02.08.2018 - 11:34 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Älteste Ganzkörper-Reliquie

Das Heilige-Leiber-Fest wird diesen Sonntag in der Basilika Waldsassen gefeiert. Dieses Jahr steht sogar ein Jubiläum besonderer Art an.

Beim Fest der Heiilgen Leiber in der Basilika am Sonntag gibt es sogar ein Jubiläum zu würdigen.
von Autor TMLProfil

Vor 330 Jahren ist dem Kloster mit den Gebeinen des Heiligen Deodatus die älteste Ganzkörper-Reliquie gewidmet worden. Über den Erwerb der Reliquie hat sich im Pfarrarchiv sogar noch die entsprechende Original-Urkunde auf Pergament vom 25. Mai 1688 erhalten, ausgestellt von dem Regensburger Domherrn Dr. Ignatius Plebst und versehen mit einem stattlichen Wachssiegel.

Zuerst am Bernhardsaltar

Nachdem im Frühjahr 1689 mit dem Neubau der Stiftskirche begonnen wurde, erhielt der Reliquienschatz vorerst einen Platz in der Hauskapelle. Nachdem die Stiftskirche 1704 eingeweiht und in der Folgezeit noch weiter ausgestattet wurde, erhielt auch der Heilige Deodatus zunächst seine Präsentation auf dem Bernhardsaltar.

Dazu wurde 1721 die Landgerichtssekretärs-Gattin Magdalena Sinner in Amberg beauftragt, die filigrane Fassung der Knochenteile vorzunehmen. Beim Jubiläum des Klosters 1733 wurde der Schrein mit den Gebeinen von St. Deodatus im Festzug mitgeführt und von Fackelträgern begleitet.

Kunstvolle Fassung

In der Folgezeit erwarb das Zisterzienserstift unter Abt Eugen Schmid bis 1744 noch weitere fünf solcher Ganzkörper-Reliquien, teils mit den Blutgefäßen, wobei die kunstvolle Fassung für die Seitenaltäre nun allesamt dem ordenseigenen Frater Adalbert Eder (1707 - 1777) übertragen wurde. Als man 1756 unter Abt Alexander Vogel das Heilige-Leiber-Fest etablierte, verfügte die Stiftskirche bereits über acht solcher Reliquien, außerdem waren noch zwei Heilige Leiber in der Gnadenkapelle in Tirschenreuth eingefügt und präsentiert worden, die auch Frater Eder aufbereitet hatte.

Wenig später stieg die Zahl in Waldsassen sogar auf zehn und es erfolgte eine teilweise Umgruppierung in der Stiftskirche. Bei einem Vergleich zwischen der schlichten Arbeit von Magdalena Sinner mit dem Leib des Heiligen Deodatus gegenüber den geradezu klassischen Arbeiten von Frater Eder ist ein deutlicher Unterschied dahingehend festzustellen, dass Frater Eder zweifellos der fähigere und versiertere Fachmann gewesen sein muss, obgleich er eigentlich Autodidakt gewesen sei, wie es heißt. Dank der Kontinuität im kirchlichen Bereich des Stiftlandes haben sich die Heiligen Leiber der Basilika bis heute in der angestammten Fassung erhalten, wenngleich die barocken Samt- und Seidenstoffe in der Urfassung durch das Tageslicht und die UV-Strahlung erkennbar ausgebleicht worden sein dürften. Doch dies sollte dem verehrungswürdigen Status bzw. der überkommenen Reliquienverehrung keinen Abbruch tun.

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