14.05.2021 - 12:26 Uhr
Waldkirch bei GeorgenbergOberpfalz

Waldkirch früher eigene Pfarrei

Die unter Denkmalschutz stehende Kapelle St. Johannes Baptist wurde 1821 errichtet. Der Oberbernriether Georg Schmidbauer hat die Geschichte des Kirchleins erforscht.

Die Kapelle St. Johannes Baptist ist 200 Jahre alt.
von Josef PilfusekProfil

Sie fristet ein recht einsames Dasein, steht aber in der Denkmalliste: die katholische Kapelle St. Johannes Baptist im Georgenberger Ortsteil Waldkirch. Eigentümerin des Kirchleins ist die Gemeinde. Beschrieben wird sie in der Denkmalliste als Saalbau mit Steildach, vierseitig geschlossen, Westturm mit Zwiebelhaube über Portalvorhalle, mit Ausstattung. Errichtet worden ist das unmittelbar neben der Filialkirche St. Josef stehende Kirchlein 1821, also vor 200 Jahren.

Unter Denkmalschutz

Am 14. August 1841 wurde mit Erlaubnis des Bischöflichen Ordinariats die Dorfkapelle benediziert, weiß Heimatforscher Georg Schmidbauer. Ab diesem feierten die Priester mit den Gläubigen Votivmessen. Und an den Bitttagen der Kreuzwoche ging das Kreuz nach Waldkirch. Geweiht ist die Kapelle dem Heiligen Johannes dem Täufer und steht seit Jahren unter Denkmalschutz. An der Stelle der jetzigen Kapelle dürfte früher eine größere Kirche gestanden sein. In Spuren ist noch ein Friedhof zu sehen, der diese umgeben hatte. Die drei Grabplatten aus Granit im romanischen Stil stammen wohl aus dem 12. oder 13. Jahrhundert.

Bereits 1276 hatte das Kloster Waldsassen einen Waldbezirk bei Waldthurn erworben. Der Klosterhof Waldkirch wird dann erstmals 1290 urkundlich erwähnt. Im 14. Jahrhundert gehörten zur Vogtei Waldkirch 16 Ortschaften. Mit der Geschichte der ehemaligen Pfarrei Waldkirch von 1352 bis 1524 hat sich auch Schmidbauer eingehend befasst. Nach den Recherchen des in Oberbernrieth lebenden Chronisten baute das Kloster Waldsassen zur Sicherstellung der Seelsorge für seine Untertanen in Waldkirch auch ein Gotteshaus, das von einem Friedhof umgeben war. Zur eigenen Pfarrei wurde Waldkirch kurz nach 1350; denn in den beiden ältesten Pfarreiverzeichnissen der Diözese Regensburg von 1326 und 1350 ist noch nichts erwähnt.

Lesen Sie hier einen weiteren Bericht über die Forschungsergebnisse von Georg Schmidbauer

Waldthurn

Die Erhebung zur Pfarrei steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Verkauf von Fahrenberg, Bernrieth und Waldkirch im Jahre 1352. Infolge wirtschaftlicher Schwierigkeiten musste das Kloster neben anderen Besitzungen die genannten Orte an die Nachfolger der Waldthurner, nämlich die Herren von Waldau, verkaufen. Da sich das Kloster zurückzog, wurde nun Waldkirch zur Pfarrei erhoben. Einen Beweis für die Existenz der Pfarrei Waldkirch liefert Pfarrer Brunner (von 1650 bis 1658 Pfarrer von Lennesrieth), wenn er schreibt: „Ich berichte, dass diese mir anvertraute Pfarr Lennesrieth vor alters in unterschiedliche Pfarreien zerteilt gewesen ist; nun können aber die Wäldner vor alters der Pfarr Lennesrieth nit incorporirt gewesen sein; denn man weiß und sieht noch, dass die Wäldner zu Waldkirch und Bernrieth Kirchen und Friedhöfe gehabt haben, woraus ersichtlich, dass sie entweder durch einen eigenen Pfarrer oder durch Mönche aus dem Kloster zu Fahrenberg sind versehen worden.“

Weiterer Beweis

Ein weiterer Beweis ist laut Schmidbauer, dass Dobberhozz von Waldau auf Waldthurn vor seinem Tode 1396 600 fl zu den vier Kirchen in seiner Herrschaft verschaffte, nämlich Lenhardsreuth, Bernrieth, Waldkirch und Fahrenberg, wo sich überall ein Priester und ein Friedhof befanden. Und schließlich ist im Lobkowitzischen Salbuch von 1666 zu lesen: „Zu Waldkirch hat die Herrschaft das Marktrecht, woselbst eine Kirche St. Johannis mit einem gemauerten Kirchhof umfangen gestanden, welche aber schon vor langen Jahren zugrunde gegangen und bisher aus Mangel an Mitteln wüst gelassen worden.“

„Wir können heute allerdings den Untergang des Waldkirchner Gotteshauses und damit auch das Ende der Pfarrei exakt bestimmen“, weiß Schmidbauer. „Im Rahmen eines Bauernaufstandes, ausgelöst durch Predigten des Oberlinder Pfarrers Ulrich von Waldthurn zu Kaimling, erstürmten 1524 etwa 1000 Bauern nicht nur die Burg Waldau, sondern zerstörten auch das Kloster auf dem Fahrenberg und die Kirchen zu Bernrieth und Waldkirch.“

Die drei Grabplatten aus dem 12. oder 13. Jahrhundert weisen auf einen früheren Friedhof hin.
Der Innenbereich der Kapelle St. Johannes Baptist

„Wir können heute den Untergang des Waldkirchner Gotteshauses und damit auch das Ende der Pfarrei exakt bestimmen.“

Georg Schmidbauer

 

 

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