16.04.2019 - 12:54 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Amateurfunk vom höchsten Berg Nordbayerns

Aktiv vom Schneeberg auf 1051 Meter: Zum 40. Geburtstag des Ortsverbands Stiftland im Deutschen Amateur Radio Clubs (DARC) mit Sitz in Waldsassen starteten engagierte Mitglieder ein besonderes Projekt. Und das bisher anspruchsvollste.

Den höchsten Berg Nordbayerns hatten sich die Stiftland-Amateurfunker für die jüngste Aktion im Jubiläumsjahr ausgesucht.

"Ich hatte mir den Weg wie zur Kappl vorgestellt", so Vorsitzender Manfred Meier über die Überraschung bei dem anstrengenden Trip. Die Strecke sei mehr als doppelt so lang und teilweise erheblich steiler gewesen als die Tour von Waldsassen zur Dreifaltigkeitskirche. Der DARC-Ortsverband Stiftland wurde am 3. November 1979 gegründet. Seit 2010 stehen immer wieder portabler Funkbetrieb unter Notfunkbedingungen auf dem Programm.

Waldsassen

"Rund 200 Aktivitäten mit mehr als 40.000 Verbindungen konnten die Funkamateure abwickeln", erklärt Meier.

Kürzlich traf sich die Truppe bei Bischofsgrün für das nächste ehrgeizige Ziel. "Der höchste Berg Nordbayerns, der Schneeberg mit 1051 Meter, ist an sich natürlich ein schöner Spaziergang", so Meier. Doch mit rund 160 Kilometer Gepäck könnten die teilweise sehr anspruchsvollen drei Kilometer zum Gipfel ganz schön anstrengend werden.

Das vierköpfige Team um Felix Saalfrank (Rufzeichen DO5DKW), Josef Zeitler DL6JOS, Konrad Schuller DH6RAE und Manfred Meier DF6EX war morgens gestartet. "Die Wettervorhersage war zwar optimal für diesen Tag, war aber nicht ganz so eingetroffen."

Oben angelangt begannen die Amateurfunker mit dem Aufbau der Stationen. "An drei Standorten versuchten wir, etwas räumlich getrennt, auf drei Kurzwellen-Bändern gleichzeitig unser Glück." Punkt 10 Uhr – gut zwei Stunden nach dem Start der Aktion – erschienen die Funker erstmals im Äther.

Wo liegt der Reiz daran? Diese Frage beantwortet Meier so: "Amateurfunk hat keine feste Gesetzmäßigkeit. Die Reichweiten sind häufig von Tagesbedingungen abhängig, ebenso spielt die Jahreszeit eine Rolle." Zudem seien die Ausbreitungsbedingungen vom Sonnenfleckenzyklus in einem Intervall von etwa 11 Jahren beeinflusst. "Ziel ist es, trotz dieser stets vorhandenen veränderlichen Umgebungsparameter mit möglichst geringem Aufwand ein gutes Ergebnis zu erzielen und möglichst vielen Stationen eine Verbindung zu ermöglichen."

Auf drei verschiedenen Kurzwellenbändern waren die Funker gleichzeitig aktiv und versuchten ihr Bestes, auch wenn es zeitweise extrem kalt wurde: "In den oberen Waldbereichen lagen teilweise noch bis zu 30 Zentimeter Schnee."

"Viele Wanderer und Radfahrer kamen vorbei, zahlreiche interessante Gespräche kamen zustande", so Meier über den Verlauf des Tags weiter. "Nach rund 4,5 Stunden Kommunikation sowohl an den Funkgeräten wie auch direkt mit den Besuchern packten wir unsere Sachen für den Rückweg."

65 Kilo alleine wog bereits die Stromversorgung – bestehend aus drei Batterien mit mehr als 200Ah Gesamtkapazität. Für alle Eventualitäten hatte die Gruppe rund 10 verschiedene Eigenbau-Antennen dabei, außerdem drei komplette Kurzwellen-Stationen.

"Mit rund 330 Verbindungen in mehr als 50 Länder konnten wir den Heimweg antreten", berichtet Meier weiter. Der Weg abwärts habe sich als fast genauso anstrengend erwiesen: "Der Abtrieb der drei umgebauten Transportkarren war enorm." Im Gegensatz zum Aufstieg sei die eher die Wadenmuskulatur gefordert gewesen. "So hat der Ausflug neben der Kommunikation auch noch einen positiven Fitness-Aspekt."

Infobox:

Auf Kurzwelle ist der exponierte Standort nicht unbedingt ein Vorteil. Während im UKW und UHF-Bereich "je höher desto besser" gilt – deshalb sind Fernseh-Umsetzer und Nachrichten-Einrichtungen dort platziert – spielen auf den klassischen Kurzwellenbändern auch die Umgebung wie die Bodenbeschaffenheit mit hinein. Die größeren Distanzen werden in sogenannten Hops, Reflektionen an Schichten der Ionosphäre erzielt. Nur so lassen sich Distanzen nach USA oder Japan überbrücken.

Manfred Meier beim Funken auf dem Schneeberg.
Die Amateuerfunker Josef Zeitler, Konrad Schuller und Felix Saalfrank (von links).

Die Stiftland-Amateurfunker im Internet

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