26.04.2021 - 14:36 Uhr
WaldthurnOberpfalz

Als in Waldthurn noch „grünes Gold“ angebaut wurde

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In Waldthurn erinnern noch die Siedlung „Hopfengarten“ sowie der Flurname „Am Hopfenackerl“ an eine spezielle landwirtschaftliche Nutzung. Die lange Tradition des Hopfenanbaus erforscht Heimatpfleger Georg Schmidbauer.

Die Siedlung "Hopfengarten" in Waldthurn weist auf den Anbau des "grünen Goldes" hin.
von Franz VölklProfil

„Der Hopfenanbau wurde auch von der Flurbereinigung im ‚Hopfenackerweg‘ aufrechterhalten“, sagt Heimatpfleger Georg Schmidbauer. Neben dem Brot rechnete man früher das Bier zu den wichtigsten Nahrungsmitteln. Gerade in Waldthurn hat das Brauwesen eine sehr lange Tradition. Bereits im Lehenbrief von 1390 verlieh Landgraf Johannes von Leuchtenberg seinem „festen, getreuen Hofmeister Tobias von Waldau zu Waldthurn und seinen Erben“ unter anderem das Tafernrecht, das heißt, das Recht, Bier auszuschenken sowohl zu Lennesrieth als auch in der ganzen Pfarrei, „also dass daselbst soll niemand trinken als mit ihrem guten Willen.“ So wurde also schon damals in Waldthurn Bier gebraut.

Heimischer Hopfen

Das Brauhaus war ursprünglich im Besitz der Gemeinde, die es aber dann der Herrschaft übereignete. Es gab ein braunes und ein weißes Brauhaus, und in allen Wirtschaften der Herrschaft Waldthurn von Letzau bis Georgenberg durfte nur Waldthurner Bier ausgeschenkt werden. Zum Bierbrauen brauchte man natürlich Hopfen. So unwahrscheinlich es heute klingen mag: Der Hopfen wurde vor Ort selber angebaut. Bereits 1536 ist in Waldthurn ein Hopfengarten bezeugt. Mit Rücksicht auf den hohen Preis des ausländischen, vor allem aus Böhmen kommenden Hopfens ermunterten die Landesherrn ihre Untertanen zum vermehrten Anbau des „grünen Goldes“.

Brauwesen in Waldthurn hat lange Tradition

So gab am 14. März 1750 der bayerische Kurfürst Maximilian III. Joseph an die Pflegämter Tännesberg und Burgtreswitz die Weisung, den Anbau von Hopfen den Untertanen angelegentlich zu empfehlen. Dieses Anliegen verfolgten natürlich auch die Herren von Waldthurn, die Fürsten von Lobkowitz. So erteilte die lobkowitzische Regierung für die gefürstete Grafschaft Störnstein-Neustadt und die Reichherrschaft Waldthurn folgende Anordnung im „Christmonat“ 1799: „Es wird missfällig wahrgenommen, wie sehr der Hopfenanbau vernachlässigt wird, und dass diese Untätigkeit vom Mangel an den notwendigen Stangen herrührt. Dieses Hindernis ist aber unbegründet."

Anbau "vermehrt inländischen Reichtum"

Und weiter: "Bier ist in unserem Lande das Hauptgetränk, das Bierbrauen ist eines der ersten Gewerbe, und zum Brauen ist Hopfen unentbehrlich. Deshalb vermehrt der Hopfenanbau den inländischen Reichtum. Daher ordnen wir an, dass alle Beamten ihren Untergebenen den Nutzen des Hopfenanbaus kundmachen und sie zur Anlage von Hopfengärten ermuntern. Die Forstbehörden haben Anweisung, genügend Stangen bereitzustellen. So muss unserem Neustädter Oberamt und dem Richteramt Waldthurn pflichtgemäß daran gelegen sein, den inländischen Hopfenanbau zu fördern und zu verbreiten.“

Die benötigten Hopfenstangen wurden unentgeltlich aus den fürstlichen Waldungen abgegeben. Richtig in Schwung aber kam der Hopfenanbau vor allem wegen des rauen Klimas bei uns nie, und so wurde er im Verlauf des 19. Jahrhunderts bei uns überall aufgegeben.

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Die Siedlung "Hopfengarten" in Waldthurn deutet den früheren Hopfenanbau in der Gemeinde an.

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