20.11.2020 - 13:32 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Diamantene Profess im Kloster Waldsassen

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Die Gottesdienstbesucher klatschten Beifall, nachdem Pfarrer Thomas Vogl in der Basilika auf den bevorstehenden Ehrentag verwies: Sr. M. Mechtild Hohenberger feiert ein besonderes Jubiläum. Dazu wird Besuch aus dem hohen Norden erwartet.

Sr. Mechtild Hohenberger feiert diesen Sonntag im Kloster Waldsassen die Diamantene Profess. Durch ihre frühere Tätigkeit als Fachlehrerin in der Mädchenrealschule der Zisterzienserinnen ist die Ordensfrau im ganzen Landkreis bekannt.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Am Sonntag feiert Sr. M. Mechtild Hohenberger im Kloster Waldsassen ihr 60. Profess-Jubiläum. "Im Kirchenanzeiger steht's", so die Ordensfrau über ihr Fest, zu dem sie nicht groß eingeladen hat. "Hauptsache ein Gottesdienst", freut sich die Zisterzienserin auf die Eucharistie um 10.30 Uhr in der Klosterkirche – unter Einhaltung der üblichen Regeln in der Pandemie.

"Egal in welche Praxis ich komme, die kennen mich", wundert sich Sr. M. Mechtild Hohenberger, dass sie sogar in Tirschenreuth bekannt ist, etwa wenn sie dort zum Arzt geht. Dass die Ordensschwester im Landkreis viele Leute von früher kennen, ist kein Wunder: 38 Jahre lang war die Ordensfrau im Schuldienst tätig, unterrichtete in der Mädchenrealschule der Abtei Kurzschrift und Maschinenschreiben. "Das habe ich sehr geliebt und ich habe es auch sehr gut beherrscht." Noch heute stenografiert sie ihre Notizen. "Aber die Schrift ist schlecht", beurteilt sie sich selbst und fügt hinzu: "Ich muss es ja heute nur mehr selbst lesen können."

Ein Kulturgut

Sr. Mechtild bedauert, dass aus dem Lehrplan Kurzschrift gestrichen ist. Sie sei Kulturgut, nicht einfach ein Hinschreiben von Zeichen. Dass sie die Begeisterung für ihr Fach erfolgreich weitergeben konnte, zeigte sich bei überregionalen Wettbewerben: Sr. Mechtilds Schülerinnen schnitten jeweils erfolgreich ab. Nach dem Einzug des PC im Unterricht hatte die Fachlehrerin noch Weiter- und Fortbildungen absolviert.

"Das ist schon eine lange Zeit", so die Ordensfrau über die vergangenen 60 Jahre im Kloster Waldsassen. Der Zeitpunkt für das Professjubiläum am Ende des Kirchenjahres hat einen besonderen Grund. "In der Freizeit war ich viel im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) tätig", erinnert sich die 1937 in Nürnberg-Reichelsdorf geborene Ordensfrau an ihre Kindheit und Jugend. Nach der Nazizeit war die Jugendarbeit der katholischen Jugend wieder neu aufgeblüht. "Wir von der Pfarreijugend feierten begeistert das Christkönigsfest alljährlich groß auf Dekanatsebene als Bekenntnistage."

Am Christkönigssonntag

Vor diesem Hintergrund äußerte Sr. Mechtild nach dem Eintritt ins Kloster Waldsassen 1959 den Wunsch, auch am Christkönigssonntag eingekleidet zu werden. Nach dem Noviziatsjahr legte sie 1960 unter Äbtissin M. Raphaela Beck die Ordensgelübde ab – am letzten Sonntag im Oktober: An diesem Termin war noch vor der Liturgiereform das Christkönigsfest gefeiert worden; entsprechend wird das Jubiläum auch am inzwischen späteren Christkönigssonntag gefeiert, eine Woche vor Beginn des Advents.

Schon bald nach der Schulzeit verspürte die junge Frau den Wunsch nach einem Leben in einem Orden. "Ich wollte in ein Kloster, das streng und nicht nach außen tätig ist", erinnert sich die Schwester. "Geh' halt nach Waldsassen", so der Rat der Mutter, die aus der Region stammte und im Stiftland die Klosterschule besuchte. "Sie hat uns Kindern immer erzählt, wie es hier war", erinnert sich Sr. Mechthild, die mit einer jüngeren Schwester aufgewachsen ist.

