wird. Ebenso wichtig: Angefahrenes Wild darf auf keinen Fall mitgenommen werden. Ansonsten droht eine Anzeige wegen Wilderei.

Wildschäden am Auto sind durch die Teilkasko abgesichert. Dazu gehören Zusammenstöße mit Haarwild, beispielsweise einem Wildschwein, Reh oder Hirsch, aber auch Fuchs und Hase. Unfälle mit Vögeln oder Haustieren sind in dieser Versicherung nicht enthalten. Ein Schadensersatzanspruch gegenüber dem Jagdpächter oder Waldbesitzer besteht in der Regel nicht.

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BesserWissen
Hintergrund:

ADAC Nordbayern

  • Der ADAC Nordbayern ist einer von 18 Regionalclubs des ADAC mit Sitz in Nürnberg und zählt aktuell knapp 1,2 Millionen Mitglieder.
  • Er unterhält eine nordbayernweites Netz aus Geschäftsstellen und Reisebüros.
  • Zudem betreibt er ein Prüfzentrum in Fürth und ein Fahrsicherheitszentrum in Schlüsselfeld.
Ludwig Heining aus Waldershof, stellvertretender Vorsitzender des ADAC Nordbayern, gibt Tipps zum richtigen Verhalten bei Wildunfällen.
Wildschwein, Hirsch oder Reh sind derzeit wieder verstärkt unterwegs.

 

 

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