07.05.2021 - 16:44 Uhr
WaldsassenOberpfalz

BRK-Mitarbeiter sprechen über ihre Arbeit im Impfzentrum: "Ich will Menschen helfen"

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Flexibilität, Belastbarkeit und der Kampf gegen die Pandemie: Oberpfalz-Medien durfte einen Tag hinter die Kulissen des Impfzentrums Waldsassen blicken und begleitete Mitarbeiter bei ihrer Arbeit.

Aysun Karagöz ist eine von vielen BRK-Mitarbeitern im Impfzentrum Waldsassen. Die Medizinische Fachangestellte impft mit und will anderen Menschen helfen.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Der Landkreis steht im bayernweiten Vergleich beim Impfen gegen das Coronavirus gut da. "27 037 Personen haben eine Erstimpfung erhalten, 7020 eine Zweitimpfung", teilt Sven Lehner, Pressesprecher vom BRK-Kreisverband, mit. Das BRK betreibt das Impfzentrum in Waldsassen. Hier arbeiten viele Minijobber, Teilzeitkräfte und Ehrenamtliche. Leiterin Melissa Wagner erklärt: "Wir impfen nicht mehr unter Volllast." Die Zeit der Sonderkontingente ist vorbei, es herrscht Impfstoffmangel.

So konnten diese Woche 1356 Impfungen durchgeführt werden. "An vier Tagen war das Zentrum geschlossen", so Lehner. Dafür war an den anderen Tagen Vollbetrieb. Die Verantwortlichen arbeiten oft von Woche zu Woche. Oberpfalz-Medien durfte vier Mitarbeitern über die Schulter schauen und sie bei ihrer Arbeit begleiten.

Von der Gastronomie zum BRK

"Auf Ihrer Einladung steht, dass Sie heute Moderna bekommen, wir haben aber nur Biontech da. Ist das für Sie in Ordnung?", fragt Nicole Sirtl an der Anmeldung hinter der Plexiglasscheibe. Der ältere Herr auf der anderen Seite vom Tisch nickt. Die 37-Jährige schaut sich den ausgefüllten Impfbogen und den Ausweis an. Sie kontrolliert auf ihrem Bildschirm, ob der Mann einen Termin im Impfzentrum Waldsassen hat. "Wie lange dauert die Impfung?", fragt der Herr. "Es geht schnell", verspricht Nicole.

Sie befestigt die Dokumente auf einem roten Klemmbrett. Nimmt den Kugelschreiber in die Hand und vermerkt den Impfstoff. "Dann dürfen Sie zur Impfaufklärung, den Gang hoch und dann rechts." Nicole winkt einer Dame zu, sie ist als nächstes dran. In der Schlange am Eingang warten bis zu 15 Menschen mit Abstand und FFP2-Maske. Security-Mitarbeiter achten darauf, dass alles geordnet zugeht. "Viele kommen früher vor ihrem Termin. Dann staut es sich", erklärt Nicole. Die Termine werden im Viertelstunden-Takt vergeben. "Pro 15 Minuten sind es etwa zehn Personen, manchmal auch mehr."

„Wir können Impfwillige nicht einfach finden. Die Leute müssen sich anmelden.“

Daniel Schmidkonz, Teamleiter Verwaltung am Impfzentrum Waldsassen

Vier Personen bewältigen den Andrang am "Check-In". "Am Anfang waren wir zu zweit." Wenn die Leute ihre Unterlagen dabei haben, geht es schnell. Anders bei einem Mann, der im Eingangsbereich telefoniert. "Gib mir mal bitte die Mama. Sie muss mir schnell etwas faxen", sagt er aufgeregt. Inzwischen seien es schon weniger Leute geworden, die keine Nachweise für ihre Priorisierung dabei hätten. Nicole und ihre Kollegen rufen auch beim Hausarzt an, oder schicken die Leute nach Hause, um Unterlagen zu holen. "Sie können dann später wieder kommen."

Für die meisten Mitarbeiter im Impfzentrum beginnt der Arbeitstag um 7.30 Uhr. Bevor es losgeht, muss jeder einen Schnelltest machen, obwohl viele schon geimpft sind. Einmal pro Woche ist ein PCR-Test Pflicht. Ist der Test negativ, wird der Arbeitsplatz vorbereitet. Um 8 Uhr kommen die ersten Leute mit Termin. Zwischen 12 bis 13 Uhr ist Pause, dann geht es bis 17 Uhr weiter. "Aber es kann länger werden, wenn Impfstoff übrig ist", weiß Nicole. Sie ist ausgebildete Ergotherapeutin. Vor Corona arbeitete sie in der Gastronomie. Da ihr Arbeitgeber schließen musste, begann sie beim BRK zu arbeiten. Zunächst unterstützte die zweifache Mutter aus Erbendorf das Testzentrum, bevor sie als Teilzeitkraft ins Impfzentrum wechselte.

