15.01.2019 - 14:41 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Falschparker vor der Basilika

Sage und schreibe 60 gebührenpflichtige Verwarnungen verteilt Markus Mickisch vergangenes Wochenende. Und wer glaubt, dass der kommunale Parküberwacher der Stadt Waldsassen dabei besonderen Spaß hat, liegt völlig daneben.

Bürgermeister Bernd Sommer zusammen mit den beiden kommunalen Parküberwachern Gerhard Laab und Markus Mickisch (von links) am Basilikaplatz. Der ist im Moment ein sprichwörtlich heißes Pflaster für Verkehrsteilnehmer, die ihre Autos dort parken.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

"Der größte Erfolg wäre es für den Parksheriff, wenn er keine Verwarnungen ausstellen müsste", erklärt Bernd Sommer. Der Bürgermeister rechtfertigt auf Anfrage von Oberpfalz-Medien den Einsatz am Samstag und am Sonntag auf den Plätzen im - verkehrsberuhigten - Innenstadtbereich. Sommer kündigt an, dass die Parksheriffs weiterhin ihren Job erledigen werden, " . . . immer wieder auch an den Wochenenden".

Neben Markus Mickisch ist noch Gerhard Laab stundenweise als Parküberwacher tätig; sein Arbeitsschwerpunkt ist aber vorrangig die Stadtbücherei. Durch die erhöhte Stundenanzahl, die für die Überwachung des ruhenden Verkehrs aufgewendet wird, könne durchaus das Gefühl einer höheren Kontrolldichte in der Bevölkerung entstehen, heißt es auf Anfrage im Rathaus.

Anrufe im Rathaus

"Ich hatte schon diverse Anrufe", so Markus Mickisch über die Resonanz von Leuten, die sich ungerecht behandelt fühlen. Auch Autos von Kirchgängern, die am Samstag und am Sonntag die Gottesdienste in der Basilika besuchten, waren aufgeschrieben worden. Doch die Rechtslage sei eindeutig: Kirchenstraße, Goethestraße, Basilikaplatz und Johannisplatz sowie die Prinzregent-Luitpold-Straße sind komplett als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen. Wer dort außerhalb der gekennzeichneten Flächen sein Auto abstellt, werde gebührenpflichtig verwarnt. Schilder seien jeweils an den Zufahrten auf beiden Seiten zu dem verkehrsberuhigten Bereich aufgestellt - beim "Thamanigl", beim Restaurant "Stella" und bei der Sparkasse. Auf die Regelung sei mehrmals hingewiesen worden. "Zu 95 Prozent sind es Einheimische", so Mickisch über seine "Kunden". Doch auch auswärtige Autofahrer seien darunter. Sie aber stellten ihre Fahrzeuge nur dort ab, wo schon welche sind. Beobachtungen über einen längeren Zeitraum hätten gezeigt: "Wenn keine Autos am Basilikaplatz stehen, stellen sich auch keine Fremden hin." In der Vergangenheit, als das Rathaus Baustelle war, durften Gäste des Hotels "Forsthaus" den Basilikaplatz als Stellplatz benutzen. Diese Ausnahmegenehmigung sei aber nur bis 31. Dezember gültig gewesen, informiert Mickisch. "Pirkls Leute stehen alle am Rathaushof. Die sind kein Problem."

Rettungszufahrt versperrt

Hintergrund der Kontrollen ist, dass die Rettungszufahrten frei bleiben müssen. Bei Gottesdiensten sowie bei Konzerten hielten sich viele Leute in der Basilika auf, so Mickisch. Er mag sich gar nicht ausmalen, wie groß Geschrei und Wehklagen in der Öffentlichkeit wären, wenn Notarzt oder Feuerwehr rasch zur Kirche müssten - und die Einsatzkräfte dann wegen geparkter Autos nicht zum Einsatzort vordringen könnten.

Mickisch weiß aus seiner Erfahrung, dass in aller Regel andernorts jede Menge Platz zum Parken zur Verfügung steht. "Das ist der normale Gang", so der kommunale Verkehrsüberwacher über seinen Weg zur Parkanlage Schwanenwiese. "130 Stellplätze, 10 davon belegt", so Mickisch über das Angebot an Parkflächen, etwa am Samstagabend. Als Beweismittel, wie er sagt, knipst er jeweils ein Foto mit Datum und Uhrzeit. Bürgermeister Bernd Sommer erinnert an die Ausnahmesituation mit eingeschränkten Parkflächen wegen der Rathaus-Baustelle. Doch nun müsse, nach einigen Tagen "Schonfrist", wieder Ordnung beim Parken einkehren. Dass der Basilikaplatz von Autos frei gehalten wird, ist nach den Worten des Bürgermeisters auch der Wunsch von Stadtpfarrer Thomas Vogl. Sommer weist außerdem darauf hin, dass die Poller am Basilikaplatz wieder ergänzt werden. Dann sei auch die Abgrenzung von der Fahrbahn wieder besser erkennbar.

Hier die Stellungnahme von Stadtpfarrer Thomas Vogl

Waldsassen

"Ich verstehe es nicht", macht Sommer kein Hehl aus seiner Ansicht, dass noch immer relativ viele Autofahrer das Parkverbot ignorierten - und die Rettungswege behinderten. Jeder wisse, dass das Parken auf den innerstädtischen Plätzen außerhalb der gekennzeichneten Flächen nicht erlaubt sei. "Es macht uns keinen Spaß", sagt Sommer über die Kontrollen und fügt hinzu: Gehbehinderte mit Ausweis könnten besondere Rechte in Anspruch nehmen; für sie seien extra Plätze ausgewiesen. Den Ärger mancher Betroffener, die im Rathaus anrufen und sich beschweren, kann Sommer nicht nachvollziehen. "Wir müssten uns eigentlich ärgern, dass wir diese Verordnungen ausstellen müssen."

Die entsprechenden Verkehrsschilder sind jeweils an den Zufahrten zu dem verkehrsberuhigten Bereich auf beiden Seiten der Fahrbahn aufgestellt, wie etwa hier in der Kirchenstraße.
Die entsprechenden Verkehrsschilder sind jeweils an den Zufahrten zu dem verkehrsberuhigten Bereich auf beiden Seiten der Fahrbahn aufgestellt, wie etwa hier am Johannisplatz.
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