17.12.2018 - 17:35 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Auswendig von Anfang bis Ende

Der Spendenerlös der „Heiligen Nacht“ mit Willi Pröls und „Z’sammg’stimmt“ ist für die Reinigung der Orgel gedacht. „Uns stehen 60 000 Euro an Kosten dafür ins Haus“, verrät Stadtpfarrer Thomas Vogl in der Stiftsbasilika.

Die Tradition, die „Heilige Nacht“ auswendig vorzutragen, hat der Waldsassener von seinem Vater übernommen, erzählt Willi Pröls zu Beginn der adventlichen Veranstaltung in der Stiftsbasilika.
von Werner RoblProfil

"Wenn Sie etwas übrig haben, geben Sie davon", bittet der Seelsorger wenige Augenblicke vor Beginn der Aufführung der "Heiligen Nacht" um Spenden. Nach den umfangreichen Kirchen-Sanierungsarbeiten sehe sich die Pfarrei veranlasst, zudem auch die Reinigung der Basilika-Orgel in Auftrag zu geben. Der adventliche Abend mit dem Waldsassener Willi Pröls und den Sängerinnen aus Luhe wird damit zu einer Benefizveranstaltung. Zudem verspricht Pfarrer Vogl einen adventlichen und einen weihnachtlichen Teil zu Beginn und am offiziellen Programm-Ende.

Die Sopran- und Altistinnen, Rita Gleißner, Ulrike Schwab und Resi Lorenz, die sich auch selber mit ihren Instrumenten begleiten, haben eine "eingebettete Zugabe, passend zur Vorweihnachtszeit" vorbereitet. In den Mittelpunkt aber rückt die "Heilige Nacht" von Ludwig Thoma, vorgetragen von Willi Pröls. An Weihnachten 1956 erzählte der gebürtige Landshuter beim "Papierer" erstmals die bekannte Geschichte. Ludwig Thoma schrieb sie 1916, in den Wirren des Ersten Weltkrieges. Das Stück erzählt von der Heiligen Familie, die auf Herbergssuche ist.

Lesebuch sicherheitshalber

Im Mittelpunkt steht die Geburt Jesu, wie sie vom Evangelisten Lukas in der Bibel erzählt wird. Das Besondere an Willi Pröls' mimischem und betont kräftigem Vortrag: Der 87-Jährige trägt die Zeilen absolut frei vor. Er kennt die "Heilige Nacht" von Anfang bis Ende auswendig. In sein vorsorglich mitgebrachtes Ludwig-Thoma-Lesebuch wirft er nur sicherheitshalber - und auch das nur ein einziges Mal - einen Blick hinein. Daraus vortragen wird er nicht.

Eine Sprechprobe reicht den Protagonisten. Das Mikrofon wird noch einmal zurechtgerückt, dann erhebt er die Hände und entführt sein Publikum hinein in die versprochene "Heilige Nacht". Dem Erzählfluss gönnt er nur wenige Pausen. An ausgesuchten Stellen lässt das Gesangstrio aus der Oberpfalz seine Stimmen verstummen. Manchmal haben auch "nur" die Blockflöten das "Sagen".

"Staade Zeit" ist jetzt da

Das Publikum lehnt sich in den Kirchenbänken zurück. Der Sprecher fährt fort und erzählt mit gekonnter Sicherheit weiter. Mit einem Mal ist die "staade Zeit" an diesem 3. Advent, den man auch Gaudete nennt, wirklich angebrochen. Aufmerksam lauscht das Publikum den Darbietungen, die Pröls, wenn er an der Reihe ist, mit stimmlicher Kraft und gestenreich zu einem nachhaltigen Ereignis werden lässt.

Mit einem leichten Kopfnicken verweist der Sprecher auf das nahende Ende eines rund 90-minütigen Erzählabends. Danach setzt sich Pröls bescheiden auf seinen Platz in der Kirchenbank zurück. Dass er mit seiner erzählten Version der Weihnachtsgeschichte allen eine große Freude bereitet hat, weiß der Waldsassener, der die Stellen bereits über 100 Mal zitiert hat. Die Tradition, die Geschichte frei vorzutragen, habe er von seinem Vater übernommen, hatte die schlanke, hochgewachsene "Institution" Waldsassens bereits zu Beginn in der Basilika erklärt.

Der Abend endete mit einem Schlaflied, das "Z'sammg'stimmt passend zum Ausklang intonierte. Der Eintritt zur "Heiligen Nacht" war frei. Beim Hinausgehen aber zeigt man sich angesichts der vielen Geldscheine, die sich in den Körbchen häufen, mehr als spendenfreudig. Laut Pfarrer Thomas Vogl gingen 1000 Euro ein, "... ein schönes Ergebnis", so der Dekan auf Anfrage. Noch mehr freue ihn aber, "dass es ein schöner, geistlicher Abend war".

Der Applaus am Ende der „Heiligen Nacht“ wurde gerecht auf die Darsteller – von links – Rita Gleißner, Willi Pröls, Ulrike Schwab und Resi Lorenz verteilt.
Das Gesangstrio „Z’sammg’stimmt“ aus Luhe bereicherte den Abend mit seinen musikalischen Darbietungen.
Aus der „Heiligen Nacht“ mit Willi Pröls wurde ein bemerkenswerter Erzähl-Abend.
Mit je einem Adventsgebinde bedankte sich Stadtpfarrer Thomas Vogl bei seinen musikalischen Gästen aus dem oberpfälzischen Luhe.
Der Andrang war groß. Die Stiftsbasilika war gut gefüllt.
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