Voller Enthusiasmus

"Als junges Mädchen war ich voller Begeisterung und Enthusiasmus", erinnert sich die Zisterzienserin an die Zeit nach ihrer Profess. "Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen", erzählt Sr. Mechtild, dass sie sich im Krug das Wasser in die Zelle holen musste. Heute sei alles moderner und auch angenehmer für sie. Dazu gehört auch, dass das Chorgebet werktags um 6 Uhr beginnt und nicht wie früher schon um 4 Uhr.

"Ich sehe es als Geschenk und Gnade, dass man das durchhalten darf."

Sr. Mechtild Hohenberger

Die Veränderungen im Zuge der Generalsanierung empfindet die Ordensfrau als angenehm, wenngleich sie nicht unmittelbar damit zu tun hatte. "Alles ist jetzt schön saniert." Sr. Mechtild erinnert sich noch gut daran, dass in der heutigen Aula früher Schulküche, Speiseraum und noch ein Klassenzimmer untergebracht waren. Und die Klosterkirche war nur über einen verwinkelten Weg zu erreichen. "Das waren enge, finstere und düstere Gänge."

Geschenk und Gnade

"Den Ruf habe ich gespürt, sonst würde man das nicht durchhalten", resümiert Sr. Mechtild, warum sie ins Kloster ging. "Viele, die wieder austreten, haben diesen Ruf nicht gehört." Die Ordensfrau vergleicht ihre Beziehung zum Herrgott mit einer Ehe. "Drum prüfe, wer sich ewig bindet", sagt die Zisterzienserin mit einem Augenzwinkern. "Ich sehe es als Geschenk und Gnade, dass man das durchhalten darf." Aber man müsse dranbleiben an dieser Beziehung, sagt sie im Rückblick und nennt die persönliche Beziehung zu Gott im Gebet. "Sonst sieht man keinen Sinn in dem Ganzen."

Sr. Mechtild blickt zurück auf ein erfülltes und glückliches Ordensleben, "nicht ohne Auf und Ab und innere Kämpfe wie mehr oder weniger in jedem Leben", wie sie sagt. "Gott hat mich geführt, und ich kann nur danken." Die Ordensschwester unterstreicht den kontinuierlichen Ablauf im Klosterleben die vielen Jahrzehnte über. Nach dem Ausscheiden aus dem Schuldienst 2000 wurde Sr. Mechtild von Äbtissin Laetitia zur Priorin ernannt. Das Amt hat sie noch immer inne.

Besuch aus Norwegen

Den Kontakt zur Schule pflegte die frühere Lehrerin bislang noch bei besonderen Veranstaltungen. Sie kümmerte sich um die Chronik und betreute bis zur Eröffnung des Hauses St. Joseph die Gäste der Abtei. Dies alles sei nun aber jüngeren Mitschwestern überlassen.

Zum Jubiläum diesen Sonntag wird Besuch aus Norwegen erwartet - Pater Antonius Sohler. Der Ordensmann aus dem Allgäu wirkt in Hammerfest und kommt extra des Jubiläums wegen nach Waldsassen, "trotz Corona", wie Sr. Mechtild sagt. In der Zisterzienserinnen-Abtei war Pater Antonius in der Vergangenheit als auswärtiger Beichtvater tätig.

Bereits vor einigen Wochen gab's im Kloster Waldsassen Grund zum Feiern

Waldsassen

Ein Besuch in der Abtei Waldsassen

Hintergrund:

Vom Steueramt ins Kloster

  • Irmtraud Hohenberger arbeitete nach der Volks- und Handelsschule zunächst einige Zeit im Steueramt der Stadt Nürnberg.
  • 1959 trat sie in Waldsassen ins Kloster ein und nahm den Ordensnamen Mechtildis an. "Das feierliche lateinische Chorgebet als offizielles weltweites Gebet der Kirche für Kirche und Welt hatte mich angezogen, dazu die Öffnung nach außen durch die Schule", sagt sie.
  • Nach dem Noviziat begann in Bayreuth und Landau/Isar eine Ausbildung zur Fachlehrkraft für Kurzschrift und Maschinenschreiben, später noch in München ein Kurs für Internatserzieher.

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