Viel Bürokratie

Aysun Karagöz wartet in Impfkabine Nummer vier. Nach der Aufklärung beim Arzt dürfen die Menschen zu ihr. Sie trägt Schutzkleidung. Hinter ihr sitzen Helferinnen, die Impfstoff in die Spritzen aufziehen. Aysun stellt sich auf den Gang: "Kommen Sie zu mir", ruft sie. Ein Mann kommt herein und setzt sich. Er gibt Aysun sein Klemmbrett. Die 23-Jährige prüft den Namen und das Geburtsdatum, während der Mann seinen Ärmel hochkrempelt. "Den Arm bitte locker lassen", sagt Aysun. Sie desinfiziert die Einstichstelle und sticht die Nadel durch die Haut. "Was? Das war es schon?", fragt er. Am Schluss gibt es ein Pflaster. "Leider ohne Blümchen", witzelt die junge Frau. Ihr Patient geht dankend und zufrieden aus dem Raum. Er wird in den Wartebereich geschickt, nach 15 Minuten darf er gehen.

Aysun ist Medizinische Fachangestellte. Sie wurde nach ihrer Ausbildung im Krankenhaus nicht übernommen und war danach arbeitssuchend. Beim BRK hat sie eine Vollzeitstelle gefunden. "Ich helfe bei der Registrierung, Aufklärung, beim Impfen oder bin Impfhelferin", sagt die Waldsassenerin. Ihr Ziel: "Ich will Menschen helfen." Inzwischen sind die Abläufe eingespielt. An die Ganzkörper-Schutzkleidung habe sie sich gewöhnt. "Es gibt jetzt neue Kleidung, in der man nicht so schwitzt. Wenn es warm ist, ist das schon belastend." Beim Impfen werde alles dokumentiert: Wie viele Personen geimpft worden sind, wie viele Spritzen noch übrig sind oder wie viel noch aufgezogen werden muss. "Es ist viel Bürokratie." Am Anfang seien ältere Leute oft überfordert gewesen. "Viele hatten Angst vor der Impfung. Jetzt sind die Leute aber informiert."

Ganzes Leben verändert

"Ich bin der Mann für alles", sagt Gerald Wagner. Der stellvertretende Leiter des Impfzentrums ist eigentlich Elektrotechnikermeister bei der Firma IGZ. Diese hat ihn in der Coronakrise seit mehreren Monaten freigestellt, damit er ehrenamtlich gegen die Pandemie kämpfen kann. Seit 10. März 2020 ist Wagner mit im Krisenstab des BRK. Sein ganzes Leben hat sich verändert. Jeden Tag kümmert er sich um die Lagemeldung zu verschiedenen Einrichtungen. "Ich kümmere mich um Zahlen und Fakten." Er übermittelt aktuelle Testzahlen an das Landratsamt oder die Regierung. Am Donnerstag gibt es immer einen Statusbericht zum Impfen. Dabei geht es auch um Materialbeschaffung. "Wir müssen immer im Blick haben, wenn etwas knapp wird." Die Nachfrage nach Masken, Schutzoveralls oder Einweghandschuhen sei enorm. "Ein Päckchen Einweghandschuhe kostet momentan 20 Euro", sagt er. Auch die Antikörper-Studie im Landkreis läuft über Wagners Tisch.

Seine Arbeitstage sind oft lang. Es gebe Tage, da komme der Erbendorfer erst um 21 oder 22 Uhr nach Hause, und manchmal gehe es erst um 3 Uhr ins Bett. Nicht immer wissen die Leute im Impf- oder im Testzentrum die Arbeit des BRK zu schätzen. "Die Damen an der Anmeldung mussten schon einiges an Beschimpfung aushalten." Auch der Vorwurf, dass das BRK nur mehr Menschen teste, um Geld zu bekommen, kann er nicht verstehen. "Wir haben nichts davon. Bezahlt werden nur die Verwaltungskosten und die Lohnkostenpauschale." Doch obwohl man für manche der Sündenbock sei, sagt er: "Ich mache das gerne, deshalb bin ich da."

Flexibilität gehört dazu

Die Terminvergabe für das Impfen übernimmt Daniel Schmidkonz. Der 29-Jährige ist Teamleiter in der Verwaltung. Nach seinem BWL-Studium war er im Herbst vergangenen Jahres auf Jobsuche. "Die Lage am Arbeitsmarkt war nicht so gut. Dann habe ich mich informiert, dass das BRK den Betrieb für das Impfzentrum übernimmt." Er hat sich Ende November beworben, am 15. Dezember ging es los. Für ihn ist es eine spannende und herausfordernde Arbeit. "Man muss sich jeden Tag neu aufstellen." Flexibilität gehört für alle Mitarbeiter zum Alltag. "Oft werden Neuigkeiten schneller über die Medien verbreitet, bevor es klare Vorgaben von der Regierung gibt", sagt Daniel.

Über das Programm "bayimco" hat Daniel die Termine im Blick. "Es gibt einen Impfplan. Die Regierung schickt eine E-Mail und berichtet, wie viel Impfstoff kommt." Daniel gibt das an sein System weiter und Einladungen werden verschickt. Er legt für jeden Tag, an dem geimpft wird, eine Exceltabelle an. Über Teams wird die Liste an Security-Mitarbeiter oder die Anmeldung weitergeleitet. Zudem ist Daniel in Kontakt mit den Außenstellen in Waldsassen, Waldershof und Kemnath. Aktuell ist man bei den Impfungen im Landkreis etwa in der Mitte von Priorität 3 angekommen. 8378 Personen sind aktuell bei www.impfzentren.bayern registriert, aber noch nicht eingeladen worden. Bei rund 71 800 Bürgern fehlen also noch einige, die sich nicht für eine Impfung angemeldet haben. "Wir können Impfwillige nicht einfach finden. Die Leute müssen sich anmelden."

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