15.02.2019 - 15:20 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Autoren sauer aufs Kloster

Zuerst sollte es ein "Prachtband" werden. Doch nun sollen Geschichte, Gegenwart und künftige Herausforderungen des Klosters Waldsassen in zwei Ausgaben einer Fachzeitschrift erscheinen. Den Autoren gefällt das gar nicht.

Aus dem zunächst geplanten Bildband über das Kloster Waldsassen (im Bild das Gästehaus St. Joseph) soll nun eine deutlich weniger aufwendig gestaltete Sonderausgabe der "Cistercienser Chronik" werden. Den beteiligten Autoren gefällt das gar nicht. "Wortbruch" wird dem Kloster vorgeworfen.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

In einer umfangreichen Stellungnahme reagiert Dr. Georg Schrott, der wie viele andere Autoren Beiträge für das Projekt abgeliefert hat, auf die Veröffentlichung in Oberpfalz-Medien vor einer Woche unter dem Titel "Eigener Band für Gegenwart und Zukunft". Darin wird die Aufgabe des bisher geplanten Projekts und die alternativen Veröffentlichungen erläutert.

Der Beitrag auf der Grundlage einer Presseerklärung der Abtei scheine eine harmlose, pragmatische Entscheidungsfindung darzustellen, so Schrott. Der Beitrag sei aber "offenbar präventiv veröffentlicht" worden, "um zu verschleiern, dass es sich bei dem Vorgang um einen schweren Konflikt handelt, verbunden mit der unverständlichen Brüskierung zahlreicher ehrenamtlich Engagierter".

30 Autoren

Dem Historiker liegt es daran, die "irreführende und verkürzte Darstellung" zu ergänzen und zu korrigieren. Dazu erinnert der gebürtige Waldsassener, der in Sprockhövel in Nordrhein-Westfalen lebt, an die Vorgeschichte. Professor Schiedermair war vergangenes Jahr mit der Herausgabe eines repräsentativen Bandes mit hochwertigen Fachbeiträgen und Abbildungen zur Geschichte des Klosters beauftragt worden.

Im Mai 2018 stellten die Klosterfreunde 25000 Euro für das Buchprojekt bereit.

Als Maßstab dienten frühere aufwendige Bände unter der Regie des Herausgebers, etwa über das Kloster Oberschönenfeld. 30 Autoren gewann Schiedermair für das Projekt - darunter neben Georg Schrott Stadtheimatpfleger Robert Treml, Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter und Historiker Manfred Knedlik. Alle Autoren hätten sich ehrenamtlich beteiligt; es seien keine Verträge aufgesetzt worden. "Es galt das gesprochene Wort." Die Verfasser machten sich an die Fertigstellung. Im November 2018 waren die Artikel abzugeben, knapp 50 Texte, von denen der größte Teil fertig vorliegt. "Drei Monate danach, Ende Januar 2019, wurde das Projekt überraschend durch Frau Äbtissin gekippt", so Schrott. "Ein klarer Wortbruch gegenüber Verfassern und Herausgeber."

Zum Argument, wonach die Finanzierung des Bandes auf schwachen Beinen stehe und sich die Crowdfunding-Aktion als wenig erfolgreich erweist, schreibt Schrott: "Als sich die Mitarbeiter des Bandes an die Arbeit machten, war nicht die Rede davon, dass nachträglich mit Crowdfunding experimentiert werden müsse." Die Finanzierung habe als gesichert gegolten. "Man wird nicht unterstellen dürfen, dass die Autoren trotz fragwürdiger Finanzlage an die Arbeit geschickt wurden." Dann aber sei anzunehmen, "dass das jetzige Geld-Argument vorgeschoben ist, vielleicht, um von der Alleinverantwortung für die Konzeptänderung abzulenken".

Kein angemessenes Layout

Schrott weist darauf hin, dass die Konzeptänderung eine alleinige Entscheidung des Klosters und ohne jegliche Rücksprache mit dem Herausgeber erfolgt sei. Über die Veröffentlichung der inzwischen vorliegenden Beiträge im Jahr 2020 in einer Sonderausgabe der "Cistercienser Chronik" habe es zum Zeitpunkt der Pressemitteilung keine Absprache mit den Autoren gegeben. "Es ist auch völlig offen, ob der Vorschlag in deren Sinn ist, denn die ,Chronik' wird nur von einigen Fachleuten gelesen und kann für die kunstgeschichtlichen Beiträge kein angemessenes Layout bieten." Schrott spricht von einem urheberrechtlichen Übergriff: "Nur die Verfasser allein können entscheiden, ob und wo ihre Artikel erscheinen."

Schrott weiß von mehreren seiner Mit-Autoren über deren Unverständnis, "dass eine religiöse, den christlichen Werten verpflichtete Institution so mit der Wahrheit und mit Menschen umgeht". Menschen hätten ihre Zeit und ihr freiwilliges Engagement dem Kloster, seiner Geschichte und Kultur gewidmet. "Ich teile dieses Unverständnis", so Schrott. "Heute, wo die Kirche und ihre Vertreter aus nachvollziehbaren Gründen ständig auf dem Prüfstand der moralischen Glaubwürdigkeit stehen, ist es höchst riskant, wenn die ,spirituell geistlich-geistige Bedeutung des Klosters' - ein Zitat aus der Pressemitteilung - durch ein derartiges Verhalten diskreditiert wird."

Infobox:

„Der Auftraggeber hat eine Entscheidung getroffen. Das ist ein ganz normaler Vorgang“, erklärte Harald Schiffl, Pressesprecher der Mehrerauer Kongregation und des Klosters Waldsassen, auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Autoren und Herausgeber seien auch über die neue Situation informiert. Im Auftrag von Äbtissin Laetitia Fech begründet Schiffl die Neuorientierung bei dem Buchprojekt mit „finanztechnischen Gründen“. Schiffl erklärte bei seinem Anruf aus Wien: Beim Entstehungsprozess habe sich gezeigt, dass die Veröffentlichung über die Abtei Waldsassen mehr den Schwerpunkt „Gegenwart und Zukunft“ beleuchten solle. Bei der „Cistercienser Chronik“ handelt es sich nach den Worten von Schiffl um eine fortlaufende Reihe von Veröffentlichungen, die mehrmals im Jahr in unregelmäßigen Abständen erscheint. Der Pressesprecher äußert Verständnis für den Unmut der Autoren; diese würden aber ihr Honorar erhalten. „Diese Arbeit ist wertvoll und wichtig“, so Schiffl über die Beiträge. Sie würden nicht in einer Schublade verschwinden, sondern würden ja veröffentlicht, „aber mit einem anderen Drive“.

Dr. Schrott verweist noch darauf, dass der Auftrag für den Band vom Klosterfreund-Verein kam. Somit hätten Äbtissin und Konvent das Projekt nicht abbrechen können, sondern allein der Vereinsvorstand oder die Mitgliederversammlung.

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